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Voodoo
29.06.2006, 14:14
Spanier mit Wasserprobleme


Die Stauseen sind leer. Spanien leidet unter einer Dürre, die noch schlimmer ist als die im Vorjahr. Doch während in manchen Gegenden das Wasser nachts abgestellt wird, sind ein paar Kilometer weiter die Pools voll.

Um 22 Uhr versiegen in Cadalso die Wasserhähne. Bis 8 Uhr morgens am nächsten Tag haben die rund 2000 Einwohner der Ortschaft südwestlich von Madrid kein Wasser. «Wir können unseren Kindern vor der Schule nicht einmal das Gesicht waschen», sagt Bürgermeister Tomás Sánchez. Doch er kann daran nichts ändern: In Spanien hat es kaum geregnet, der nahe Cadalso gelegene Stausee Los Morales ist im Vergleich zum vergangenen Jahr nur zu 26 Prozent gefüllt. Der Pegel ist so niedrig, dass der schlammige Grund zu sehen ist. Wasser sparen heißt die Devise.


Kaum Regen seit Januar

Das spanische Umweltministerium gibt jede Woche die Pegelstände der Stauseen im ganzen Land bekannt. Die jüngsten Zahlen sind alarmierend: Seit Januar hat es kaum geregnet, die Wasserreserven sind auf rund 54 Prozent geschrumpft. Das ist sogar noch weniger als vor einem Jahr, als Spanien - wie auch das benachbarte Portugal - unter einer Jahrhundertdürre litt.

Nun steht die Iberische Halbinsel vor einer neuen extremen Wasserknappheit, die Landwirte befürchten Einbußen in Milliardenhöhe. Zugleich schreitet die Wüstenbildung weiter voran, inzwischen ist allein in Spanien ein Drittel der Landesfläche davon betroffen, vor allem im Südosten.



Trockener Lehm im Feuchtgebiet

Trostlos ist auch der Anblick im Nationalpark Tablas de Daimiel nahe Ciudad Real, an sich eines der wichtigsten Feuchtgebiete auf dem Festland. Statt der zahlreichen Sumpfseen und Pflanzeninseln prägt nun trockener Lehmboden die Landschaft.

«Normalerweise steht hier eine Fläche von 18 Quadratkilometern unter Wasser, jetzt ist es nicht einmal ein halber Quadratkilometer», sagt Parkverwalter Carlos Ruiz. Dies wirkt sich auch auf die zahllosen Vögel aus, die sonst dort überwintern und nisten. Viele Arten sind bereits verschwunden.



Bauboom und illegale Brunnen

An der Dürre ist aber nicht nur der mangelnde Regen schuld. Angesichts des seit Jahren anhaltenden Baubooms ist der Wasserverbrauch enorm gestiegen, zudem wird landesweit aus zehntausenden illegal gebohrten Brunnen Wasser für die Landwirtschaft gepumpt. Und nicht zuletzt versickern große Mengen wegen maroder Leitungsnetze ungenutzt im Boden.



Beschränkungen aufgehoben

Paradoxerweise wurden in Gegenden wie Madrid oder an der Costa del Sol in Andalusien die Beschränkungen für den Wasserverbrauch aufgehoben. Die zahllosen Schwimmbäder von Hotels, Wohnsiedlungen und Familienhäusern dürfen gefüllt, die Gärten bewässert werden.

Vor allem in den Ferienorten gilt es, Touristen nicht abzuschrecken. Deshalb locken auch überall Golfplätze in sattem Grün - sie werden immerhin in der Regel mit aufbereitetem Wasser gesprengt. Jaime Palop, im Madrider Umweltministerium für die Wasserversorgung zuständig, schüttelt dennoch den Kopf: «Dieses Bild ist ein Ausdruck des Versagens. Wir haben es nicht geschafft, den Ernst der Lage zu vermitteln.»