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View Full Version : Umwelt/Natur - Wirbelstürme werden verheerender



vamp
13.09.2006, 11:05
Hurrikane werden künftig heftiger übers Meer wirbeln - und über so manchen Landstrich. Denn das Wasser an den Entstehungsorten tropischer Wirbelstürme wird wärmer. Nach 22 unterschiedlichen Computersimulationen sind sich US-Forscher sicher: Der Mensch ist Schuld daran.

Die Wasseroberfläche in den tropischen Regionen von Atlantik und Pazifik wird wärmer. Allein in den letzten 100 Jahren stieg die Temperatur um 0,32 bis 0,67 Grad Celsius. Das an sich klingt wenig dramatisch. Kein Badegast könnte einen solchen, vermeintlich kleinen Unterschied bemerken - Wissenschaftler aber sind besorgt. Dieser Temperaturanstieg sorge dafür, dass tropische Wirbelstürme intensiver würden, meinen viele von ihnen.



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Nach der Katastrophe, die der Wirbelsturm "Katrina" im vergangenen Jahr in New Orleans ausgelöst hatte, beschäftigten sich Wissenschaftler bereits intensiv mit der Frage: Haben Menschen den Atlantik aufgeheizt - und damit den Trend in Richtung immer stärkerer Wirbelstürme gesetzt? Bereits im August bejahten zwei unterschiedliche Forschergruppen diese Vermutung - wenngleich sie sich auf die "Katrina"-relevanten Gebiete des Atlantiks und des Golfs von Mexiko konzentrierten. Nun haben kalifornische Forscher mehrere Geburtsorte tropischer Wirbelstürme unter die Lupe genommen - und im Computermodell deren Temperaturentwicklung modelliert.

Tropische Wirbelstürme entstehen im Spätsommer über den Meeren, weil riesige Wassermengen verdunsten. Wegen der Erdrotation beginnen die feuchten Luftmassen, sich zu drehen - unter bestimmten Bedingungen wird daraus ein Hurrikan. Wie sehr dieser dann wirbelt und wütet, hängt von mehreren Faktoren ab, von sogenannten Scherwinden zum Beispiel. Den wichtigsten Einfluss auf die Stärke tropischer Wirbelstürmen hat aber der Temperaturanstieg an der Meeresoberfläche.

Forscher warnen vor verheerenderen Wirbelstürmen

Eine Forschergruppe um Benjamin Santer vom Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien hat an mehreren Ursprungsregionen von Wirbelstürmen untersucht, wie sehr sich das Wasser an der Ozeanoberfläche erwärmt hat. Und warum.

Der Mensch habe das immer wärmere Wasser mit verursacht sind, berichten die Klimaforscher. Mit Hilfe von insgesamt 22 Computermodellen hätte sich gezeigt: Weit mehr als die Hälfte der Wassererwärmung geht mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das Konto der Menschheit. Treibhausgase spielten dabei die größte Rolle, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences".

"In der wirklichen Welt führen wir ein unkontrolliertes Experiment durch, indem wir fossiles Öl verbrennen und Treibhausgase freisetzen", sagte Santer. Weil es keine Parallelwelt ohne menschlichen Einfluss auf das Klima gebe, müsse die Forschung sich mit Modellen behelfen. Und die zeigten: "Natürliche Prozesse alleine können den Anstieg der Oberflächentemperaturen in den Ursprungsgründen der Hurrikane nicht erklären", so der Klimaforscher.

Ein Jahr nach der schwersten Hurrikan-Saison aller Zeiten, bei der alleine der Wirbelsturm "Katrina" große Teile des Südostens der USA verwüstetet hat, warnen die Santer und seine Kollegen vor weiteren schweren Wirbelstürmen: Im 21. Jahrhundert könnten die Ozeane nach Voraussage der Klimamodelle noch viel wärmer werden. Santer bereitet das "ziemlich Sorgen".



Quelle: Spiegel.de (http://www.spiegel.de/wissenschaft/erde/0,1518,436606,00.html)