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View Full Version : Biologie - Stammzellentests sollen Tierversuche ersetzen



Cobra
02.05.2006, 22:39
Forscher überprüfen den Einfluß von Chemikalien auf die Zellentwicklung

Düsseldorf - Mäuse, Ratten oder Kaninchen stehen nicht auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. Doch auch zu ihrem Schutz suchen Wissenschaftler verstärkt nach neuen Methoden, um etwa die Gefährlichkeit von Chemikalien zu erkennen. Jetzt sollen Tests mit embryonalen Stammzellen zahlreiche Tierversuche ersetzen.
Schneller und kostengünstiger sei die Methode, die der TÜV Rheinland mit dem Kölner Biotech-Unternehmen Axiogenesis entwickelte und gestern in Düsseldorf vorstellte. Die Chemie-Industrie könne damit allein bei der Umsetzung der geplanten EU-Chemikalienverordnung REACH, die eine neue Beurteilung von 30 000 Altchemikalien verlangt, 600 Millionen Euro einsparen. Denn die "R.E.Tox"-Technologie weist in der Kulturschale innerhalb von etwa drei Wochen nach, ob eine chemische oder pharmazeutische Substanz Zellen oder die embryonale Entwicklung schädigt. Die standardisierte Methode verkürzt die Versuchsphase um Monate und verzichtet auf aufwendige Fehlbildungsversuche mit Hunderten Tieren für nur eine Substanz. Auch ein Bioeffektscreening von Verbundmaterialien mit zahlreichen Einzelstoffen sei möglich.


dDas Verfahren beruht auf embryonalen Stammzellen (ESZ) der Maus, die sich unter bestimmten Bedingungen im Labor zu Herzmuskelzellen entwickeln. Welchen Einfluß die Testsubstanzen jeweils auf diesen Reifungsprozeß haben, läßt sich im Vergleich zu Kontrollkulturen ablesen. "Da die eingesetzten Stammzellen genetisch verändert wurden und deshalb ein grün fluoreszierendes Protein bilden, ist eine einfache Messung und Quantifizierung möglich", erklärt Silke Schwengberg, die bei Axiogenesis die Abteilung für Zellkultur und Toxikologie leitet. Mit "R.E.Tox" sei es gelungen, ein stabiles System zu etablieren, dessen Wirksamkeit den üblichen Tierversuchen teilweise überlegen sei, zum Beispiel bei der Risikoeinschätzung von Contergan. Ob menschliche ESZ als Biomarker für Organentwicklung noch aussagekräftiger wären, läßt sich nicht sagen: Die Arbeit damit ist erschwert und ethisch umstritten, außerdem stammen fast alle Vergleichsdaten aus Tierversuchen. Das In-vitro-Verfahren eignet sich für die Risikobewertung während einer Schwangerschaft, nicht für einen "Zwei-Generationen-Test".