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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Technik - "Cloudsat" zeigt Wolken von Innen



vamp
08.06.2006, 13:50
Warm oder kalt, feucht oder trocken - aus dem All kann "Cloudsat" ins Innere von Wolken spähen, präziser als jedes Regenradar. Jetzt hat der Satellit erste Aufnahmen geliefert: Sie sehen aus wie in Scheiben geschnittenes Wetter.

Kurz bevor das Radar aktiviert wurde, hatte der Forschungssatellit Norddeutschland überflogen. Dann, 30 Sekunden nach dem Aufwachsignal, schickte "Cloudsat" sein erstes Bild zur Erde. Es zeigt auf einem bunten Streifen, was die Messgeräte auf dem dreiminütigen Flug von der Küste Norwegens vor der Stadt Bergen bis vor die Ostküste Grönlands gemessen hat.

det Just am Mittag dieses Maitags zog ein Sturm über die Nordsee. Ein anderer Satellit hatte gut 20 Minuten zuvor eine beeindruckende konventionelle Aufnahme von dessen Wolkenwirbel gemacht. Das Bild aber, das "Cloudsat" zur Erde funkte, erlaubte einen Einblick in den Aufbau dieser Wolke. "Das Radar hat seine Fähigkeit unter Beweis gestellt, durch nahezu alle Wolken zu blicken, außer durch stärkste Regengüsse", sagte Graeme Stephens, der zuständige wissenschaftliche Projektleiter.



Querschnitt durch das Wetter

Blutrot kann der Betrachter Wolken dicht über der Nordsee hängen sehen, die gerade Regen ausschütten. Darüber steigen fluffig und auf dem Bild blau eingefärbt wärmere, dünnere Wölkchen: Der Satellit durchmisst die Atmosphäre entlang seiner Flugstrecke in der Vertikalen, vom Erdboden bis in eine Höhe von etwa 30 Kilometern.

"So sehen wir die Atmosphäre wie nie zuvor", sagte Deborah Vane vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa in Pasadena. "Wir schauen uns Wolken nicht mehr wie auf einem ebenen Stück Papier an, sondern spähen in die Wolken hinein und sehen ihre komplexe Schichtung." Die Wissenschaftler erhoffen sich davon neue Erkenntnisse über die Wolkenbildung sowie über Art und Menge von Niederschlägen.

Ende April wurde der Satellit mit einer Rakete von Kalifornien aus ins All geschossen und fliegt seitdem in einer Höhe von rund 700 Kilometern um die Erde. Jetzt zeigt das Bild von der Nordsee vor Norwegen - und weitere etwa über Afrika und der Antarktis - den Wissenschaftlern, dass die Messinstrumente einsatzfähig sind und funktionieren. Sein Wolkenradar mit einer Millimeter-Wellenlänge - das erste überhaupt - ist mehr als 1000 Mal empfindlicher als das typische Wetterradar.

"Wir haben jetzt mit dem kontinuierlichen Radarbetrieb begonnen und freuen uns darauf, binnen neun Monaten der wissenschaftlichen Gemeinschaft die ersten gesicherten Messergebnisse zur Verfügung stellen zu können", sagte Stephens.