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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Archäologie - Gallier-Häuser in Paris ausgegraben



Cobra
26.04.2006, 19:49
Mitten in Paris sind Archäologen auf Reste von vier Gallier-Häusern gestoßen. Die Funde zeugen vom Beginn der Verstädterung Lutetias - und vom Mit- und Übereinander von Galliern und Römern: Neben den Häusern der Gallier verlief eine imperiale Straße. Ganz Gallien ist römisch. Ganz Gallien? - Nicht ein kleines Dorf tapferer Gallier, sondern gallische Häuser im Untergrund der römischen Stadt Lutetia, erregen die französischen Archäologen.
lNur zwei Monate bleiben ihnen, um sich ein Bild von einer der ersten Siedlungen der alten Römerstadt Lutetia zu machen. Bei Ausgrabungen auf dem Sainte-Geneviève-Hügel im Pariser Quartier Latin waren die Forscher auf Überreste von vier Gallier-Häusern und eine Straße aus der Römerzeit gestoßen.
Saint-Jacques-Hügel: Römerstraße und vier Gallierhäuser
Ende Juni soll an der Fundstelle ein neues Universitätsgebäude gebaut werden - bis dahin müssen die Wissenschaftler um Didier Busson mit ihrer Arbeit fertig sein. "Wir wollen den Beginn der Verstädterung verstehen", sagte der Chef-Archäologe von Paris.

Die sechs Meter breite, mit Bürgersteinen gesäumte Straße stammt aus der Zeit des römischen Kaisers Augustus, der vom Jahr 27 vor Christi Geburt bis zum Jahr 14 unserer Zeitrechnung geherrscht hatte. An ihrem Rand standen private Gallier-Häuser aus vier aufeinander folgenden Epochen bis ins zweite Jahrhundert. Die ältesten Gebäude aus dem ersten Jahrhundert nach Christus waren aus Lehm. Die später errichteten Häuser aus dem 2. Jahrhundert wurden aus Steinen gebaut.
"Für uns waren die Dichte und die Art der Ruinen eine Überraschung", sagte Busson. Ab dem zweiten Drittel des ersten Jahrhunderts seien verstärkt Zimmerleute zum Bau eingesetzt worden. In einer der jüngeren Ruinen aus Stein aus dem zweiten Jahrhundert wurden Thermen mit Kacheln, ein System zur Bodenheizung und Wandmalereien gefunden.
Im Laufe des 3. Jahrhunderts nach Christus wurde das Viertel nach und nach aufgegeben. Die Gebäude verfielen - auch weil sich die Menschen der Steine aus den Mauern bedienten, die sie zum Bau neuer Häuser benötigten.
öAusgrabung: "Art der Ruinen eine Überraschung" Erst 1632 kehrte wieder Leben auf den Hügel im heutigen Quartier Latin ein, als an der Stelle ein Kloster errichtet wurde. Weil die Grundmauern des Klosters direkt neben denen der alten Gallier-Häuser lagen, seien die älteren Fundamente bis 1910 gut geschützt gewesen, sagte der Archäologe Busson. 1910 wurde das Kloster abgerissen.

"Unser Traum wäre, herauszufinden wo sich einst das gallische Lutetia befand", sagte der Pariser Stadtarchäologe. Die vier Asterix-Häuser im Quartier Latin sind nach Ansicht der Experten aber eher Heimstatt von Rom-treuen Galliern gewesen, als Nachfolger einer vor-römischen Siedlung.
Das gallische Lutetia suchen Archäologen nicht dort, wo römische und einheimische Bausubstanz sich vermischen. Der Sainte-Geneviève-Hügel komme dafür nicht in Frage. Jean Paul Demoule vom Nationalen Archäologie-Institut Inrap sagte: "Die Römer zogen es vor, unberührte Stellen zu besiedeln. Sie bauten ihre Städte oft neben denen der Gallier."