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View Full Version : Umwelt/Natur - "Riesenprobleme" um "Krombacher-Regenwaldprojekt"



Cobra
13.06.2008, 12:30
Es gibt Riesenprobleme um das ganze Projekt", sagt der Fotograf und Naturschützer Karl Ammann zum "Krombacher-Regenwaldprojekt". "Das ist wie die Situation, dass ein Patient an Krebs stirbt und die Umweltorganisationen legen Heftpflaster auf. Wenn man die Werbung sieht, dann ist das, was erreicht und getan wird, meiner Meinung nach ein Heftpflaster, das den Patienten nicht heilen wird." - "Ein Kasten Krombacher gleich ein Quadratmeter geschützter Regenwald" - diese Rechnung stellt die Brauerei auf.

Die geschützte Region ist 80 Quadratkilometer groß und nimmt damit die 2Fläche der 200.000-Seelen-Gemeinde Mainz ein. Seit Jahren jagten dort Wilderer Elefanten, berichtet Ammann - und das habe sich auch mit dem "Krombacher-Regenwaldprojekt" nicht wesentlich geändert. Vielerorts sei die Lage sogar noch schlimmer geworden. Der Fotograf hält die Hochglanzbilder des "World Wide Fund for Nature" (WWF) und von Krombacher deshalb für "Augenwischerei".

"Außerhalb der Schutzgebiete gibt es wesentlich mehr Wilderei als innerhalb", hält Christoph Heinrich vom WWF Deutschland dagegen. "Wir würden niemals abstreiten, dass dort gewildert wird." Der WWF bezahlt 50 Ranger, die durch das Schutzgebiet patrouillieren. "Wir verschließen davor nicht die Augen", sagt Krombacher-Pressesprecher Dr. Franz-Josef Weihrauch. "Das Projekt geht dagegen extrem stark vor." Es sei legitim in der Werbung die schönen Seiten zu zeigen. "Wir haben immer gesagt, wir wollen Bier verkaufen - da machen wir kein Hehl draus. Wenn wir gleichzeitig was Gutes tun, um so besser. In der Werbung zeigen wir natürlich nicht mal erst den Elefanten, der tot am Boden liegt, sondern begeistern den Verbraucher mit den faszinierenden Bildern."

"Wir glauben ganz einfach, dass es wichtig ist, nicht immer nur die Probleme auf den Tisch zu packen", stimmt Christoph Heinrich zu, "sondern darzustellen, wenn wir Erfolge haben und auch einmal was Gutes erreicht haben." Darum fänden sich auf den Internetseiten des Projekts keine Hinweise auf Probleme.

Gerichte rügten Werbung als "nicht transparent"

Ein anderer Vorwurf hat mehrere Gerichte beschäftigt: Diese hatten 2003 die Verbindung der Spende mit dem Kauf eines Kastens Bier gerügt, der Bundesgerichtshof 2006 jedoch grundsätzlich erlaubt und ein Verfahren zurück zum Oberlandesgericht Hamm verwiesen. In dem Prozess ging es um Fernsehspots mit dem Fernsehjournalisten Günther Jauch sowie Werbeflyer aus dem Jahr 2002, mit denen die Brauerei den Schutz von einem Quadratmeter Regenwald beim Kauf eines Kastens "Krombacher" versprochen hatte. Zwei Wettbewerbsverbände wollen dem Unternehmen diese Art von Werbung verbieten lassen, weil nicht transparent gemacht worden sei, wie genau der Regenwald geschützt werden solle. Dadurch würden die Käufer unangemessen beeinflusst (Az: I ZR 33/04 u. 97/04 vom 26. Oktober 2006).

Nach den Worten des Wettbewerbssenats genügt es bereits, wenn Krombacher überhaupt eine nennenswerte Sponsoringleistung erbringt. Der zusätzliche Anreiz für den Verbraucher bestehe darin, dass er sich mit dem Kauf gleichzeitig für das Projekt engagieren könne. Sollten allerdings die Werbeversprechungen der Brauerei deutlich über das hinaus gehen, was am Ende tatsächlich für den Regenwald getan werde, dann könnte die Werbung irreführend und damit wettbewerbswidrig sein. Der Bundesgerichtshof verwies die Verfahren deshalb zur erneuten Prüfung an das Oberlandesgericht Hamm und das Landgericht Siegen zurück.

Nach Auskunft von Krombacher sind in den Jahren 2002 bis 2004 rund 3,3 Millionen Euro an den "World Wide Fund for Nature" (WWF) zum Schutz des Regenwalds weitergeleitet worden. Nach einem "Lernprozess" habe die Brauerei ihre Spendenaktivitäten inzwischen transparenter gemacht und lege Rechenschaft über jeden Cent ab, sagte ein Sprecher.

http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/nano/nano_titel_vt1.html