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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Archäologie - Blumen und Schmuck im Sarkophag



vamp
29.06.2006, 12:59
Archäologen hatten die Leiche von Tutanchamuns Mutter erwartet - oder die seiner Witwe. Doch statt einer Mumie fanden sie im letzten Sarkophag der neu entdeckten Grabkammer Blumen, Schmuck und Material für die Balsamierung. "Besser als eine Mumie", freuen sich die Forscher tapfer.

Eine einzige Berührung könnte die zerbrechlichen Überreste im Sarkophag zu Staub zerfallen lassen. "Das ist noch besser als eine Mumie - es ist ein Schatz", sagte die Chefkuratorin Nadia Lokma. Auch im siebten und letzten Sarkophag der neu entdeckten Grabkammer KV63 im ägyptischen Tal der Könige liegt kein einbalsamierter Körper. Stattdessen fanden Wissenschaftler darin vertrocknete Blumen und Pflanzen, Textilien und Schmuck.
test "Daraus können wir erfahren, welche Pflanzen und Kräuter die alten Ägypter für religiöse Zwecke benutzten, welche Kleidung sie trugen und wie sie diese webten", sagte Lokma. Außerdem gebe der Fund weitere Hinweise über die Technik der Einbalsamierung. Denn Utensilien für die Haltbarmachung von Leichen fanden die Archäologen in der Grabkammer in großer Menge.

Es darf allerdings bezweifelt werden, ob die Wissenschaftler nicht doch lieber eine gut erhaltene Mumie vorgefunden hätten. Entsprechende Hoffnungen waren durchaus vorhanden, und die ägyptische Altertümerverwaltung in Kairo hatte sie zusätzlich geschürt. Königliche Gebeine hatten die Archäologen erwartet, im Vorfeld war sogar ein Streit darüber ausgebrochen, ob in der Kammer KV63 vier Meter unter der Erde nun die Witwe oder die Mutter des Pharaos Tutanchamun begraben gewesen sei. Ein Mumienfund hätte diese Frage klären können.

Erstes neu entdecktes Grab seit 1922

Ein amerikanisches Ausgrabungsteam hatte die Grabstätte im Februar in Luxor entdeckt, nur sieben Meter von KV62 entfernt - dem legendären Grab von Tutanchamun, das der Brite Howard Carter 1922 ausgegraben hatte. In der Kammer fanden die Forscher sieben hölzerne Särge und Tausende Krüge.

Termiten und vermutlich Grabräuber hatten die Sarkophage so stark beschädigt, dass es Monate dauerte, sie freizulegen. Auch 28 Urnen wurden gefunden, von denen 16 noch ungeöffnet sind. Ein kleiner Kindersarkophag enthielt ein Kissen, wahrscheinlich gefüllt mit Federn. Kuratorin Lokma zeigte sich zuversichtlich, dass die Hieroglyphen in der Grabkammer verraten werden, ob dort jemand begraben war - und falls ja, wer.

Falls KV63 sich doch noch als letzte Ruhestätte der Mutter Tutanchamuns herausstellen sollte, könnte auch eine Lücke in dessen Familiengeschichte geschlossen werden. Die Herkunft des Pharaos steht nämlich nicht zweifelsfrei fest. Nur auf einem Relief findet sich eine Darstellung der Geburt des Königs und des Todes seiner Mutter im Kindbett. Es wird vermutet, dass Kija, eine Nebengemahlin des Echnaton, die Mutter Tutanchamuns gewesen sein könnte.

Die Entdeckung von KV63 hatte die weitverbreitete Überzeugung widerlegt, dass es im Tal der Könige nichts mehr zu finden gebe. Die Wüstengegend nahe der Stadt Luxor diente als Bestattungsgrund für Pharaonen, Königinnen und Adlige des Neuen Reichs zwischen 1500 und 1000 vor Christus.