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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Technik - Frankreichs Legende feiert Jubiläum



Porschejägerin
22.09.2006, 09:22
Frankreichs Technik-Stolz feiert Geburtstag. Der TGV, der "Train Grande Vitesse" wird 25. Noch immer hält er den Geschwindigkeitsrekord eines Fahrzeugs auf der Erde: 515,3 km/h schaffte ein Testzug 1990. Leichter und schneller, aber auch mit weniger Komfort als der deutsche ICE macht sich der TGV jetzt auf gen Osten.

Von Angela Ulrich, SR-Hörfunkstudio Paris

TGV (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Der TGV fuhr heute vor 25 Jahren zum ersten Mal.]
Josy Massis findet den TGV nicht besonders lustig. Die alte Dame aus dem Departement Drome kennt den Schnellzug Paris-Marseille nur zu genau - zehnmal am Tag rast er mit 300 Stundenkilometern quasi durch ihren Garten, 200 m vom Haus entfernt: "Wir haben überall Doppelfenster eingebaut. Das war sehr teuer. Aber es reicht nicht, es ist trotzdem laut drinnen!"
Schnell - und laut

Pünktlich zum 25. Geburtstag des Technik-Stolzes der Franzosen stört Bahnchefin Anne-Marie Idrac das Problem der alten Dame nicht besonders. Im Gegenteil, der TGV soll noch schneller - und damit noch lauter werden. Erste Tests für die 350 Kilometer pro Stunde laufen: "Wir denken an Verbindungen von Amsterdam bis Sevilla und vielleicht noch weiter. Wir testen die 350, 360 Kilometer pro Stunde. Wir modernisieren uns, und das nicht nur in Sachen Schnelligkeit!"
Eine Premiere mit Pannen

Rückblick: Als der französische Hochgeschwindigkeitszug TGV vor 25 Jahren das erste Mal mit Tempo 260 zwischen Paris und Lyon auf die Schiene ging, wäre das fast ein Flop geworden. Es regnete, die Räder drehten durch - um ein Haar hätte das Technikwunder eine einfache Steigung nicht geschafft. Präsident Mitterrand, der das Prestigeprojekt einweihte, soll angeblich nichts gemerkt haben. Doch inzwischen gibt es diese Kinderkrankheiten nicht mehr.
Frankreich ist kleiner geworden

1540 Kilometer spezielles TGV-Schienennetz gibt es in Frankreich, von Paris bis Lyon dauert es kaum zwei, von Paris nach Marseille gerade mal drei Stunden. Der TGV hat das Leben der Franzosen verändert, sagt der Bahnhistoriker Clive Lamming: "Ganz plötzlich haben sich die entfernten Regionen Frankreichs dem Zentrum angenähert, sind so etwas wie Vororte geworden. Es gibt Leute, die wohnen in Marseille und arbeiten in Paris - 900 km entfernt. Der TGV hat die Mobilität enorm erhöht - weil er zudem noch ganz normale Tarife hat."
Immer mehr Pendler durch den TGV

Viele Franzosen pendeln aus immer größeren Entfernungen per TGV zur Arbeit - das hat die Immobilienpreise entlang der Schnellzug-Strecken explodieren lassen. 100 Millionen Fahrgäste sind pro Jahr im TGV unterwegs, und viele begeistert, so wie dieser: "Ja, das ist ein sehr schneller Zug - sehr angenehm, vor allem um nach Südfrankreich zu kommen. Ich wohne in der Nähe von Nimes. Das sind drei Stunden im TGV, sehr praktisch. Ich mag den TGV, weil ich wie ein Baby darin schlafe. Ehrlich! Er ist so schnell, dass er einen einwiegt. Ich lege meinen Sitz zurück und nach zehn Minuten bin ich weg. Das tut gut!"
Eher sparsamer Komfort

Renate aus Köln, die oft mit dem TGV-Ableger Thalys nach Paris kommt, findet den Superzug allerdings nicht ganz so überzeugend: "Das fängt schon mit den Toiletten an, die sind nicht so komfortabel. Und dann die Sitze, so eng. Selbst wenn man sie nach hinten klappt, sitzt man dem anderen fast auf dem Schoss!" Das gibt auch Bahnhistoriker Lamming zu: "Man ist schon ziemlich eingequetscht, aber man bleibt ja auch nur zwei, drei Stunden. Der TGV ist kein Zug, den man liebt, aber den man nimmt. Überhaupt nicht luxuriös!"
Wachsende Konkurrenz zum Flugzeug

Frédéric ist Lokführer, seit vier Jahren darf er den TGV gen Brüssel steuern: "Das ist wie ein Mythos, man gewöhnt sich nicht an diese Geschwindigkeit, sie packt einen und lässt einen nicht los!" 300 Stundenkilometer bringt der TGV derzeit schon auf die Schiene, 320 sollen es im neuen Ost-TGV nach Strassburg ab kommendem Jahr werden. Das wird eine halbe Million Fluggäste kosten, grollt Air France und will die Verbindungen einschränken - auf den mittleren Distanzen hat der TGV das Flugzeug entthront. 2008 soll es in weniger als vier Stunden nach Frankfurt gehen. Und das ist nicht alles, sagt Bahnhistoriker Lamming: "Der Traum wäre Paris-Berlin in drei bis vier Stunden. Das sind doch etwa 1000 Kilometer! Paris-Marseille sind 900 und das geht in drei Stunden. Das bedeutet, Europa zu bauen!"

Quelle: tagesschau.de (http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5935420_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html)

vamp
22.09.2006, 09:30
Nich schlecht. Ich war letztes Jahr auch in Frankreich bei einem Azubiaustausch der Bahn. Und habe dort auch viele TGVs in Werken gesehen und bin dann auch selber mitgefahren.

Das mit dem Komfort stimmt, dort kommt er nicht an unsere ICE's ran.