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View Full Version : Mensch/Kultur - Google verschenkt YouTube



MaX PoWeR
13.03.2008, 21:18
RADIKALE DOMINANZ-STRATEGIE

Google verschenkt YouTube

Von Christian Stöcker

Revolution auf YouTube: Künftig darf sich jeder eine eigene Videoseite mit Hilfe des Portals bauen - und sogar Werbeeinnahmen dafür kassieren. Die Zeche dafür bezahlt Eigentümer Google, doch selbstlos ist das Projekt keineswegs: Es soll nichts weniger als die Vorherrschaft im Internet sichern.


Google und seine Tochterunternehmen tun dauernd Dinge, die den Vertretern herkömmlicher Branchen absolut widersinnig erscheinen müssen. Google verschenkt Anwendersoftware. Konstruiert ein kostenloses Open-Source-Betriebssystem für Handys. Setzt eine übergreifende Entwicklerplattform für soziale Netzwerke auf. Und das alles vordergründig immer ohne ein Geschäftsmodell im engeren Sinne.

Ständig verschenkt das Unternehmen Dinge, die eigentlich Geld kosten müssten. Das scheint widersinnig. Und hat trotzdem gute Gründe - Google geht es um die Vorherrschaft im Netz.

"Strategisch" ist ein Wort, das von Wirtschaftsbossen gern im Munde geführt wird, und Google verhält sich strategisch im ursprünglichen Wortsinn. Das Unternehmen setzt Prozesse in Gang, die ihm langfristige Kontrolle über die meisten Aspekte digitaler Kommunikation sichern sollen. Gestern hat Google wieder strategisch gehandelt - mit der Ankündigung des Tochterunternehmens YouTube, das Videoportal zum Baukasten für jedermann zu machen. Künftig darf sich jeder eine eigene Videoseite mit YouTube-Hilfe bauen - und sogar Werbeeinnahmen dafür kassieren.

Im Klartext: YouTube verschenkt sich selbst. An jeden, der es haben will. Das ist ein riskanter und sehr teurer, aber durchaus erfolgversprechender Schachzug.

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YouTube: Sprung in die Weiten des Netzes


Ein eigenes YouTube für jeden Seitenbetreiber

Vordergründig hat das Unternehmen in einem knappen Blog-Eintrag etwas derzeit relativ Alltägliches verkündet: Es öffnet seine APIs noch weiter - die Abkürzung steht für Application Programming Interface. Das bedeutet, dass externe Entwickler und Betreiber anderer Webseiten nun noch mehr Zugriff auf das Angebot von YouTube haben.


Videos der Plattform in andere Web-Angebote einzubauen, ist jetzt schon einfach, weshalb YouTube-Videos längst überall im Netz zu finden sind - von MySpace bis zu SPIEGEL ONLINE. YouTube ist längst keine Webseite mehr, sondern eine Plattform, ein im Sinne des Wortes viral wirkender Verteiler von Inhalten. Nun geht das Unternehmen noch einen Schritt weiter und macht auch fast alle anderen Funktionalitäten der eigenen Seite zugänglich und individuellen Bedürfnissen anpassbar. Nutzer können künftig nicht nur den Standard-Player auf ihrer Seite einbinden, sondern sogar dessen Optik verändern. Sie können das Hochladen von Videos zu YouTube direkt von ihrer Seite aus erlauben, sie können ganze YouTube-Kanäle auf ihrer Seite einbinden.

Mit anderen Worten: Jeder, der möchte, kann YouTube fast komplett auf seiner eigenen Seite nachbauen - ohne dass die Nutzer seiner Seite jemals das Mutterangebot besuchen müssen.

Und: Er darf Werbung drumherum schalten. Ein Skateboard-Fan könnte Skatervideos von YouTube aggregieren, sie auf seiner eigenen Webseite ichbinskater.com zeigen, dort von Zuschauern bewerten und kommentieren lassen, eine Upload-Funktion für eigene Skatervideos einrichten - und außenherum Werbung von Skateboard-Herstellern präsentieren. Und so Geld verdienen. Nur im YouTube-Fensterchen selbst darf nur YouTube selbst werben.

Mehr auf Spiegel.de (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,541125,00.html)

Sehr interessant!

Deadman
13.03.2008, 22:05
Ich finde es genial. Man bedenke, dass jede Plattform die Möglichkeit hat genauso zu agieren. Offenheit ist nunmal die Zukunft.

Castor
13.03.2008, 23:45
tja, das machen die aber auch nur so lange, bis es keine Konkurrenz mehr gibt.

Deadman
14.03.2008, 01:00
Das ist mir auch klar. Google ist für mich bei weitem kein Unschuldslahm, doch sollten andere Betreiber langsam ihre Strategie überdenken.