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View Full Version : Statt Tierschutz: Stammzellen einfrieren



Cobra
23.07.2008, 11:13
Begonnen hat dieses Projekt mit der Arbeit des Zoologen Alfred Brehm. Schon im 19. Jahrhundert sah er es als Pflicht der Wissenschaft an, die Fauna seiner Zeit für die Nachwelt zu dokumentieren, damals in dem Lexikon „Brehms Tierleben“. Über 100 Jahre später setzen Forscher am Fraunhofer-Institut für biochemische Technik (IBMT) Brehms Arbeit fort: Sie aber schreiben kein Buch, sondern sammeln Stammzellen von jeder Spezies, die sie kriegen können.

Wenn ein Tier an Altersschwäche oder bei einem Unfall stirbt, dann werden die noch lebenden Stammzellen möglichst schnell isoliert und tief gefroren. Anschließend werden die Zellen in flüssigem Stickstoff bei einer Temperatur von rund minus 150 Grad Celsius gekühlt aufbewahrt. Bei dieser Kälte erstarren alle Abläufe in den Zellen, die so einige tausend Jahre erhalten bleiben. „Das Tieffrieren ist die einzige Möglichkeit, Zellen lebend und dauerhaft aufzubewahren“ sagt Günter Fuhr, Direktor des IBMT. Das Foto zeigt die Stammzellen eines Dromedars ab, bevor sie in die Kältekammer wanderten.

Doch wozu erschaffen die Forscher ein Archiv von lebenden Tier-Stammzellen? „Es geht uns ums Wissen“, stellt Fuhr klar. Eine Reproduktion der Tiere auf Basis der Stammzellen – also Klonen – wäre möglich, ist aber nicht das Hauptziel. Das Erbgut der verschiedenen Tierarten könnten speziell für die Biotechnologie von Interesse sein. „Würde man herausfinden, dass der Biber der beste Insulinproduzent wäre, könnten sich Biotechniker diese Information zu Nutze machen“, sagt der IBMT-Chef. Der genetische Bausatz der Tiere ließe sich auf Stärken und Schwächen untersuchen.

Andere Datenbanken, wie der Frozen Zoo in San Diego und der Frozen Ark in Großbritannien, archivieren laut Fuhr hauptsächlich totes Gewebe, das zwar die Erbinformation enthält, aber meistens keine brauchbaren Stammzellen. Beim CRYO_Brehm Projekt können die Stammzellen wiederbelebt und vermehrt werden: „Wenn wir die Zellen der Tiere aufbewahren, dann haben die Generationen in 100 oder 200 Jahren noch die Chance zu entscheiden, ob aus den Zellen neue Tiere entstehen sollen oder ob sie biotechnologisch genutzt werden.“, erklärt Fuhr.

Dem Klonen von ausgestorbenen Arten steht er kritisch gegenüber: Man solle sich genau überlegen, ob man ausgestorbene Tiere in Zukunft wieder „ins Leben rufen“ soll, meint Fuhr. Denn wiederbelebte Tierarten können das vorhandene natürliche Gleichgewicht stören, was schon der US-Schriftsteller Michael Crichton in seinem Roman „Jurassic Park“ demonstrierte.

Es gibt weitere Einwände, vor allem seitens Tierschützer. Die bedauern, dass man bei diesem Forschungsansatz anscheinend bereits davon ausgeht, dass Tiere weiter aussterben und sich nur die Gene retten lassen. Das Flora- und Pflanzensterben sei aber kein schicksalhafter Automatismus, sondern werde zum größten Teil von den Menschen verursacht. Die forscherische Priorität sollte darin bestehen, alles Denkbare zu unternehmen, diese Entwicklung zu stoppen.

http://www.pm-magazin.de/de/wissensnews/wn_id1723.htm