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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Archäologie - Riesige Raubvögel jagten Vormenschen



vamp
30.08.2006, 19:09
Die Vorfahren des modernen Menschen wurden offenbar von riesigen Raubvögeln gejagt. Spuren am Schädel eines Frühmenschen-Kindes stammen nach Meinung eines Forscherteams vom Angriff eines Greifvogels.

Der Kinderschädel trägt hässliche Schrammen. Eine Raubkatze, so haben Wissenschaftler bisher vermutet, hat den dreieinhalb Jahre jungen Australopithecus vor rund 2,5 Millionen Jahren niedergestreckt. Seit 1924, dem Jahr der Entdeckung des sogenannten Taung-Kindes in einer Höhle in Südafrika, hatte diese Geschichte bestand.


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Dass das Kind einem Greifvogel zum Opfer gefallen war, hatten die Experten ausgeschlossen: Vögel hätten nicht genug Kraft gehabt, um das etwa zwölf Kilogramm schwere Kind in die Luft zu heben. Doch diese Einschätzung war ein Irrtum, wie Scott McGraw von der Ohio State University und seine Kollegen glauben. Das Forscherteam aus den USA und Großbritannien hat die Überreste der Beutetiere heute lebender Kronenadler mit dem Schädel des Taung-Kindes verglichen. Das Ergebnis: Die Knochen weisen ähnliche Schrammen und Einstichstellen auf, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "American Journal of Physical Anthropology".

Nach Meinung der Forscher ist das der Beweis, dass auch das Taung-Kind einem Greifvogel zum Opfer gefallen ist. Die im Vergleich zu Großkatzen geringere Kraft der gefiederten Raubtiere hält McGraw für kein Gegenargument: Adler jagten nicht wie Raubkatzen, sondern töteten und zerlegten ihre Beute rasch und nähmen dann einzelne Stücke mit in ihren Horst.

Evolution der Menschenaffen beeinflusst?

Der Anthropologe hat in seiner Arbeit nun 669 Primatenknochen untersucht, die er unter 16 Nestern von Kronenadlern im Tai-Nationalpark in der Elfenbeinküste gefunden hatte. Das für McGraw erstaunliche Resultat war, dass ein Drittel der Knochen von größeren, bis zu elf Kilogramm schweren Affen stammte - die meisten wohl von Mangaben.

Diese Primaten sind relativ selten und leben hauptsächlich am Boden, wo sie für die rund fünf Kilogramm schweren Adler schwer anzugreifen sind. Die Analyse der Knochen lege jedoch nahe, dass Raubvögel in der Größe von Kronenadlern durchaus in der Lage seien, einen jungen Menschenaffen zu töten.

Die Knochen der Mangaben trugen laut McGraw tatsächlich ähnliche Einstichstellen und Kratzer wie der Schädel des Taung-Kindes. Löcher in den Augenhöhlen und an der Schädelbasis weisen demnach darauf hin, dass die Vögel mit ihren Schnäbeln oder Krallen den Knochen durchstechen, um an das weiche Gewebe zu gelangen. Außerdem trennten sie ihrer Beute oft die Enden der hinteren Gliedmaßen ab, wahrscheinlich um an das Knochenmark zu gelangen.

Laut McGraw lassen diese Beobachtungen vermuten, dass Greifvögel die Evolution der Menschenaffen entscheidend beeinflusst haben. Zahlreiche Sammlungen von Primatenfossilien sollten daher nochmals nach Wunden durchgesehen werden, die von Greifvögeln stammen könnten, sagt der Anthropologe.


Quelle: Spiegel.de (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,434396,00.html)