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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Biologie - Wüsten-Gazellen schrumpfen Organe



vamp
12.06.2006, 12:26
Gluthitze, kein Regen und wenig Grünzeug - der Lebensraum Wüste fordert seine Bewohner heraus. Gazellen reagieren mit einem Trick auf die Unbill: Um weniger atmen zu müssen, verkleinern sie ihre inneren Organe. Das hilft, Wasser zu sparen.


Wir fanden heraus, dass Gazellen den niedrigsten Wasserverlust durch Verdunstung aller Huftiere in Trockenzonen haben", sagte der Biologe Stéphane Otrowski. Dieser Spar-Rekord hilft Forschern dabei, ein Geheimnis der Wüstentiere zu verstehen: Wie schaffen sie es, in extremer Nahrungs- und Wasserknappheit zu überleben?
test "Die Wüsten der arabischen Halbinsel zählen zu den weltweit strengsten Umgebungen an Land mit geringen, unvorhersehbaren Regenfällen und hohen Umgebungstemperaturen", sagte Otrowski. Da die Tiere sich nicht auf die Wasserversorgung verlassen könnten, müssten sie sowohl ihren Hunger als auch ihren Durst mit der kargen Vegetation in ihrem Lebensraum stillen.

Forscher des National Wildlife Research Center im saudi-arabsichen Taif und von der Ohio State University verglichen für eine Studie drei Gruppen von je sechs Kropfgazellen miteinander.

Die erste Gruppe erhielt vier Monate lang nach Belieben Wasser und Futter, die zweite ebenso, musste jedoch die letzten viereinhalb Tage fasten. Die dritte Gruppe lebte die ganze Zeit über in einem Mangel von Flüssigkeit und Nahrung und damit in Verhältnissen, wie freilebende Tiere sie auch während der Trockenperioden in der Wüste erdulden müssen. Nach den vier Monaten bestimmten die Forscher die Stoffwechselrate der Tiere, den Wasserverlust durch Verdunstung und die Masse der inneren Organe.

Dabei beobachteten die Wissenschaftler bei den unter Mangel leidenden Tieren eine deutlich geringere Organmasse gegenüber ihren gut genährten Artgenossen - die Gazellen hatten Herz und Leber schrumpfen lassen. Da kleinere Organe weniger Sauerstoff benötigten, konnten die Tiere nach der Schrumpfung auch ihre Atmung reduzieren. Dadurch wiederum verloren sie weniger Wasser durch Verdunstung über die Atemluft.

Energiereserve im Gehirn

Entsprechend geringer waren auch die gemessene Stoffwechselrate und der Wasserverlust. Das beschreiben die Forscher im Fachmagazin "Physiological and Biochemical Zoology" (Bd. 79, Nr. 4).

Außerdem fanden die Wissenschaftler heraus, dass Gazellen einen hohen Fettanteil im Gehirn haben. Dies sei offenbar ein Fettspeicher, der auch in Perioden größten Darbens die Energieversorgung des Denkorgans sicherstellen soll.

Die Tiere hätten damit eine sehr effektive Technik entwickelt, ihren Wasserverbrauch zu minimieren, schreiben Ostrowski und seine Kollegen. Dies erkläre zu einem gewissen Teil ihren Erfolg beim Überleben in der Wüste.