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View Full Version : Archäologie - Ältester Schmuck in Israel entdeckt



Cobra
23.06.2006, 07:24
Bereits vor 100.000 Jahren wurden Schneckenhäuser zu Perlen für Ketten verarbeitet

London - Ein Bündnis zwischen zwei Menschen signalisiert heute ein Ring am Finger. Selten hält es bis in alle Ewigkeit, die inzwischen recht lange dauern kann. Vor 100 000 Jahren mag es einfacher gewesen sein, ein Eheversprechen zu halten. Niemand wurde 120, und statt goldener Ringe gab es Perlenketten: schlichte Schneckenhäuser, auf Tiersehnen oder Pflanzenfasern gefädelt. Das ist zumindest eine mögliche Erklärung für zwei durchlöcherte Gehäuse, die in einem Grab bei Es-Skhul in Israel gefunden wurden.


"Die Schnecken könnten das Zeichen einer Heirat gewesen sein", mutmaßt Professor Chris Stringer, Anthropologe am Natural History Museum in London. "Oder ein Statussymbol, Wohlstandsattribut oder einfach Schmuck. Ob von Frauen oder Männern als Armband oder Kollier getragen, wissen wir nicht. Nur eines waren sie ganz sicher nicht: Nahrung." 30 Minuten dauert es, um 100 Schnecken der Art Nassarius gibbosulus aus ihrem Haus zu pulen. Kein Frühmensch hätte sich die Mühe gemacht für 4,84 Gramm Fleisch, die nur knapp 20 Kilokalorien besitzen. Es muß andere Gründe gegeben haben, diese Meeresschnecken im flachen Küstenwasser zu sammeln und an ihren späteren Fundort zu bringen. Drei bis 20 Kilometer betrug die Distanz zwischen Es-Skuhl und dem Meer vor 100 000 Jahren. Gar 190 Kilometer waren zu überwinden, um solche Schmuckstücke nach Oued Djebbana zu transportieren. Dort, im heutigen Algerien, fand sich ebenfalls ein Gehäuse mit künstlichem Loch, das von außen durch die Wand gebohrt wurde. Auf natürliche Weise entsteht es nur in 3,5 Prozent der Fälle. Dieser mehr als 35 000 Jahre alte Schmuck lagerte unbeachtet im Musée de l'Homme in Paris. Auch der bisher älteste Schatz hätte schon vor 70 Jahren als solcher erkannt werden können, als man 1931 die Skelette von zehn modernen Ur-Menschen aus einem Grab in Es-Skhul barg. "Damals suchte man mit Spaten nach großen Knochen", sagt Stringer. "Daß die Schnecken entdeckt und aufbewahrt wurden, ist ein Glücksfall und unseren Kuratoren am Museum zu verdanken." Stringer erinnerte sich an die Stücke, als Christopher Henshilwood in der südafrikanischen Blombos-Höhle ähnliches fand. 2004 berichtete sein Team in "Science" über den 75 000 Jahre alten Schatz, dort beschreiben jetzt Stringer und Kollegen ihre Wiederentdeckung. "Ein Beleg für komplexes Verhalten unserer Ahnen und Tradition. Für Sprache", ist Stringer überzeugt. Und vielleicht signalisierten die Schnecken "Ich liebe dich".