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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Unruhe auf dem Sternenfriedhof



vamp
30.08.2006, 09:13
Das "Hubble"-Weltraumteleskop hat spektakuläre Bilder der jüngsten Sternenleiche unserer Galaxie geschossen. Die Aufnahmen zeigen die Supernova Cassiopeia A in atemberaubenden Details.

Der Stern ist erst vor einem winzigen Augenblick gestorben - zumindest nach kosmischen Maßstäben. Etwa 325 bis 340 Jahre sind vergangen, seit das Licht der Supernova namens Cassiopeia A die Erde erreicht hat. Ein Stern hatte den Brennstoff in seinem Innern verbraucht und war unter seiner eigenen Schwerkraft zusammengebrochen. In einer gigantischen Explosion schleuderte er seine Hülle ins All.

Solche Supernovae können für einen kurzen Moment eine gesamte Galaxie überstrahlen. Cassiopeia A ist die jüngste bekannte Sternenexplosion in der Milchstraße - auch wenn sie von der Erde möglicherweise nicht zu beobachten war, da keine Aufzeichnung über das kolossale Himmelsereignis bekannt ist.

Moderne Astronomen aber verdanken der Supernova, die 10.000 bis 11.000 Lichtjahre von der Erde entfernt liegt, spektakuläre Bilder. Das "Hubble"-Weltraumteleskop hat jetzt erneut ein detailreiches Foto von Cassiopeia A aufgenommen. Es zeigt, dass auch mehr als drei Jahrhunderte nach der Explosion noch längst keine Ruhe auf dem kosmischen Friedhof eingekehrt ist.



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Das aus 18 Einzelaufnahmen zusammengesetzte Bild zeigt Cassiopeia A als ausgefransten Ring hell leuchtender Gas- und Staubmassen, die bei der Explosion mit ungeheurer Wucht in den Weltraum geschleudert wurden. Manche Trümmer rasen nach Angaben der Nasa noch immer mit bis zu 50 Millionen Kilometern pro Stunde ins All.

Die riesigen Trümmerwirbel glühen von der Hitze der Schockwelle, die dem abgestoßenen Sternenmaterial folgte und es durcheinanderwirbelte. Die bunten Farben der Gasfetzen deuten auf unterschiedliche chemische Zusammensetzungen hin: Grüne Bereiche sind reich an Sauerstoff, rote und violette Stellen enthalten große Mengen an Schwefel, blaue bestehen hauptsächlich aus Wasserstoff und Stickstoff. Die europäische Raumfahrtbehörde Esa bietet auf ihrer Internetseite das neue Bild der Supernova mit Zoom- Funktion an.

Erst im vergangenen Jahr hatten Infrarotbilder des "Spitzer"-Weltraumteleskops gezeigt, dass der Sternenrest im Zentrum von Cassiopeia A, der Kern des früheren Sterns, alles andere als tot ist. Forscher fanden Anzeichen für einen Energieausbruch, der offenbar erst 50 Jahre zurücklag.

Supernovae, mit denen massereiche Sterne ihre Existenz beenden, sind die Hauptquelle für alle chemischen Elemente im Universum, die komplexer sind als Sauerstoff und erst unter den extremen Bedingungen einer Supernova entstehen. Auch die Erde und ihre Bewohner bestehen aus diesem Material.



Quelle: Spiegel.de (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltraum/0,1518,434124,00.html)