PDA

View Full Version : Medizin - Genmutation verdoppelt Brustkrebs-Risiko



vamp
09.10.2006, 15:26
Ein neues Gen hilft bei der Vorhersage des Brustkrebs-Risikos. Weil sich in manchen Familien bösartige Brusttumoren häufen, suchen Forscher den Grund in den Erbanlangen. Jetzt fanden sie heraus: Frauen mit einer Mutation im Gen BRIP1 haben ein zweimal so großes Risiko.

Leichte Veränderungen in bestimmten Genen machen es wahrscheinlicher, dass ein Tumor in der Brust entsteht. Werden diese Brustkrebs-Gene von der Mutter an die Töchter weitergegeben, sind diese für die ohnehin häufige Krebserkrankung noch stärker prädestiniert als ihre nicht vorbelasteten Geschlechtsgenossinnen. Einige der Mutationen kannten Mediziner bereits - doch sie haben nur einen relativ geringen Anteil am vererbbaren Brustkrebs-Risiko. Rund 25 Prozent davon kann man auf Mutationen in fünf Genen zurückzuführen.



http://www.spiegel.de/img/0,1020,714776,00.jpg

Nun haben Britische Forscher ein weiteres Brustkrebs-Gen identifiziert - eines, das das bestehende Brustkrebsrisiko verdoppeln kann: Frauen mit einer Mutation in der Erbanlage BRIP1 hätten vermutlich etwa zweimal so großes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, schreiben Wissenschaftler um Nazneen Rahman in einer Online-Vorbveröffentlichung des Fachmagazins "Nature Genetics".

Wie andere Risikogene auch ist die Erbanlage BRIP1 eigentlich an der Reparatur von DNA-Schäden beteiligt. Dies stütze die Vorstellung, dass unreparierte DNA-Schäden ein Schlüsselfaktor für die Entstehung von Brustkrebs seien, berichten die Onkologen. Was bei den Reparaturgenen schief läuft, so dass sie bösartige Geschwulste begünstigen, ist bislang ungeklärt

Mutation verhindert Reparatur von Schäden im Erbgut

Mehrere Erbanlagen, deren Mutationen das Brustkrebsrisiko deutlich stärker erhöhen, sind bereits bekannt, darunter die Gene BRCA1 und BRCA2. Von den Frauen, die eine BRCA-Mutation haben, entwickeln 50 bis 80 Prozent Brustkrebs; bei 60-jährigen Frauen sei das Risiko zu erkranken 10- bis 20-mal so groß wie bei Frauen gleichen Alters ohne diese Erbgut-Veränderung.

Das Team um Rahman vom britischen Institute of Cancer Research untersuchte 1212 Brustkrebs-Patientinnen, die nicht von der gefährlichen BRCA-Mutation betroffen waren. Bei neun Patientinnen (7,4 Promille) stießen die Forscher auf Veränderungen im BRIP1-Gen. Durch diese werde das zugehörige Protein sehr wahrscheinlich deaktiviert, es könnte dann nicht mehr helfen, DNA-Schäden zu reparieren.

In einer Vergleichsgruppe von 2081 gesunden Frauen zeigten sich diese Mutationen nur bei zwei Frauen (ein Promille). Das Brustkrebsrisiko einer BRIP1-Veränderung ähnelt den Autoren zufolge dem bei einer Mutation in den Erbanlagen CHEK2 und ATM. Diese sind wie die anderen genannten Brustkrebs-Gene für die Reparatur der Erbsubstanz wichtig und verdoppeln das Risiko an Brustkrebs zu erkranken. Die Forscher meinen, dass Mutationen in den beiden Genen CHEK2 und ATM vermutlich nur in Zusammenhang mit anderen Erbgutveränderungen oder Umweltfaktoren zu Krebs führen können.

Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums ist bei Frauen Brustkrebs die bei weitem häufigste Krebstodesursache.



Quelle: Spiegel.de (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,441473,00.html)