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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Biologie - Gen-Gerste erstmals im Freien gesät



Cobra
30.04.2006, 16:26
Zum ersten Mal in Deutschland baut ein Gießener Forscherteam genmanipulierte Gerste außerhalb eines Labors an. Die Wissenschaftler wollen prüfen, ob die Aussat nützliche Bodenpilze schädigen könnte. Erste Ergebnisse sind in einigen Monaten zu erwarten.

Gießen - Die Gerste wurde heute ausgebracht. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Bonn hatte den Antrag der Universität für die Aussaat von etwa 5000 genmanipulierten Pflanzen auf 9,6 Quadratmetern genehmigt. Die Arbeit sei reibungslos verlaufen, teilte Versuchsleiter Karl-Heinz Kogel mit. Proteste habe es nicht gegeben, sagte er.

Der ASta der Gießener Universität sprach sich allerdings in einer Pressemitteilung gegen den Anbau aus. "Zwar ist das Risiko des Pollenfluges nahezu ausgeschlossen. Trotzdem haben wir große Bedenken und lehnen diese Versuche entschieden ab", teilte die Studentenvertretung heute mit. Gegen den Einsatz der Gentechnik bei Pflanzen spreche, dass andere Arten dieser Gattung ausgerottet würden. Außerdem seien nach dem Anbau von genverändertem Mais Schädlinge mutiert und Nutztiere vernichtet worden.

Bis 2008 könnten auf dem Versuchsgelände nun jährlich genmanipulierte Pflanzen ausgebracht werden, teilte das BVL gestern mit. Bei Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen seien keine schädlichen Einflüsse auf Menschen, Tiere und die Umwelt zu erwarten. Es seien 75 Proteste gegen die Aussaat eingegangen, diese Einwände seien überprüft worden.

Die Wissenschaftler wollen bei dem Forschungsprojekt herausfinden, ob die gentechnisch veränderten Pflanzen sich negativ auf nützliche Bodenpilze auswirken. Das Projekt des Instituts für Phytopathologie und Angewandte Zoologie der Universität Gießen heißt "Biosafety" und wird vom Bundesforschungsministerium gefördert. In etwa drei Monaten wird die Gerste geerntet, dann sollen auch die ersten Untersuchungsergebnisse vorliegen.

Voodoo
02.05.2006, 12:42
hmm ich dachte sowas wäre schon längst Gewohnheit. Hab irgendwo mal gelesen oder gesehen, dass es ein EU Recht gibt, in dem drin steht, dass Bauern ihre genmanipulierte Felder markieren müssen und zum Nachbaracker (ohne Genmanipulation) eine gewisse Pufferzone einhalten muss.

MaX PoWeR
02.05.2006, 12:43
Ist auch so, aber ich denke mal, bisher wurde nur Mais usw angebaut, hier geht es wohl speziell um die Gerste.

Voodoo
02.05.2006, 12:45
Ja, ich finde die bedenken der Uni aber sehr verallgemeinernt. Schließlich besteht doch das Problem bei andere Pflanzen genau so. Warum also nur strickt gegen Gerste sein?

MaX PoWeR
02.05.2006, 12:46
Hmm, so genau kenn ich mich damit auch nicht aus, vielleicht weiss Susee das ja? :) Könnte mir vorstellen, das grade Gerstenpollen besonders weit fliegen, das könnte eine Erklärung sein.

Voodoo
02.05.2006, 12:50
ja, dachte ich erst auch, doch gerade der Pollenflug soll fast ausgeschlossen werden können. Susee weiß du da mehr?

rieke
02.05.2006, 13:58
genaueres Wissen habe ich leider auch nicht. Ich habe mich wenig mit den Pflanzenwissenschaften bisher beschäftigt (kommt auch erst jetzt so langsam in Vorlesungen), weil ich mich eher für Tierwissenschaften interessiere. Aber generell denke ich, dass Gerste nunmal eine andere/kompliziertere Pflanze als Mais ist - andere Schädlinge usw.
Mais ist eine der einfachsten Erntepflanzen die es gibt, deswegen glaube ich auch dass es bisher auch nur der Mais war, der in Versuchen getestet wurde.
Wie oben schon gesagt wurde, sie wollen die Auswirkungen auf die Bodenpilze testen, jedoch gibt es weit aus mehr Mikroorganismen und Insekten die mit der Entwicklung der Pflanze zusammenwirken. Vielleicht liegt dort der Hauptkritikpunkt - auch wenn oben gesagt wird, dass es in der Hinsicht keine Bedenken gibt.
Man weiß ja nie so Recht von welcher Seite die Meldung nun kommt.