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View Full Version : Medizin - Sperma kann Tumoren wachsen lassen



vamp
05.09.2006, 07:54
Ausgerechnet im Sperma steckt eine Substanz, die im weiblichen Körper das Wachstum von Gebärmutterhalskrebs verstärkt. Ausgelöst wird die Krankheit durch das Hormon jedoch nicht.

Der Botenstoff namens Prostaglandin verstärkt das Zellwachstum und die Bildung von Blutgefäßen. Tumorzellen reagieren besonders intensiv auf Prostaglandin - dabei wünscht man sich gerade bei ihnen kein Wachstum. Sperma könne für Frauen mit frühen Stadien des Gebärmutterhalskrebses daher ein zusätzlicher Risikofaktor sein, berichten britische und südafrikanische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Endocrinology".

Die Forscher um Henry Jabbour vom Medical Research Council in Edinburgh nahmen im Labor Krebszellen und versahen sie mit Prostaglandin-Rezeptoren. Bei Gebärmutterhalskrebs hatte man besonders viele dieser Schlüsseleiweiße gemessen. Als die Krebszellen in der Petrischale mit Sperma in Kontakt kamen, wurden bei ihnen Gene aktiviert, die das Wachstum von Blutgefäßen anregen. Bei einer Patientin würde das einen bereits vorhandenen Tumor weiter wachsen lassen, schreiben die Experten. Mit Krebszellen, die Gebärmutterhalskrebs-Patientinnen entnommen worden waren, geschah im Laborversuche das gleiche, berichtet dasselbe Team in der Zeitschrift "Human Reproduction".

Diese Ergebnisse könnten ein weiteres Argument für Kampagnen zum Gebrauch von Kondomen sein - vor allem in Afrika und Südamerika, wo Gebärmutterhalskrebs am weitesten verbreitet ist. "Sexuell aktive Frauen mit einem besonderen Risiko für Gebärmutter- oder Gebärmutterhalskrebs sollten ihre Partner ermuntern, Kondome zu benutzen", sagte Jabbour dem Online-Nachrichtendienst "Nature News".

Prostaglandin reguliert normalerweise das Immunsystem und das Zellwachstum im menschlichen Körper. Auch die weiblichen Geschlechtsorgane selbst bilden dieses Hormon. Den Forschern zufolge enthält die Samenflüssigkeit jedoch eine tausendmal höhere Konzentration an Prostaglandin als sie die weiblichen Geschlechtsorgane herstellen.

Besonders verbreitet in Entwicklungsländern

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass die Samenflüssigkeit einen Hormoncocktail enthält, der im Körper der Frau wahrscheinlich dazu führen soll, die Chancen auf eine Befruchtung zu erhöhen.

Gebärmutterhalskrebs ist besonders weit verbreitet bei Frauen in Entwicklungsländern. Das sexuell übertragbare humane Papillomavirus (HPV) gilt als Hauptauslöser dieser Krebsart. Den Forschern zufolge ist der Gebrauch von Kondomen deshalb in doppelter Hinsicht das effektivste Mittel, um sich vor Gebärmutterhalskrebs zu schützen. Denn auf diese Weise würde sowohl die Infektion mit dem Virus als auch die Wirkung des Prostaglandins aus der Samenflüssigkeit verhindert.

Im Juni hatten Forscher der University of New Jersey im "New England Journal of Medicine" berichtet, dass das regelmäßige Benutzen von Kondomen zwar nicht hundertprozentig vor einer HPV-Infektion schütze. In Tests habe aber keine der "Safer Sex" praktizierenden Probandinnen eine Entzündung entwickelt.

In den USA wurde im Juni der erste Impfstoff gegen HPV zugelassen. Er schützt gegen die beiden am häufigsten vorkommenden Virus- Varianten HPV 16 und HPV 18 - die Frage möglicher Langzeitschäden gilt jedoch als nicht abschließend beantwortet.

Nach Angaben der Forscher bieten die Ergebnisse auch eine Grundlage für die Entwicklung von Medikamenten, die die Schlüsseleiweiße für das Prostaglandin blockieren und so das schnelle Wachstum der Gebärmutterhalskrebs-Zellen hemmen.

Quelle: Spiegel.de (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,435091,00.html)