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View Full Version : Umwelt/Natur - Hurrikan könnte Tsunami verursachen



vamp
23.04.2006, 20:33
Wellenbewegungen und Strömungen, die durch Hurrikane verursacht werden, bewegen Millionen Kubikmeter Meeresgrund. Forscher befürchten nun, dass die aufgetürmten Sedimente ins Rutschen geraten und so einen Tsunami auslösen könnten.

Sie wirken wie ein Sandsturm unter Wasser: Wellenbewegungen und Strömungen, die durch Hurrikane verursacht werden, bewegen Millionen Kubikmeter Meeresgrund. Das konnten Forscher im Golf von Mexiko messen. Nun befürchten sie, dass aufgetürmte Sedimente ins Rutschen geraten - und so einen Tsunami auslösen könnten.

screen Diese Schreckensvision sei realer als bislang gedacht, behauptet ein US-Forscherteam um William Teague vom Naval Research Laboratory in Mississippi. Sie stützten sich dabei auf eigene Messungen am Meeresboden des Golfs von Mexiko während des Durchzugs des Hurrikans "Ivan" im Jahr 2004. Dabei entdeckten die Forscher, dass der Wirbelsturm gewaltige Mengen Sedimente bewegt hat.

Wenn die Strömung konstant sei und die Sedimente hoch genug an einer Stelle aufgetürmt würden, könnten sie abrupt abrutschen und so einen Tsunami auslösen, erklärt Teague. Normalerweise werden die Wasserwalzen durch Seebeben, durch massive Erdrutsche an der Küste oder davor verursacht.

Als Ivan 2004 seine Bahn zog, hatten Teague und seine Kollegen sechs Messstationen am Meeresgrund eingerichtet, um Veränderungen in Wassertiefe, Druck und Strömung zu messen. Nach dem Sturm stellten die Forscher fest, dass an zwei Messstationen 30 Zentimeter Meeresboden abgetragen wurde. "Die Geräte zeigten sofort nach dem Passieren des Wirbelsturms die neue Tiefe an", sagt Teague.

Unterwasser-Sandsturm durch Hurrikan

Ivan verursachte also einen regelrechten Unterwasser-Sandsturm, berichtet das Team im Fachmagazin "Geophysical Research Letters". Trotz der Metallgehäuse zum Schutz der Instrumente, drang Sand in die Messgeräte ein und verstopfte eine Station sogar vollkommen.

Ausgehend von der Menge des fehlenden Sandes an den beiden Messorten rechneten die Forscher hoch, dass Ivan mehr als 100 Millionen Kubikmeter Material aufgewühlt und an anderer Stelle wieder abgeladen hat. Das Meiste davon, so Teague, sei wahrscheinlich auf dem Kontinentalschelf nahe des Mississippi-Deltas gelandet. An diesem Punkt gesellt sich zu Messung und Schätzung bei den Forschern eine gehörige Portion Phantasie hinzu:

Für zwei Tsunamis, die vor 5000 bis 10.000 Jahren im Golf von Mexiko durch Unterwasser-Erdrutsche ausgelöst wurden, gebe es geologische Beweise, schreibt Teague. Nur, was diese Erdrutsche am Meeresboden ausgelöst habe, sei unklar. Da der Golf von Mexiko seismisch nicht aktiv ist, scheiden Erdbeben als Erklärung aus.

Teague und seine Kollegen spekulieren daher, dass Urzeit-Hurrikane für die beiden Tsunamis verantwortlich sein könnten. Und wenn das stimme, gebe es keinen Grund warum so etwas nicht wieder passieren sollte. Das sei allerdings kein Grund zur Panik, denn die Wahrscheinlichkeit erscheine äußerst gering. "Wir weisen nur daraufhin, dass Hurrikane ein möglicher Auslöser für Tsunamis sein könnten", sagte Teague.

"Eine Tsunamiflutwelle würde Schäden anrichten, die weit jenseits der Verwüstungen von Hurrikan 'Katrina' liegen", sagte der Wissenschaftler. "Glücklicherweise ist das - wenn überhaupt - noch nicht oft passiert."