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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Buch - Der Clan der Otori 1 - Das Schwert in der Stille



Voodoo
09.10.2006, 17:57
Titel: Der Clan der Otori 1 - Das Schwert in der Stille

Kategorie: Mittelalter-Fantasy, Australien 2003

Autor(en): Lian Hearn

Preis: ab 19,50€ bei Amazon

Seiten: 376



Inhalt:


Die Verborgenen werden von den Clans wegen ihres Glaubens an einen einzigen, gütigen Gott angefeindet und oft getötet. Auch der grausame Lord Iida hat es auf die harmlosen Menschen abgesehen und schickt seine Tohankrieger in die Berge, um ganze Dörfer auszulöschen. Der junge Tomasu, der in den Bergen mit seiner Familie bei den Verborgenen lebt, entkommt durch Zufall dem Massaker, dem sein ganzes Dorf zum Opfer fällt. Drei Verfolger dicht auf den Fersen, flieht er in den Wald, in dem ihn der Otorilord Shigeru mit seinem Schlangenschwert Jato rettet. Doch Lord Iidas Ehre wurde von dem Flüchtling besudelt und er kann diese Schmach nicht vergessen und auch mit Shigeru will er noch abrechnen, denn der Otorilord ist beim Volk beliebt und will den grausamen Herrscher stürzen. Zum eigenen Schutz wird aus Tomasu Takeo und schließlich entdeckt er, dass er ungewöhnliche Eigenschaften besitzt, die ihm bald nützlich werden könnten. Gemeinsam mit Shigeru sinnt er auf Rache.

Das Schwert in der Stille ist das Erste einer drei Bücher fassenden Geschichte, die mit dem Tot von Lord Iida am Schluss dieses Buches aber auch schon früher beendet werden könnte. Wer Liebesgeschichten mag, die in einem exotischen Ambiente angesiedelt und mit politischen Intrigen gewürzt sind, hat mit "Das Schwert in der Stille" die richtige Lektüre gefunden. Lian Hearn ist eine durchwegs gute Erzählerin, die es versteht, eine Handlung zu entwickeln, und die genügend Kenntnisse der japanischen Kultur besitzt, um eine an das mittelalterlich Japan angelehnte Welt, die von verfeindeten Kriegerkasten beherrscht wird, glaubwürdig darzustellen.

Die fantastischen Elemente, wie z.B. Takeos Fähigkeit, sich für kurze Zeit unsichtbar zu machen oder sein unglaubliches Gehör, werden so genial verknüpft mit dem politischen Ränkespiel, das die japanische Feudal-Gesellschaft des Mittelalters in hohem Maße prägte. Denn obwohl weder Orte noch Zeit mit tatsächlichen historischen Figuren übereinstimmen, sind doch Sitten, Gebräuche, Traditionen und Landschaften so bestechend nahe an der japanischen Realität jener Tage, dass die beschriebenen Ereignisse sich durchaus hätten auf diese Weise ereignen können.

Der Carlsen Verlag gibt hier ein qualitativ sehr schönes Buch heraus, welches, anders als die aus gleichem Hause kommenden Harry-Potter-Bücher, einen soliden Leineneinband mit sehr schön gestaltetem, stimmungsvollem Schutzumschlag besitzt. Der Umschlag fühlt sich angenehm wie Samt an. Abgerundet wird die Ausstattung durch ein Lesebändchen, so dass die bisweilen leidige Suche nach einem Lesezeichen entfällt. An der Stelle sei jedoch angemerkt, dass es sich laut Aussage des Verlages um ein Jugendbuch handelt, das 2004 mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde.



Die Autorin:


<img src="http://www.adelaidecitycouncil.com/childrenslibrary/images/GillianRubinstein2.gif" align="left" border="1" hspace="5">Lian Hearn ist das Pseudonym der Autorin Gillian Rubinstein. Sie studierte in Oxford und arbeitete in London als Filmkritikerin und Redakteurin, bevor sie sich mit ihrer Familie in Australien niederließ, wo sie vor allem für ihre Kinderbücher und Schauspiele bekannt wurde. Ihr ganzes Leben lang interessierte sie sich für Japan, lernte schließlich die Sprache und bereiste das Land unzählige Male. An einem flirrend heißen Septembertag entstand dort die Idee zu "Der Clan der Otori", die unter dem Pseudonym veröffentlicht wurden, weil die Autorin verhindern wollte, dass ihre erste Erwachsenenbücher mit ihren vorhergehenden Werken verglichen werden. Der Name entstand aus dem Kosenamen ihrer Kindheit (die letzten Buchstaben von Gillian) und dem Vornamen von Lafcadio Hearn, einem irischen Schriftsteller, der Ende des 19. Jahrhunderts in Japan lebte.

Juni 2002 - als sie bereits in verschiedenen Ländern Erfolg mit ihrem Buch hatte und sogar eine Verfilmung im Gespräch war - ließ sie die Katze aus dem Sack: Gillian Rubinstein gab zu, die Autorin der Otori Saga zu sein und meinte "Ich glaube, Zuschauer und Leser jeder Kultur neigen dazu, Menschen in Schubladen zu stecken und genau das hassen Künstler. Sie wollen frei sein, um die richtige Sache zur richtigen Zeit tun zu können".



Pressestimmen:



Der Leser wird belohnt. Er wird vom ersten Wort an in eine seltsam vertraute, archaische Welt geführt, in der alles seine Ordnung hat. Es sind zeitlose Gefilde. Die Gewalt ist noch nicht gebändigt, das Wort Gewissen noch nicht erfunden, und Gerechtigkeit ist nicht absolut, sondern immer relativ. (...) Ein kluges und ein reizvolles Buch.


Die Schriftstellerin ist eine exzellente Kennerin japanischer Mythen und Traditionen und – sie ist eine großartige Erzählerin. Wie sie Mythos und Realität fantasievoll verknüpft und in lebenspralle Bilder fasst, das erinnert an die Eindringlichkeit der Aufnahmen in Akira Kurosawas Film „Die sieben Samurai“.


Eigene Meinung:


Ich weiß nicht so recht, wie ich dieses Buch einzuschätzen habe. Mal begeistert es mich und zwingt mich so einige Seiten mehr zu lesen als ich ursprünglich vor hatte, nur um einen Kapitel später mich wiederrum total zu enttäuschen. Da wird auf Kosten der Spannung sehr häufig das Augenmerk auf zwischenmenschliche Beziehungen gesetzt, statt auf die Sache, um die es sich in diesem Buch eigentlich dreht näher ein zu gehen. Manche Informationen bekommt man nur knapp in einigen Sätzen zusammengefasst, die ich eigentlich gerne "erlebt" hätte. Man merkt an diesen Stellen sehr deutlich, dass dieses Buch eher an jugendliche gerichtet ist. Nichts desto Trotz bot dieses Buch eine gute Unterhaltung, die eventuell in nächster Zeit sogar fürs Kino verfilmt wird.

MaX PoWeR
09.10.2006, 21:27
Also ich habe die komplette Trilogie gelesen und fand sie sehr gut. Kommt zwar nicht an die guten Werke von Dan Brown oder Frank Schätzing, aber lesenswert ist es allemal.