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View Full Version : Kino der Zukunft - 5.000 x 2.000 Pixel



Voodoo
19.06.2006, 09:33
Aktueller Entwicklungsstand des Projekts CineVision 2006 gezeigt
Im Rahmen der Fußballweltmeisterschaft präsentierten das Erlanger Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen, der Kamerahersteller ARRI und der Kinoprojektoren-Hersteller Kinoton ihre Version vom Kino der Zukunft. Bei Auflösungen bis hoch zu 5.000 x 2.000 Pixeln, guter Farbqualität und neuen Ideen für die Rolle der Lichtspielhäuser soll dem HD-Heimkino Konkurrenz gemacht werden.

Die drei Partner arbeiten im Rahmen des Projekts "CineVision 2006" gemeinsam an der Kamera-, Projektions- und Kompressionstechnik. Auch Industriepartner wie T-Systems sind mit dabei, da es gilt, die anfallende Datenmenge - etwa 30 GByte pro Stunde Film - irgendwie in die Kinos zu bringen. Auch wenn als Übergangslösung anfangs auf den Transport per Festplatte gesetzt werden soll, ist das Ziel eine Satellitenübertragung der hochauflösenden Filme auf Datenspeicher in den Kinos.

Auf die Datensicherheit wurde dabei zwar nicht eingegangen, die Industrie arbeitet aber auch an diesem Thema. Sofern die Verschlüsselungstechnik nicht den Ansprüchen Hollywoods entspricht, wird sich die Filmwirtschaft kaum auf einen Übertragungsweg einlassen, bei dem Dritte lauschen können. Die Errichtung eines eigenen Glasfasernetzes für die Filmübertragung, wie es Hollywood als eine weitere Methode vorschwebt, ist laut T-Systems aus Kostengründen nicht sinnvoll.

Die US-Filmindustrie arbeitet - vertreten durch die "Digital Cinema Initiatives" (DCI) - gerade an einer "4K" getauften Spezifikation für das digitale Kino. Hinter der DCI stehen Disney, Fox, MGM, Paramount, Sony Pictures Entertainment, Universal und Warner Bros. Studios. Die als "Digital Cinema Distribution Master (DCDM) bezeichneten Filmdateien sollen entweder in den Formaten 2K (bis 2.048 x 1.080 Pixel) oder 4K (bis 4.096 x 2.160 Pixel) als hochqualitativer JPEG-2000-Codestream vorliegen. Je nach Bildverhältnis können die Auflösungen dabei unterschiedlich sein, wobei sich das eher auf die vertikale Auflösung auswirkt.

Die Fraunhofer-Techniker und ihre Partner wollen für die Demonstration ihres Projektionssystem-Prototypen noch eins draufsetzen und haben kurzerhand ein 5K-System gezeigt. Dazu wurden im Kinosaal 7 des Cinemaxx-Kinos am Potsdamer Platz in Berlin fünf HD-Projektoren aufgestellt, die gemeinsam für eine riesige Breitbildauflösung von rund 5.000 x 2.000 Pixeln und damit für ein gestochen scharfes Bild mit - zumindest subjektiv - angenehmen Farben insbesondere bei der Hautdarstellung sorgten. Das vom Fraunhofer IIS entwickelte System soll sicher stellen, dass die fünf Projektionen fast perfekt aufeinander abgestimmt sind.

Dazu werden identische Bildteile überlappt, so dass es keine störenden Unterbrechungen im Bild gibt. Lediglich in dunklen Szenen soll diese Technik dazu führen, dass in den überlappenden Bereichen dunkle Bildteile dank der doppelten Projektion heller werden. Dies fällt aber nur durch sehr genaues Hinsehen auf. Der Einsatz mehrerer Projektoren erfordert auf Grund der benötigten Videodaten einiges an Rechenleistung und Synchronisation, weswegen während der Präsentation 4K-Bildmaterial nicht auf die volle 5K-Auflösung hochskaliert wurde.

In 5.000 x 1.480 Bildpunkten auf voller Bildbreite des Kinosaals wurde aber ein eigens erstelltes Video demonstriert: Dabei handelte es sich um ein regionales, eher uninteressantes deutsches Fußballspiel, das mit zwei D-20-Kameras von ARRI aufgenommen wurde und das komplette Fußballfeld inkl. Stadiontribünen zeigte und damit den Eindruck vermittelte, als Zuschauer aus einer höheren Sitzposition das Spiel zu beobachten. Während der Detailreichtum beachtlich war - es konnten sogar noch Personen in den Aufgängen auf der anderen Stadionseite ausgemacht werden -, war diese Darstellung doch etwas ungewöhnlich.

Allerdings sollte mit der ungewöhnlichen Fußball-Präsentation auch demonstriert werden, dass digitales hochauflösendes Kino die Kunden auch durch ungewöhnliche Präsentationen wieder am Kinoerlebnis interessieren kann. Nachdem die in einigen Regionen in übertriebener Zahl gebauten Großkinos die kleinen Kinos weitgehend verdrängt haben, klagen sie selbst über Besucherschwund und versuchen, dem mit günstigen Kinotagen entgegenzuwirken. Immer schnellere DVD-Veröffentlichungen, günstige Heimkinosysteme und entsprechend lieber zu Hause bleibende Zuschauer sorgen dennoch für Besucherschwund im Kino. Ziel sei es, Kinobesuche auch morgens oder mittags interessant zu machen - z.B. durch die Übertragung von Großereignissen wie Konzerten, Theater oder Sportveranstaltungen.

Noch wird es allerdings etwas dauern, bis 4K-, 5K- oder - laut den Fraunhofer-Forschern - auch 8K oder noch höhere Auflösungen im Kino Einzug halten. Zum einen muss die Technik reifen, um den Anforderungen gewachsen zu sein, zum anderen stehen noch einige Überbleibsel aus der Frühzeit der 80 Jahre alten Kinotechnik zur Diskussion. Darunter zum Beispiel die Zahl der pro Sekunde übertragenen Bilder, mit den bisher im Kino üblichen 24 Bildern/s ist es nicht möglich, schnelle Kameraschwenks ohne Unschärfe oder Ruckler hinzubekommen.

Auch schnell über den Bildschirm huschende Objekte erfordern eigentlich eine deutlich höhere Zahl an Bildern, damit die Bewegung flüssig ist. High-Dynamic-Range ist hingegen im Kino der nächsten Generation noch kein Thema; die feineren Helligkeitsstufen für realistischere Licht- und Schattenspiele wären zwar möglich, aber nicht praktikabel, da logarithmische Helligkeitsstufen sich weniger gut editieren lassen als die gebräuchlichen linearen.

Die CineVision-2006-Partner gehen davon aus, dass 4K- bzw. 5K-Kino-Projektionen noch mindestens fünf Jahre lang weiterentwickelt werden muss, bis sie marktreif sind. Noch etwa zehn Jahre würde es dauern, bis die Industrie auf die neue Technik migriere. Ein schnellerer Umstieg ist auch deshalb nicht zu erwarten, weil derzeit erst die Produktion auf 2K-Technik durchgängig möglich ist - zudem würden analoge Filmkameras so lange eingesetzt, bis digitale Technik eindeutig besser sei. Die einzigen Filme, die derzeit ohne großen Aufwand in 4K-Technik erstellt werden können, sind (Computer-)Animationsfilme, da hierfür keine Kameras benötigt würden.

Bis die Filmindustrie und die Kinos den Wechsel zu höher auflösenden digitalen Filmen geschafft haben, werden Zuschauer mit HDTV und hochauflösenden Filmen auf HD DVD und Blu-ray Disc noch weitere Gründe finden, nicht ins Kino zu gehen, sondern zu Hause zu bleiben. Aktuell gebräuchliche digitale 2K-Projektionssäle bieten da nicht wesentlich mehr Auflösung. So ist es an den Kinobetreibern, sich neue Konzepte auszudenken und die Menschen wieder ins Kino zu treiben und davon zu überzeugen, dass Auflösung nur ein Teil der Kinoerfahrung ist.

Damit deutsche Technik wie das Digitalkino-Projektionssystem des Fraunhofer IIS ihren Platz auf dem internationalen Markt behaupten und ausländische Unternehmen überzeugen kann, mischt auch die Bundesregierung mit. Im Rahmen der staatlichen Initiative "Land of Ideas / Invest in Germany" steuert sie Gelder und Marketing-Unterstützung bei. Es soll verhindert werden, dass Fraunhofer-Erfindungen wie das MP3-Format - das auch vom Fraunhofer IIS stammt - in Deutschland versauern und erst in den USA oder anderswo zu Ruhm und wirtschaftlicher Bedeutung kommen. Partner und Sponsoren der Initiative kommen auch aus der Industrie, darunter deutsche Unternehmen wie Adidas, Audi, Deutsche Bank, Deutsche Telekom, Lufthansa, RWE und Wall.


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Deadman
19.06.2006, 10:29
Da macht Kino wieder Spaß :)

Cobra
20.06.2006, 19:23
darauf kann man sich freuen :bunny: