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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Astronauten bringen Sonnensegel an



vamp
12.09.2006, 13:38
Der Weltraumspaziergang hat begonnen. Zwei Astronauten schrauben nun Sonnensegel an die Internationale Raumstation. Sie sollen mehr Energie liefern, damit die ISS bald mehr Gäste beherbergen kann. Mit dabei ist Heidemarie Stefanyshyn-Piper, die erst achte Frau im All-Außeneinsatz.

Vier Jahre lang änderte sich am Anblick des menschlichen Außenpostens in der Umlaufbahn nichts. Nun wird an der Internationalen Raumstation ISS wieder weiter gebaut. Kurz nach 11 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit verließen zwei US-Astronauten die Luftschleuse der ISS. Für mehr als sechs Stunden sollen sie im All bleiben, um an der Installation eines neuen Segments mit zwei riesigen Sonnensegeln zu arbeiten.


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Damit soll eine Verdoppelung der bisherigen Energiegewinnung erreicht werden - das wäre nach Angaben der US-Weltraumbehörde Nasa genug, um 30 Wohnhäuser auf der Erde mit Strom zu versorgen. Als Folge könnten künftig sechs statt drei Astronauten über Monate in der ISS leben und arbeiten.

Heidemarie Stefanyshyn-Piper ist damit die achte Frau im elitären Club der Menschen, die bislang einen Weltraumspaziergang unternommen haben. Nur sechs Frauen haben bislang bei 159 US-Spaziergängen ins All teilgenommen. Unter den 118 russischen zu-Fuß-Vorstößen in die Leere war lediglich eine Frau.

"Ich passe besser in den Anzug", hatte die 178 Zentimeter große Stefanyshyn-Piper vor der Mission gesagt. Viele weibliche Astronauten sind für die klobigen Raumanzüge zu zierlich. Stefanyshyn-Piper wird bei ihrem ersten All-Spaziergang vom Außeneinsatz-Veteranen Joe Tanner begleitet.

Einsatz ist "heikel und äußerst wichtig"

Die am Samstag gestartete Raumfähre hatte am Montagmorgen an die Station angelegt, zu deren derzeitigen Bewohnern der Deutsche Thomas Reiter gehört. Gleich nach dem Rendezvous wurde mit dem Umladen von Versorgungs- und Ausrüstungsgütern begonnen. Als wichtigste Aufgabe jedoch galt es, das 17,5 Tonnen schwere Segment mit Hilfe des Shuttle-Roboterarms aus der Ladebucht der "Atlantis" zu hieven. Das Teil wurde dann von einem robusteren Kranarm der ISS aufgegriffen und wurde kurz vor dem Ausstieg der beiden Astronauten in die richtige Position an der Außenwand der ISS gesteuert.

Nach der Verschraubung sollten dann Tanner und Stefanyshyn-Piper das Segment mit dem Stromnetz der ISS verkabeln - ein von Nasa-Flugdirektor Paul Dye als heikel und äußerst wichtig bezeichneter Prozess. Die empfindliche Elektronik im Segment muss nämlich vor Kälte geschützt werden. Dazu sind bis zur vollen Funktionsfähigkeit der Sonnensegel Heizkörper nötig, die von der ISS mit Strom versorgt werden.

Die Astronauten Burbank und MacLean sollen ihren Kollegen am morgigen Mittwoch auf einen Außeneinsatz folgen.



Quelle: Spiegel.de (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltraum/0,1518,436587,00.html)