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View Full Version : Medizin - Forscher kommen Krebswirkung von Asbest auf die Spur



Cobra
20.06.2006, 19:57
Maywood - Das Einatmen von Asbeststäuben kann Krebs auslösen. Auf welche Weise das geschieht, war bisher unklar. Denn in Versuchen mit Zellkulturen töteten die winzigen Asbestfasern die Zellen zwar ab, bewirkten aber kein Krebswachstum.
jJetzt konnten US-Forscher zeigen, daß die krebserzeugende Wirkung indirekt entsteht - erst wenn Entzündungszellen einen Signalstoff freisetzen. Dieser verhindert das Absterben asbestgeschädigter Zellen, so daß sie sich zu Krebszellen entwickeln können. Entzündungshemmende Medikamente und Wirkstoffe, die den Signalstoff blockieren, lassen sich möglicherweise zur Vorsorge und Therapie von Betroffenen einsetzen, schreiben die Wissenschaftler im Journal "Proceedings of the National Academy of Sciences".
Die Verarbeitung von Asbest ist in Deutschland verboten, weil mikroskopisch kleine Fasern des Werkstoffs, die tief in die Lungen eindringen können, dabei in die Luft gelangen. Besonders gefährlich sind Partikel, die länger als fünf und dünner als ein tausendstel Millimeter sind. Der Kontakt mit dem Fremdkörper schädigt die Zellen von Lunge, Brust- und Bauchfell und löst Entzündungsreaktionen aus. Arbeiter, die jahrelang Asbestfaserstaub eingeatmet haben, erkranken mit hoher Wahrscheinlichkeit an einer Form der Staublunge oder an verschiedenen Krebsformen des Brustraums. Eine Erkrankung, die durch Asbestkontakt am Arbeitsplatz entstand, ist als Berufskrankheit anerkannt. Bis zum Ausbruch einer Krebserkrankung kann es 15 bis 40 Jahre dauern. Für die betroffenen Arbeiter ist eine intensive betriebsärztliche Überwachung wichtig.


Die durch die Entzündung angelockten Freßzellen (Makrophagen) versuchen, die Asbestpartikel zu beseitigen. Dabei setzen sie große Mengen des Signalstoffs Tumornekrosefaktor-Alpha (TNF-Alpha) frei. Die Forscher um Michele Carbone von der Loyola University in Maywood konnten nun nachweisen, daß dieser Signalstoff die eigentliche Ursache der Krebsentstehung ist. Als die Wissenschaftler ihre Kulturen menschlicher Brustfellzellen mit TNF-Alpha vorbehandelten, stiegen die Überlebenschancen der Zellen nach Zugabe von Asbestfasern. Das ermöglichte es genetisch geschädigten Zellen, die normalerweise abgestorben wären, sich in Krebszellen umzuwandeln. Weitere Untersuchungen ergaben, daß TNF-Alpha einen bestimmten Signalweg aktiviert und damit den programmierten Zelltod verhindert. Aus ihren Ergebnissen schließen die Forscher, daß eine vorbeugende Behandlung gefährdeter Personen dadurch möglich wäre, daß man die Entzündungsprozesse hemmt oder den Signalstoff TNT-Alpha blockiert. Entsprechende klinische Studien seien mit bereits vorhandenen Medikamenten möglich, so die Wissenschaftler.


Asbest ist eine Sammelbezeichnung für unterschiedliche natürlich vorkommende Silikat-Minerale, die früher verbreitet als Feuerschutz, Asbestzement, Isoliermaterial oder für Bremsbeläge eingesetzt wurden. Auch in Deutschland erkranken noch heute Arbeiter, die in den 1970er Jahren Asbeststäuben ausgesetzt waren, an Krebs. Bei Sanierungs- und Abbrucharbeiten asbestbelasteter Altbauten sind daher aufwendige Schutzvorkehrungen nötig, die die Kosten dieser Maßnahmen beträchtlich in die Höhe treiben.
So sind für die Arbeiter spezielle Schutzanzüge vorgeschrieben, und technische Maßnahmen müssen sicherstellen, daß kein Staub in die Umwelt gelangt. Beispiele dafür sind der Abriß des Palasts der Republik in Berlin, die Sanierung der Uno-City in Wien oder das Abwracken des französischen Flugzeugträgers "Clémenceau".
Ob und in welchem Maß der Aufenthalt in Gebäuden mit asbesthaltigen Bauteilen die Gesundheit gefährdet, hängt von der Art des verarbeiteten Asbestmaterials ab. Während sogenannte schwach gebundene Asbestprodukte durch Verwitterung leicht Fasern an die Luft abgeben können, besteht diese Gefahr bei Asbestzement kaum. Entsprechende Überprüfungen durch mikroskopische Untersuchungen von Materialproben und Raumluftanalysen erfolgen nach den Asbestrichtlinien der Bundesländer. Die Dringlichkeit einer Gebäudesanierung wird in drei Stufen eingeteilt.

Bei Kontrollen von Schulgebäuden zeigte sich, daß - abgesehen von der Bausubstanz - auch von Geräten, Unterrichtsmaterialien und haustechnischen Anlagen eine Gefahr ausgehen kann. So werden aus Asbestpappen oder -dichtungen von Rohren und Leitungen leicht Fasern freigesetzt. Auch Schutzdecken, Brennöfen und andere Geräte in Räumen können Asbest enthalten. Sogar Speckstein, für das Gestalten im Werkraum eingesetzt, ist mitunter von Asbestadern durchzogen, die bei der Bearbeitung in die Luft gelangen.