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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Archäologie - Deutsches Messing für Indio-Gold



vamp
05.10.2006, 13:37
Wie kamen Columbus und die ersten spanischen Eroberer an das Gold der Ureinwohner Amerikas? Unter anderem mit Hilfe ihrer Schnürsenkel, wie Ausgrabungen jetzt erneut gezeigt haben. Besonders die Messinghülsen an den Enden der Schnüre hatten es den Indios angetan.

Als die Archäologen die Gräber von Ureinwohnern Kubas öffneten, standen sie vor einem Rätsel: Obwohl Gold in der Region häufig vorkam und die Indios sich gern mit dem Edelmetall schmückten, befand sich in ihren Gräbern kaum etwas davon. Stattdessen fanden Marcos Martinón-Torres vom University College in London und seine Kollegen viele Messingröhrchen, die die Indios als Halsketten trugen. Messing aber war vor der Ankunft der Europäer in ganz Amerika unbekannt.



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Mit der Radiokarbonmethode hatten Wissenschaftler die Begräbnisstätte datiert: Sie wurde demnach wenige Jahrzehnte nach der Ankunft von Columbus' Flotte im Jahr 1492 angelegt. Daraus schlossen die Archäologen, dass das Messing von den spanischen Eroberern stammte. Sogar Columbus selbst erwähnte in seinen Tagebüchern den Handel mit den Messinghülsen der Schnürsenkel.

Mit Hilfe einer strukturellen und chemischen Analyse des Messings identifizierten die Forscher schließlich Deutschland als Ursprungsort für die Legierung aus Kupfer und Zink. Wahrscheinlich habe der mittelalterliche Handel in Europa das Metallgemisch nach Spanien und schließlich in die Karibik gebracht, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Journal of Archaeological Science".

Das aber erklärt noch immer nicht die seltsame Abwesenheit des Goldes in den Indiogräbern. Martinón-Torres und seine Kollegen glauben, dass die Ureinwohner eine spezielle Vorliebe für den Glanz des Messings hatten und es wertvoller als Gold einschätzten. Frühe Chronisten hätten berichtet, dass reines Gold bei den Indios als relativ wertloses Metall galt - ganz im Gegensatz zu kupferbasierten Legierungen.

Vor ihrer Ankunft hätten die spanischen Eroberer das aber nicht wissen können und hätten deshalb keine großen Mengen an Messing mitgebracht. So hätten die Messingröhrchen, die Schnürsenkel vor dem Ausfransen bewahren, als Tauschware für das bei den Spaniern heiß begehrte Gold herhalten müssen.

Die sogenannten Tainos, die Ureinwohner Kubas und anderer karibischer Inseln, konnten sich allerdings nicht mehr lange an dem Messing erfreuen. Durch das rücksichtslose Vorgehen der Eroberer und durch ihre mitgebrachten Krankheiten wurden sie innerhalb von nur 50 Jahren fast völlig ausgerottet. Die heutige Bevölkerung der Karibischen Inseln besteht überwiegend aus Nachkommen von Afrikanern, die als Arbeitssklaven nach Amerika gebracht wurden, weil nicht mehr genügend Einheimische übrig geblieben waren.

Quelle: Spiegel.de (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,440892,00.html)

Voodoo
05.10.2006, 14:01
schon heftig, dass in 50 Jahren alle ausgestorben sind.