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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Medizin - Tierversuche für Medikamente



Cobra
17.05.2006, 09:09
Nur jeder 50. Tierversuch mit neuen Medikamenten ist auf den Menschen übertragbar
Besonders bei komplexen Erkrankungen versagt das Tiermodell - Experten kritisieren die heutigen Testmethoden - Bio-Datenbanken können helfen

Berlin - Die Entwicklung von Medikamenten ist ein doppelt riskantes Unterfangen: Zum einen schaffen es viele Wirkstoffe nach teurer Erprobung nicht auf den Markt. Das zeigt aber auch der Ausgang eines Tests, bei dem sechs gesunde Männer einen Wirkstoff zur Behandlung von Leukämie, Arthritis und multipler Sklerose testeten. Unmittelbar danach erlitten sie schwerste Nebenwirkungen. Zuvor war der Wirkstoff an Zellkulturen, Kaninchen und Affen getestet worden, "ohne daß es Hinweise auf ein solches Risiko gegeben hätte", beteuert das Unternehmen.


Für die marktreife Entwicklung kalkuliert die Pharmaindustrie mit Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe. Von ersten Tests im Reagenzglas über präklinische und klinische Studien bis zur Zulassung braucht es durchschnittlich zwölf Jahre Zeit. Das Risiko eines Totalverlustes ist dabei hoch: Nur einer von 10 000 Wirkstoffen schafft es bis zum Medikament. Immer öfter stellen Forscher fest: Was im Tiermodell funktioniert, muß noch lange nicht beim Menschen Erfolg zeigen. An keiner Stelle in der Entwicklungskette ist das Risiko eines Rückschlages so hoch. Im Schnitt wird nur einer von 50 präklinischen Ansätzen erfolgreich weiterverfolgt. Angesichts des enormen Erkenntnisgewinns durch die moderne Genforschung scheint das verwunderlich, zumindest auf den ersten Blick.


Kürzlich stellte Susan Greenfield, leitende Pharmakologin an der Oxford University, einen Ansatz in Frage, auf den sich bislang viele Entwicklungen stützen: Tests am Tiermodell. "Auch wenn Maus und Mensch sich 95 Prozent der Gene teilen, scheinen genetisch maßgeschneiderte Tiermodelle gerade bei Erkrankungen mit komplexen Ursachen wenig geeignet", urteilt sie. Dazu zählt sie neben Demenz- auch Immunerkrankungen und Krebs. Die Crux bringt eine Untersuchung des Berufsgenossenschaftlichen Forschungsinstituts für Arbeitsmedizin der Ruhr-Universität Bochum am Beispiel von Krebs auf den Punkt: "Dabei handelt es sich um eine multikausale, komplexe Erkrankung, deren Entstehungsmechanismen seit Jahrzehnten intensiv erforscht werden. Trotz vieler Erkenntnisse sind jedoch die Wirkmechanismen nicht vollständig verstanden." Haben die Forscher die Herausforderungen der molekularen Medizin unterschätzt?


Nicht wenige beschleicht der Verdacht, daß sie zu lange auf Modelle gesetzt haben, die eben diese Komplexität nicht angemessen nachbilden können. Auch dazu nimmt die Bochumer Untersuchung Stellung: "Tiermodelle sind zwar wesentlich komplexer als molekularbiologische Einzeluntersuchungen. So manche physiologische Prozesse sind aber bei Tieren anders als beim Menschen."
Dazu zählen die Forscher neben der Lebenserwartung auch den Lebensstil. Sie schätzen, daß allein 70 Prozent aller Krebserkrankungen durch Faktoren wie Ernährung, Alkoholkonsum oder Streß verursacht werden. Sich gegenseitig beeinflussende Größen, die sich in ihrer Gesamtwirkung im Tiermodell kaum nachbilden lassen.
mehr... (http://www.welt.de/data/2006/05/17/888008.html)

Voodoo
17.05.2006, 12:34
ganz schön teuer so ein Medikament zu entwickeln....