Die IT-Industrie liebt bekanntlich neue Standards. Auch wenn die alten noch gar nicht richtig etabliert sind. So auch bei den Videoschnittstellen: Nachdem gerade erst der analoge VGA-Standard von DVI abgelöst wurde, kam schon HDMI aus der Unterhaltungselektronik hinzu.
Und seit Januar gibt es bereits wieder einen neuen Stecker: Die ersten Geräte mit der DisplayPort-Schnittstelle sind auf dem Markt. Der DisplayPort (DP) soll nach dem Willen der Industrievereinigung VESA, die "veralteten" Standards VGA und DVI ablösen und zumindest mit HDMI gleichberechtigt eingesetzt werden.
Der Hauptvorteil: Der DisplayPort kann – anders als HDMI – weitgehend lizenzfrei produziert werden. Damit könnte der neue Videostecker einerseits die Gewinnmarge der Hersteller erhöhen, andererseits die Gerätepreise für den Endanwender deutlich senken. Quasi nebenher bietet der DisplayPort noch eine Reihe weiterer technischer Vorzüge. Diese sind seit Januar in der Standardrevision 1.1a festgeschrieben.
Kabel bis 15 Meter
Ein Größenvergleich zeigt den ersten Pluspunkt: Der DisplayPort ist deutlich kleiner als ein DVI-Port – damit passen in Notebooks auch zwei Video-Ausgänge; auf einem PC-Slotblech haben sogar vier DP-Ausgänge Platz.
Weiterer großer Vorzug: Der DP-Stecker ist – ähnlich wie ein Netzwerkkabel – mit Verriegelungsnasen ausgestattet, die beim Einstecken einrasten. Das sorgt für eine stabile Verbindung. Herausrutschen wie bei HDMI ist unmöglich, lästiges Verschrauben wie bei VGA oder DVI überflüssig.
Aber auch intern ist der DisplayPort eine technische Innovation. Das Datenübertragungsverfahren basiert auf Mikropaketen und ist so besser vor Störstrahlungen geschützt. Die Mikropakete werden in bis zu vier Kanälen übertragen, wenn die benötigte Auflösung dies erfordert. Erkennt der DP, dass eine optimale Verbindung herrscht (bei kurzen Kabeln), wird die Datenrate auf 2,7 Gbit/s pro Kanal gesetzt. Sonst schaltet er auf 1,62 Gbit/s zurück – das ist immer noch ausreichend für eine Auflösung von 1.920 x 1.200 Pixel (oder 1.080p).
In Sachen Kabellänge kann der DisplayPort somit klar punkten. Bis zu 15 Meter darf ein Kabel lang sein. Zum Vergleich: HDMI-Kabel machen wesentlich früher Probleme – sie sind nur bis zu fünf Metern spezifiziert.
Kopierschutz & Audio
Zusätzlich zu den vier Datenkanälen bietet der DisplayPort auch eine Hilfsleitung (Auxiliary), über die derzeit 1 Mbit/s laufen kann. Genug Bandbreite für die Audioübertragung sowie den Transfer der Monitorkenndaten (DDC).
Dieser Hilfskanal soll künftig auf ein Tempo von bis zu 480 Mbit/s ausgebaut werden – und damit so schnell sein wie USB 2.0. Der DisplayPort beherrscht außerdem Hot-Plugging. Dafür steht eine eigene Leitung zur Verfügung.
Keine neue Schnittstelle ohne Kopierschutz: Da DP-Geräte auch kopiergeschützte HDMI-Inhalte abspielen sollen, unterstützt der DisplayPort HDCP – und auf Wunsch sogar noch einen weiteren Kopierschutz mit der Bezeichnung DPCP (DisplayPort Content Protection).
Besonders viel sparen könnte der DisplayPort-Standard mit "Direct-Drive"-Monitoren, die außer dem TFT-Controller keine eigene Elektronik besitzen. Ein OSD (On Screen Display) gäbe es dann nicht mehr. Alle Bildparameter würden komplett durch die Grafikkarte gesteuert.
Verfügbarkeit
Der wahre Riesenvorteil des neuen Videostandards ist der niedrigere Preis in Herstellung und Verkauf. Man kann also annehmen, dass er sich durchsetzen wird. Besonders, weil die Umstellung sanft erfolgt: Anfangs werden DPs immer zusammen mit herkömmlichen Schnittstellen an Grafikkarten und Monitoren zu finden sein.
AMD/ATi unterstützt den DisplayPort-Standard bereits mit der aktuellen Grafikchipfamilie Radeon HD 3000 (Modelle 3450/ 3650). Von nVidia sind bereits erste Grafikkarten mit GeForce-9000-Chips im Handel. Intel will DisplayPorts sowohl mit seiner 45er-Chipsatz-Serie unterstützen, als auch mit den ebenfalls für Sommer erwarteten Centrino-2-Notebooks.
In künftigen Varianten soll man DisplayPort-Bildschirme sogar in Reihe schalten können (Daisy Chaining): Ein Kabel führt von der Bildquelle zum ersten Bildschirm, das zweite Kabel vom ersten Monitor zum zweiten und so weiter. Dabei geht keine 3D-Leistung verloren. Wann diese In-Reihe-Schaltung Eingang in die DP-Spezifikation finden wird, ist aber noch offen – schließlich muss sich zuerst einmal der aktuelle Standard 1.1a durchsetzen.
Kompatibilität
Egal, welche Videoschnittstelle das Endgerät hat: Der DisplayPort kann alle ansteuern. Am einfachsten funktioniert das mit reinrassigen DP-Monitoren; HDMI-, DVI- und VGA-Geräte lassen sich per Adapter verbinden. Wie teuer die Adapter werden, steht jedoch noch nicht fest.
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