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View Full Version : Umwelt/Natur - Hurrikan-Bremse aus der Sahara



vamp
10.10.2006, 13:36
Feinster Staub aus dem Wüstensand der Sahara könnte verhindern, dass auf dem Nordatlantik verheerende Wirbelstürme entstehen. Satellitendaten deuten an, dass Staub Hurrikane dämpft oder diese gar nicht erst bilden lässt.

Jedes Jahr gelangt Staub aus der Sahara auf den Nordatlantik - mal mehr, mal weniger; vor allem in den Sommer- und Wintermonaten, manchmal aber auch gar nicht. Dabei scheint es so, als ob viel Staub die feuchtwarmen Wirbelstürme, die sich auf dem Nordatlantik bilden, dämpfen oder gar zunichte machen könnte. In Zeiten, in denen Staubteilchen recht spärlich in der Atmosphäre vorhanden waren, waren die Wirbelstürme besonders aktiv - und in Jahren, in denen stärkere Staubstürme aufkamen, wirbelten weniger Hurrikane über den Atlantischen Ozean hinweg. Das berichten US-Wissenschaftler im Fachmagazin "Geophysical Research Letters".



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Amato Evan von der University of Wisconsin-Madison wertete mit Kollegen Bilder und Daten von Satellitenaufnahmen aus den Jahren von 1981 bis 2006 aus. "Ein Großteil der Arbeit konzentrierte sich auf die Verknüpfung zwischen Hurrikanen und der Erhöhung der Ozeantemperatur fokussierte", sagte Co-Autor Jonathan Foley. "Diese Arbeit fügt ein anderes Stück zum Puzzle hinzu."

Die Langzeituntersuchung hätte gezeigt, dass Hurrikane nicht nur vom wärmer werdenden Meereswasser beeinflusst werden, sondern dass auch andere Faktoren durchaus eine Rolle spielen - Staub zum Beispiel.

Geophysiker Evan beobachtete Staub aus der Sahara. Wenn dort heiße Wüstenluft und kühlere, trockenere Luft aus der südlich gelegenen Sahel-Region aufeinandertreffen, entstehen Winde, die den Saharasand aufwirbeln. Die Winde blasen auch kleine Staubkörner gen Westen: über die Küste Afrikas hinweg bis auf den Nordatlantik. Diese Staubstürme sind vor allem in den Sommer- und Wintermonaten zu beobachten. Es sei sogar schon vorgekommen, berichtet Evans Team, dass in manchen Jahren viele Millionen Tonnen Sand aus der Sahara über den Atlantik geschwebt seien, manchmal sogar in nur fünf Tagen. Erst seit Wissenschaftler mit Satelliten erkennen können, wie weit sich die Staubwolken tatsächlich ausbreiten, sei ihnen bewusst, wie sehr der Wüstenstaub die Umwelt beeinflussen kann, sagte Evan.

Auch wenn die Forscher einen verhältnismäßig langen Untersuchungszeitraum in die Auswertung einbezogen haben: Den Zusammenhang zwischen mehr Staub auf dem Ozean und weniger Wirbelstürmen können er und seine Kollegen nicht erklären. "Wir wissen nicht, ob der Staub die Hurrikane unmittelbar beeinflusst", sagte Evan. Vielleicht reagierten Staubstürme und Hurrikane eher auf die großen Veränderungen in der Atmosphäre rund um den tropischen Atlantik.



Quelle: Spiegel.de (http://www.spiegel.de/wissenschaft/erde/0,1518,441713,00.html)