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Sgt Ultra
22.01.2005, 18:53
Hab ich grad im Internet gefunden, würde zwar auch in die Witze Rubrik passen, aber ich habs wegen dem sportlichen Inhalt hier rein gesetzt...


Bevor ich mich ins Wochenende verabschiede, liefere ich hiermit die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit über die unsäglichen Vorgänge der letzten Wochen, ja Monate. Was viele schon geahnt hatten, ist wahr. Es gab eine große Verschwörung gegen den VfB. Davon handelt dieses Theaterstück, das wir beim nächsten Stammtisch sicherlich nachspielen werden.

DIE VERSCHWÖRUNG

Die Figuren:

Timo Hildebrand (TH): ein junger, ehrgeiziger Torhüter
Erwin Staudt (ES): ein schwäbischer Vereinspräsident
Uli Hoeness (UH): ein Wurstfabrikant mit Nebenerwerbstätigkeit als Fußballmanager
Felix Magath (FM): ein mephistophelischer Fußball-Trainer
Dusan Bukovac (DB): ein gerissener Spielerberater
Briemschneider (BS): ein noch etwas unerfahrener Fußballmanager
Norbert Häfele (NH): ein Sport-Journalist

Prolog:
30. Mai 2003. Ein Nebenzimmer in jenem Fünf-Sterne-Hotel in München, in dem sich die Vereinsmanager der Fußball-Bundesligisten zu ihrer traditionellen Saisonabschluss-Tagung treffen. Uli Hoeness, der Manager des überlegenen Deutschen Meisters Bayern München und Felix Magath, Trainer und Manager des Überraschungs-Vizes VfB Stuttgart im trauten Tête-à-Tête.
UH: Mensch, Felix, toll, wie ihr am letzten Spieltag diese westfälischen Emporkömmlinge noch aus der Champions League gekegelt habt. Respekt, Respekt! Aber nun habe ich von Verhandlungen mit Schalke 04 gehört. Du wirst doch nicht etwa zu diesen größenwahnsinnigen Rüpeln gehen wollen?
FM: Naja, Uli, hier in Stuttgart ist mir halt alles ein wenig zu beschaulich. Kein Mut, keine Risikobereitschaft, keine Visionen. Wie soll man da um einen Titel mitspielen? Und der Rudi Assauer auf Schalke hat gesagt, er erfüllt mir jeden Wunsch. Sogar den Alex Hleb soll ich gleich mitbringen. Ich fühle mich halt mittlerweile reif für eine Meistermannschaft. Und ich möchte nicht ständig hören: „S isch koi Geld do!“
UH: Das kann ich gut verstehen! Aber tu jetzt bitte nichts Voreiliges! Weißt du, wir denken daran, im Sommer 2004 unseren Otmar Hitzfeld in die Wüste zu schicken. Mit allen Ehren, natürlich, wir haben ja Stil! Der kann die Mannschaft einfach nicht mehr motivieren, hat sich halt abgenutzt über die Jahre hinweg. Mein Vorschlag wäre also: sag dem Assi ab, mach noch ein Jahr weiter in Stuttgart und in der übernächsten Saison bist du dann Cheftrainer beim besten verein Deutschlands. Wir brauchen einen autoritären Hund wie dich!
FM: Aber dann müsste ich ja meinen VfB-Vertrag noch einmal verlängern...
UH: Genau, und zwar nicht nur für ein Jahr, da wird die Branche doch sofort hellhörig. Nein, verlängere ruhig bis 2005 und lass dir eine Ausstiegsklausel in den Vertrag schreiben. Das machen die in Stuttgart bestimmt, die sind so naiv.
FM: Hm! Hört sich gar nicht schlecht an. Und hätte den Vorteil, dass ich meinen ausgezeichneten Namen in der kommenden Saison in der Champions League veredeln kann. Mit Schalke müsste ich ja in den UI-Cup...
UH: Siehst du, das ist die beste Lösung! Und dann lotsen wir noch den Alex Hleb zu uns. Auf den bin ich schon lange scharf.
FM: Und den Timo Hildebrand für die Zeit nach Oliver Kahn.
UH: Glänzende Idee, Felix! Ich sehe, wir verstehen uns! Weißt du, Olli Kahn ist eine tickende Zeitbombe. Der schafft uns alle noch mit seinen ständigen Eskapaden. Diskomieze, Verkehrsdelikte, Attacken gegen Mitspieler. Mir reichts! Ich will einen pflegeleichten Typen, der trotzdem etwas taugt. So einen wie deinen Timo. Also machen wir es so: wir ertragen diesen Psychopathen noch bis 2006 in unserem Tor und danach kommt sein legitimer Nachfolger Timo Hildebrand, dein Schützling, deine Entdeckung. Genial!
FM: Genial! Was bist du nur für ein ausgeschlafenes Kerlchen, Uli!

1.Akt: Die heile Welt des Timo H.
30. Januar 2004. Das Vereinsgelände des VfB Stuttgart. Nach einer Trainingseinheit kurz vor Beginn der Rückrunde treffen sich Journalist Häfele und Torhüter Hildebrand zu einem kurzen Interview.
NH: Timo, bei euch läufts ja prima. Ihr seid im Meisterschaftsrennen noch dick dabei, das Champions-League-Achtelfinale gegen Chelsea London winkt und auch für dich persönlich ist das abgelaufene Jahr 2003 mit dem Torrekord und dem Vorstoß in den erweiterten Nationalmannschafts-Kader traumhaft gewesen.
TH: Stimmt! Ich bin wirklich mehr als zufrieden! Die Stimmung hier im Verein ist super, wir haben Erfolg, eine Fußballregion erwacht. Es könnte kaum besser sein.
NH: Trotzdem hast du deinen Vertrag, der in anderthalb Jahren ausläuft, noch nicht verlängert.
TH: Ja, aber das ist eine Formsache. Ich werde mich demnächst mit dem Verein zusammensetzen. Und ich werde sicherlich nicht so lange herumzicken wie meine Kollegen Hinkel und Kuranyi. Der VfB soll mir ein gutes Angebot vorlegen, dann unterschreibe ich und das war’s dann.
NH: Und das ohne Berater! Das ist außergewöhnlich in dieser Branche.
TH: Mag sein, aber ich brauche keinen Berater. Ich kann für mich selbst sprechen und meine Interessen auch gut selbst vertreten. Und ich vertraue unserem Trainer und Manager Felix Magath, dass er sich für mich einsetzt.
NH: Tja, dann wünsche ich dir und dem VfB einen guten Rückrunden-Auftakt gegen Rostock.
TH: Vielen Dank!

2.Akt: Das Komplott
12. März 2004. Im Restaurant „Zunfthaus der Schiffsleute“ mitten im Ulmer Fischerviertel dinieren an einem Tisch im hintersten Winkel des ebenso urigen wie verschachtelten Lokals Uli Hoeness und Felix Magath. Inkognito! Hoeness trägt eine dunkle Lockenperücke und einen Schnauzbart, Magath eine Baskenmütze und grüne Kontaktlinsen. Es wird geflüstert.
UH: Felix, so langsam müssen wir die Dinge etwas vorantreiben. Bei dir scheint ja alles klar zu gehen. Aber was ist mit Hleb und Hildebrand?
FM: Das ist alles nicht so einfach. Hleb mag mich nicht sonderlich, weil ich ihm die Nummer 10 nicht geben will. Und Hildebrand trifft sich demnächst ohne Berater mit dem Verein zu ersten Vertragsverhandlungen.
UH: Ohne Berater?!? Ist der verrückt? Aber halt, das ist ja die Chance schlechthin für uns. Wir vermitteln ihm einen Berater, der nach unserer Pfeife tanzt. Der den Hildebrand dann 2006 zu uns lotst. Das ist ja perfekt! Felix, du kennst doch dieses Ekelpaket Bukovac. Mach einfach deinen Einfluss bei Timo geltend, damit dieser Herrn Bukovac zu seinem Berater macht. Dann ist Hildebrand Wachs in unseren Händen und wir setzen über diesen Bukovac den VfB ein wenig unter Druck.
FM: Hm, das ließe sich machen. Aber wie bekommen wir Hildebrand dazu, sich freiwillig einen Berater zuzulegen?
UH: Ganz einfach! Du setzt in deiner Funktion als VfB-Manager durch, dass der VfB dem lieben Timo ein inakzeptables Angebot unterbreitet. Und wenn er beleidigt aufschreit, dann steht zur Lösung seiner Probleme plötzlich Bukovac vor seiner Tür.
FM: Mensch, Uli, Du bist halt doch ein ausgekochtes Schlitzohr!

3.Akt: Der Trick mit dem lausigen Angebot
17. April 2004. VfB-Clubheim, Präsidentenzimmer. Erwin Staudt und Trainager Felix Magath bereiten die erste Verhandlungsrunde mit Timo Hildebrand vor.
ES: Was? Nur 750.000 Euro? Und Sie meinen, damit ist Hildebrand zufrieden?
FM: Klar doch! Erstens verdienen Torhüter generell nicht so gut wie Feldspieler. Zweitens ist Timo hier im Verein verwurzelt. Und drittens sind 750.000 Euro in diesen wirtschaftlich schwierigen immer noch eine Gehaltssteigerung um sage und schreibe 50%. Welcher Arbeitnehmer bei IBM bekommt denn so was heute noch geboten?
ES: Aber bei Andi Hinkel und Kevin Kuranyi haben wir doch auch deutlich mehr geboten. Fühlt sich der Timo da nicht ein wenig verarscht?
FM: Ach was, Timo hat doch keinen Berater, der auch noch mitverdienen will. Für den sind 250.000 Euro mehr pro Jahr eine Menge Holz.
ES: Ja gut, wenn Sie meinen, Herr Magath. Sie kennen das Geschäft ja besser als ich. Wann wollen wir uns mit ihm zusammensetzen?
FM: Übermorgen wäre günstig. Ich habe schon einmal mit Timo gesprochen und ihn für 14 Uhr hierher bestellt. Ich selbst kann dann allerdings leider nicht anwesend sein. Ich habe einen wichtigen Sponsorentermin. Aber das werden Sie schon auch ohne mich hinbekommen, Herr Präsident. Timo sagt ja selbst, die Verlängerung sei reine Formsache und er sei kein Abzocker.
ES: Na dann! Hoffen wir auf einen glücklichen Verhandlungsverlauf!

4.Akt: Der neue Berater
21. April 2004. Vereinsheim des VfB Stuttgart, ein beinahe leeres Nebenzimmer. Lediglich an einem Tisch sitzen zwei Personen und nippen jeweils an einem Apfelsaftschorle, Sportreporter Norbert Häfele und VfB-Torhüter Timo Hildebrand. Hildebrand ist sichtlich angefressen.
NH: Mensch, Timo, was ist denn mit dir los? So habe ich dich ja noch gar nie gesehen.
TH: So bin ich auch noch nie behandelt worden. Ich dachte eigentlich, ich hätte eine gewisse Stellung in diesem Verein. Ich dachte, meine Leistung würde auch entsprechend gewürdigt werden.
NH: Geht es um das neue Angebot des VfB?
TH: Angebot? Eine Frechheit ist das! Darüber lohnt es sich nicht einmal nachzudenken. Ich bin doch kein billiger Jakob!
NH: Und wie geht es jetzt weiter? Liegen die Gespräche jetzt erst einmal auf Eis?
TH: Wir haben uns zunächst einmal auf Sommer vertagt, denn ich möchte mich jetzt in erster Linie auf die Meisterschaft und die EM in Portugal konzentrieren. Um alle weiteren Vertragsangelegenheiten wird sich dann zukünftig mein neuer Berater Dusan Bukovac kümmern.
NH: DUSAN BUKOVAC!!! Das ist doch dieser Linkmichel, der auch Balakov und Magath berät.
TH: Ich weiß gar nicht, warum alle Welt auf Bukovac so schlecht zu sprechen ist. Auf mich macht er einen ausgezeichneten Eindruck.
NH: Ja aber, um Himmels Willen, Timo, warum denn dieses Umdenken. Es ging bei dir doch bislang ohne Berater.
TH: Das stimmt. Ich dachte, ich komme ohne Berater aus, aber ich habe mich geirrt.
NH: Na, hoffentlich bereust du diese Entscheidung nicht irgendwann einmal...

5.Akt: Die Hinhalte-Taktik (Part I)
8. Juli 2004. Ein Telefonat zwischen Erwin Staudt und Timo Hildebrand, der sich am Strand von Acapulco von den Strapazen der Fußball-Europameisterschaft erholt.
ES: Hallo, Timo. Wie geht’s dir denn nach der Pleite bei der EM?
TH: Ganz gut, Herr Präsident. Ich habe eine Menge gelernt und profitiere sicher noch davon, einige Wochen lang mit den besten Fußballern Deutschlands trainiert zu haben. Eine tolle Erfahrung!
ES: Wie sieht’s denn aus, wir wollten uns doch im Sommer wieder wegen deiner Vertragsverlängerung zusammensetzen. Wann hättest du denn Zeit?
TH: Tja, Herr Präsident, das wird alles ein bisschen eng. Ich muss mich auch noch einmal mit dem Herrn Bukovac bequatschen, aber vielleicht ist es das beste, die Angelegenheit in aller Ruhe in der Winterpause zu Ende zu bringen. Dann ist genügend Zeit.
ES: Schon, aber das Umfeld hier wird langsam nervös. Die hätten gerne eine Entscheidung, eine positive natürlich. Deswegen haben wir das Angebot ja auch noch einmal großzügig aufgestockt.
TH: Ja, aber wenn ich zurück bin, dann geht ja auch schon gleich wieder die Runde los. Ich muss den Kopf frei haben für solche Dinge, sonst bringe ich meine Leistung auf dem Platz nicht. Und daran haben wir ja beide kein Interesse, nicht wahr?
ES: Nein, nein, auf keinen Fall! Tja, dann müssen wir die Öffentlichkeit halt noch ein Weilchen beruhigen. Aber nach dem letzten Spiel im Dezember, gell, da machen wir Nägel mit Köpfen. Wir schicken dir einen Entwurf schon einmal zu. Dann kannst du den Vertrag auch gründlich prüfen lassen.
TH: Okay, so machen wir’s. Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, Herr Präsident, Rosita bringt gerade den nächsten Mojito. Bis bald!

6.Akt: Das gescheiterte Hleb-Projekt
17. August 2004. Einen Tag zuvor hat Alexander Hleb seinen Vertrag beim VfB ebenso überraschend wie plötzlich verlängert. Im Dienstzimmer von Uli Hoeness an der Säbener Strasse sitzen zwei Personen. Ein bleicher Felix Magath und ein puterroter Uli Hoeness.
UH: Wie konnte das passieren! Was glaubt dieser Bursche denn, wer er ist, einfach mal eben so einen Vertrag zu unterschreiben, denn er noch nicht mal richtig durchgelesen hat. Nicht mal wir haben das Papier ja vorab zu sehen bekommen. Und unser Angebot interessiert den Kerl nicht die Bohne!
FM: (leise) Vielleicht wollte er wirklich nur die Nummer 10. Und die hat er nun mal beim VfB und bei uns bekommt er sie nicht.
UH: Schmarrn! Was sind denn das für irrationale Argumente! Geld alleine zählt und da haben wir doch viel mehr geboten!
FM: Scholl, Zé Roberto, Ballack, Deisler, Frings, Hargreaves, Schweinsteiger, ...
UH: Was soll denn das?
FM: Ich zähle gerade die Mittelfeldspieler auf, die wir bereits haben. Lauter Nationalspieler, deutsche, englische, brasilianische...
UH: Na und! Soll er sich halt durchbeissen, verdammt! Und wenn er scheitern sollte, dann sitzt er weich auf der Ersatzbank und zählt die Flocken. Ich könnte platzen vor Wut! Na warte, Bürschchen, das zahlen wir dir heim! So springt niemand mit einem Uli Hoeness um!

7.Akt: Die Rache an Hleb
11.Dezember 2004 Beim Spiel des VfB in München brillieren die Schwaben und führen zur Halbzeit hochverdient 1:0. Überragender Mann auf dem Platz ist Alexander Hleb, der wie ein Irrwisch durch die Reihen der Münchner fegt und von der Bayern-Hintermannschaft nicht zu stoppen ist. In der Halbzeitpause nehmen Uli Hoeness und Felix Magath den Münchner Mittelfeldspieler Owen Hargreaves zu Seite.
UH: Owen, du spielst doch gegen dieses Bürschchen da im VfB-Mittelfeld, diesen Hleb. Geh den mal ein bisschen energischer an.
OH: Pardon?
FM: Der Hleb, Nummer 10, der macht zu viel, den musst du mehr beharken.
OH: Sorry?
UH: Verdammt, Owen, hau dem Kerl auf die Socken oder wir verlieren das Spiel!
OH: Soccer?!?
FM: AUF DIE SOCKEN!!! Grätsch ihn um, mach ihn platt, sorg dafür, dass der Kerl keinen Ball mehr schmerzfrei annehmen kann.
OH: You mean...
UH: BRING IHN UM!!!!!

8.Akt: Die Hinhalte-Taktik (Part II)
21.Dezember 2004. VfB-Clubheim, Präsidentenzimmer. Erwin Staudt empfängt einen sichtlich gut gelaunten Timo Hildebrand.
ES: Ja, was ist denn nun, Timo? Wir wollten uns doch jetzt wegen deines neuen Vertrages zusammensetzen.
TH: Sorry, Präsi, aber leider liegt mein Berater, der Herr Bukovac gerade in Portugal krank darnieder. Wir müssen noch einige Tage warten. Ich gehe noch eine Woche nach Österreich und mache einen Kurzurlaub und danach ist Buko sicherlich wieder auf dem Damm.
ES: Tja, da kann man wohl nichts machen. Was hältst du denn von unserem neuen Angebot? Das ist doch absolut super für einen Torhüter. Außer Olli Kahn hat doch kein anderer Bundesliga-Keeper etwas Ähnliches in der Hand.
TH: Ja, ist prinzipiell nicht schlecht. Wir werden uns natürlich noch über einige kleine Einzelheiten unterhalten müssen, aber das hat ja noch Zeit.
ES: Naja, wir hätten halt gerne bald Planungssicherheit. Der Trainer möchte schließlich frühzeitig wissen, ob er nächste Saison mit dir rechnen kann.
TH: Keine Sorge! Spätestens im Trainingslager ist die Angelegenheit vom Tisch.
ES: Na, da bin ich aber beruhigt!

9.Akt: Der Winterurlaub
27. Dezember 2004. Das Hotel „Jungbrunnen“ in Tannheim/Tirol. Hier verbringen sowohl Felix Magath als auch Timo Hildebrand ihren Weihnachtsurlaub. Unter dem falschen Namen Dragan Boskovic hat sich auch Dusan Bukovac eingemietet. Im Whirlpool des luxuriösen Hotels liegen die drei, um letzte Details abzusprechen.
TH: Mist, ich glaube, irgendein Gast hat Felix und mich erkannt!
DB: Ruhige Blutt, Timo! Habe isch bereit einen Erklärung zubereitet. Musst ihr nur auswending lernen! Hauptesach, dass nieman sieht uns hier in diese Rund!
FM: Also, Timo, jetzt pass mal auf. Du bist schon so gut wie bei Bayern München. Spätestens ab der Saison 2006/2007, wenn dieser Verrückte endlich abtritt. Bis dahin solltest du natürlich bei einem vernünftigen Verein spielen, um dich fit zu halten.
DB: Unde natierlich große Geld verdiene!
TH: Naja, das VfB-Angebot ist ja eigentlich ziemlich gut. Aber die wollen doch glatt, dass ich bis 2010 unterschreibe.
FM: Das geht natürlich nicht. Zumindest nicht ohne Ausstiegsklausel. Ihr werdet also eine Ausstiegsklausel vereinbaren und, bitte, seid so gut, und schaut, dass die Ablösesumme im Rahmen bleibt.
TH: Meinst du, der Verein lässt sich darauf ein, Trainer?
FM: Na klar, bei Kevin und Alex hat es ja auch keine Probleme gegeben. Und damit sie sich nicht querstellen, wollen wir das VfB-Management noch ein wenig unter Druck setzen. Wir sorgen dafür, dass ihnen ein guter Transfer durch die Lappen geht und diskreditieren sie hinterher in aller Öffentlichkeit. Dann sind sieebdgültig weichgekocht. Dann müssen sie auf eure Wünsche eingehen, sonst reißen ihnen die Fans den Kopf ab.
TH: Aber das ist ja ungeheuerlich!
DB: Die Zwecke heilige die Mittel!
FM: Wirst sehen, Timo, es klappt. Und dann kickst du halt noch eineinhalb Jahre für 1,8 Millionen beim VfB und danach beginnen für dich die goldenen Zeiten beim ruhmreichen FC Bayern. Mit 2,5 Millionen pro Jahr. Und Titelgarantie!


10.Akt: Der Trochowski-Köder
3. Januar 2005. Dienstzimmer von Uli Hoeness in der Säbener Strasse in München. Nach langen, zähen Verhandlungen treffen sich die Verantwortlichen von Bayern München und vom VfB Stuttgart zur finalen Runde im Transferpoker um Piotr Trochowski.
BS: Also, dann machen wir Nägel mit Köpfen. Von unserer Seite ist soweit alles klar. Wir sind mit Trochowski einig und akzeptieren eine Ablöseforderung von 750.000 Euro.
UH: Wir hätten aber gerne 1 Million Euro. Und kommt mir jetzt bloß nicht mit dem „wir-haben-einen-gut“-Argument. Das ist Schnee von gestern und außerdem längst in unserem Angebot berücksichtigt. Aber wisst ihr was? Wir machen euch ein Top-Angebot, ein Angebot, das ihr gar nicht ausschlagen könnt. Ihr bekommt Trochowski umsonst. Für null Euro, für umme, für lau. Was sagt ihr?
BS: Ist das ein Witz? Da steckt doch irgendeine Bedingung dahinter.
UH: Naja, die Bedingung wäre, dass wir Philipp Lahm sofort zurück bekommen. Unsere linke Abwehrseite ist so grauenhaft schlecht, dass wir den Kleinen liebend gerne jetzt schon hätten. Sonst muss ich womöglich noch den Bixente zurückholen, wie ich ihm das an Sylvester mit 2,3 Promille im Blut versprochen habe.
BS: Den Lahm? Freiwillig vorzeitig nach München? Damit er euch verstärkt und uns schwächt? Und ausgerechnet jetzt, wo’s doch in der Rückrunde noch einmal um so viel geht? Wir sollen einen aktuellen Nationalspieler gegen ein unbeschriebenes Blatt aus der Regionalliga tauschen und unsere eigene linke Flanke schwächen? Niemals!
UH: Was? Ihr weigert euch, dieses gutherzige Angebot abzulehnen? Seid ihr noch zu retten? Ist das euer letztes Wort:
BS: Absolut!
UH: Wie kann man nur derart unprofessionell und unseriös auftreten! Das ist ja das Allerletzte! Da reicht man die Hand und das ist der Dank! Unverschämtheit, das wird ein Nachspiel haben! Die Verhandlungen sind hiermit beendet. Guten Tag! (geht schnaubend ab)

11.Akt: Die Hinhalte-Taktik (Part III)
16. Januar 2005. Das VfB-Trainingslager in Marbella. In der Lobby des noblen Mannschaftshotels tagt Erwin Staudt mit Dusan Bukovac. Der eine zunehmend erregt, der andere die Ruhe selbst.
ES: Was ist denn jetzt schon wieder los? Wir haben das Angebot jetzt schon fünfmal abgeändert und Ihren Vorstellungen entsprechend angepasst. Wir wollen jetzt Vollzug melden. Unser Trainer hat gesagt, er möchte heute noch eine klare Aussage.
DB: Aber, Präsi, isse mir doch wurste, was diese Trainer will. Musse wir ebe noch bissle Zeit lasse. Machst du eine Klausel fir Aussteig in Vertrag unde eine fixe Ablose von – sage mir – 500.000 Euro, dann wird die Junge unterschreibe.
ES: Nix da! Das sehe ich doch überhaupt nicht ein. Dann geht der Timo nach der WM und wir erhalten ein Butterbrot. Nein, wenn überhaupt eine Ausstiegsklausel, dann nur bei einer garantierten Ablösesumme von 10 Millionen Euro. Das ist unser Angebot. Unser letztes!
DB: Ah, Präsi, setze mich doch nichte unter die Druck! Musse ich besprecke mit die Junge. Melde ich mich in die nächste Tage noch einmal.
ES: Nein! Nein, nein und nochmals nein! Morgen ist Stichtag! Am Montag abend läuft die Uhr ab. Wenn ihr bis dahin nicht zu Potte kommt, dann war’s das eben. Ich lasse mir nicht länger auf der Nase herumtanzen.
DB: Präsi, Präsi, musst du hibsch ruhig bleibe. Mir bekomme das Kind scho geschaukelet.
ES: Nix da! Mir steht’s bis Oberkante Unterlippe! Ich erwarte die Entscheidung bis spätestens morgen Abend. Punkt!
DB: Jaja, isse ja schon in die Ordnung, Präsi! Setz mich nichte unter die Druck! Ich habe in Portogal noch andere Angelegenheite zu regel. Rufe morge dann in Stuckart an. Versprocke!
ES: Und dann ist die Kuh vom Eis?
DB: Wasse Q? Wo isse Eis?
ES: Vergessen Sie’s!

12.Akt: Das große Finale
18. Januar 2005. VfB-Clubheim, Präsidentenzimmer. Erwin Staudt hat soeben Timo Hildebrand aus dem vereinseigenen Kraftraum holen lassen. Hildebrand ist verschwitzt und steht etwas unsicher im Raum, Staudt ist die Ruhe selbst, er lächelt und wirkt wie von einer schweren Last befreit.
ES: Timo! Schön, dass du kurz Zeit für mich hast. Ich habe den kompletten gestrigen Tag mit deinem Herrn Bukovac telefoniert, um endlich Einigkeit zu erzielen. Was soll ich sagen: es hat nicht geklappt! Dein Berater hat auf einer Ausstiegsklausel mit einer lächerlich niedrigen Ablösesumme bestanden und kam dann zusätzlich noch mit Sonderwünschen wie unbegrenzte Freistellung für Werbetermine. Als er schließlich auch noch einen weiteren Aufschub bis nach Fasching gefordert hat, habe ich mich nach Rücksprache mit Herrn Briemschneider entschlossen, die Verhandlung zu beenden.
TH: Was? Wie? Ich versteh’ nicht ganz...
ES: Timo, wir werden den Vertrag mit dir nicht verlängern. Nicht zu den von dir oder Herrn Bukovac gewünschten Konditionen. Wir suchen für die kommende Saison einen neuen Torhüter und wünschen dir, dass du deine sportlichen und finanziellen Ziele anderswo erfüllen kannst.
TH: Aber, aber... Das können Sie doch nicht machen! Ich will doch eigentlich bleiben...
ES: Hier ist der Vertrag, Timo. So, wie wir ihn aufgesetzt haben. Wir haben auf die 1,8 Millionen sogar noch eine kleine Schippe draufgelegt, aber es gibt keine Ausstiegsklausel. Vertrag bis 2010. Unterschreibe und du bist mit 30 Jahren 10-facher Millionär.
TH: Ich... ich... das muss ich mit meinem Berater besprechen!
ES: Nein, Timo. Eine Unterschrift. Jetzt. Sofort.
TH: Ich kann nicht.
ES: OK, dann lassen wir’s! Schade! Du hättest hier ein Denkmal haben können. Aber das Leben geht weiter. Für den Klub genauso wie für dich. Und jetzt ab zum Training, ich glaube, die anderen haben bereits wieder angefangen. (geht ab)
TH: Was habe ich getan...
(Vorhang)