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View Full Version : Todesstrafe



basel!ne
16.08.2005, 07:56
ich habe mir in letzter zeit oefters mal gedanken ueber das thema tdesstrafe gemacht und auch einen kleinen Text dazu geschrieben. ich frage mich was ihr dazu sagt... bitte nur sinnvolle kommentare da das ein ernstes thema ist!



Senkt die Todesstrafe di Verbrechensrate/Mordrate?

Rein statistisch betrachtet, senkt die Todesstrafe die Verbrechensrate/Mordrate nicht. Das kann man daran sehen, dass Staaten/Länder in denen die TS gilt beziehungsweise ausgeführt wird, sich kaum oder gar nicht in ihren Raten von Staaten unterscheiden in denen sie nicht ausgeführt wird. Das belegen neueste Studien. Das ist merkwürdig, da das Hauptargument für die TS die Abschreckung ist. Ich bin aber nicht dieser Meinung, denn Menschen die einen Mord begehen, sind meist so verzweifelt das es ihnen egal ist, ob sie nun Lebenslang, hier in Deutschland übrigens nur 15 Jahre (!), oder die Todesstrafe bekommen. Die Todesstrafe würde also die Verbrechensrate nicht senken, wenn man sie auf morde beschränkt. Man müsste also das Geltungsgebiet ausdehnen. Es wäre wirkungsvoll, aber meiner Ansicht nach nicht vertretbar. In einem Falle eines Mords oder eines Diebstahls wäre es eher eine Bestrafung der Angehörigen des Verbrechers und nicht für den Verbrecher selber.
Wobei sich die Menschen sicher mehr Gedanken darüber machen würden, ob sie diese Bank nun ausrauben würden, wenn sie dabei ihr leben riskieren. Es wird wahrscheinlich öfter rational kalkuliert. Dadurch würde man auch seltener Taten im Affekt begehen, da man diesen Punkt immer im Hinterkopf hat......

Voodoo
16.08.2005, 09:58
argh... ich hatte soviel geschrieben obwohl ich mich kurzhalten wollte und schliese ausversehen das Fenster. Hab echt keine Lust alles nochmal zu schreiben.

Kurz gefasst. Ich bin für Todesstrafe in Extremfällen, wie z.B. Massenkindesmissbrauch, Massenmord oder Massenvergewaltigung. Da kann man es sicher sagen, den richtigen zu haben. Auch würde durch die Wiederholung seiner Tat der Mörder es eh wieder machen wenn er frei käme.

basel!ne
16.08.2005, 10:59
der meinung bin ich eigentlich auch, aber zum einen liegt die gefahr des irrtums oft sehr hoch. ne andere sache sind auch die koste... im amiland kosten einen killlen 3ma soviel wie lebenslange verwahrung, aber wie gesagt in deutschland is die nur 15 und im amiland 25 jahre.... bei guter fuehrung oft weniger. ich bin eigentlich fuer verlaengerung der lebenslangen haft strafe und dafuer das die verbrecher ihre "aufenthaltskosten" selber zahlen bis ihr pensum aufgebraucht ist. lebenslange haft is meiner meinung nach 100mal schlimmer als tdesstrafe weil die leute wie gesagt eh drauf kacken. und wenn sie lange in verwahrung sind koennen sie sich auch nochmal gedanken ueber die tat machen und vielleicht nochmal psychisch leide. klingt mies aber muss halt sein!

Voodoo
16.08.2005, 11:08
ja, und anderen das Leben schwer machen (Mitgefangene, Wärter, Therapeuten) und die ständige Gefahr, dass er ausbrechen könnte.

Warum ist eine Hinrichtung so teuer? So eine Spritze kostet doch wohl kaum eine lebenslange Verpflegung oder?

Das größte Problem bei der Todesstrafe ist die Abgrenzung ab wann einer es verdient hat. Es gibt ja nicht nur ein Ja und Nein, sondern einer könnte ja geistig behindert sein. Dann muss diskutiert werden ob er hingerichtet werden kann/darf. Oder was ist wenn einer im Affekt handelt oder alkoholisiert war. Manche wurden auch extrem provosiert. Das wäre fürn Richter schon schwer da eine klare Linie zu ziehen.

Daher wäre ich nur dafür bei so absoluten Extrem-Fälle, bei denen kein Zweifel gibt, dass sie es wieder tun würden und schon enige Male die Tat begangen haben.

basel!ne
16.08.2005, 11:23
eine tag in der todeszelle ( in der die leute meist ueber eine woche verbringen) kostet soviel wie eine uebernachtung in einem grand hotel. das habe ich bei den recherchen fuer meinen text, in den ich lange nicht alles reingeschrieben habe was ich gelesen habe, heraus gefunden.

und das mit der abgrenzung ist allerdings ein problem, man muesste die todestrafe, damit sie ueberhaupt wirkt ( im sinne von abschreckung [oder geht es dir nur um die beiseite schaffung der taeter??]) auf weitere gebiete ausweiten. und das kann und darf nicht geschehen sonst ist man irgendwann soweit, dass wegen diebstahl(wie es in asien oft der fall ist) die hand abgehackt wird....

Totenhand
16.08.2005, 14:02
hm jo ich denke da genauso wie ihr, gibt soviele Punkte die man beachten muss, bevor man sich dafür entscheidet einen Menschen hinzurichten. Bin aber trozdem froh, das es in Deutschland keine derartige Strafe gibt, denn dann stellt sich meiner Meinung nach die Frage: Ist man besser als der Mörder, indem man ihm das gleiche antut wie seinem Opfer, oder wird man dadurch nicht selbst zum Mörder? Damit wäre man nicht besser als dieser.
Nach meiner Meinung hat niemand das Recht über das Leben eines anderen Menschen zu bestimmt.

Base du hast geschrieben das es eher eine Bestrafung für die Angehörigen des Täters ist, wenn dieser hingerichtet werden soll.
Aber da musst du dann auch bedenken was für eine Strafe es für die Angehörigen, des/der Opfers ist, wenn der Täter einfach davon kommt.

Auch wenn der Täter lebenslang in Haft kommt, ist es meiner Meinung nach eine imense belastung für Angehörige. Stellt euch einfach mal vor was wäre, wenn euer Vater/Bruder/Mutter oder sonst wer aus eurer Familie für ein Lebenlang hinter Gitter müsste. Auch nicht schön :\

Wenn einem Täter es egal ist was mit ihm passiert, dann wird es ihn auch nicht stören für den Rest seines Lebens in Haft zu verbringen. 15 Jahre sind da echt noch ein Zuckerschlecken, und keine harte Strafe.

Bei Vergewaltigern würde ich noch anders vorgehen: Zu der Haftstrafe kommt noch eine Kastration, mit entfernung der Geschlechtsteile, damit er nie wieder jemanden belästigen kann.

Im neuen Spiegel steht ein Artikel über Gefängnisse als Wirtschaftsunternehmen. Gefangene arbeiten und alleine in Bayern erwirtschaften die Gefängnisse Jährlich an die 55 Mio. € (hab die genaue Zahl gerade nicht im Kopf und den Spiegel hat meine Freundin geklaut), das könnte für eine Selbständige Kostentragung des Aufenthaltes sicher reichen, bzw. den Steuerzahler entlasten.

rieke
16.08.2005, 14:42
also ich bin immer noch gegen die Todesstrafe. Egal ob das Massenmörder sind oder ob die Person eine einzige umgebracht hat. Denn sobald es eine Strafe gibt für eine gewisse Tat, dann werden viele es für andere Taten auch fordern. Dann kommen noch die Grauzonen des Rechts dazu, korrupte oder extrem konservative usw.

Ich bin sehr dankbar, dass es in Deutschland keine Todesstrafe gibt. Denn sonst würde ich mich nicht einem Land zugehörig fühlen, auf das man Stolz sein kann, was es in den letzten 60 Jahren für eine moralische Entwicklung gemacht hat.

Die Gefängnisstrafen sind einfach zu lasch in Deutschland. Kindespornografische Videos zu besitzen sie zu vertreiben und Communitys zu gründen (ich las darüber im Spiegel, über einen gewissen Mann...) wird mit 2-5 Jahren bestraft. Viel zu lasch... Denn genau diese sind höchstpotentielle Vergewaltiger oder sogar Mörder, wenn sie merken dass es besser wäre, wenn der kleine seiner Mutter nix darüber erzählen kann.

Deutschland hat glaub ich noch nicht wirklich begriffen wie potentiell die Gefängnisse im Wirtschaftsraum auftreten können. Totenhand hat ja schon ein Beispiel genannt.

Was mich auch enorm stört ist die grauzone zwischen Jugendstrafrecht und Erwachsenenstrafrecht....

Letztens hat jmd der 20 ist und mit einem Auto eine Kleinfamilie ausgelöscht hat per Jugendstrafe 5 Jahre bekommen. Kann ich nicht nachvollziehen.

A-TOM-IC
16.08.2005, 15:15
Die Aussage "Lebenslänglich in D = 15 Jahre Haft" ist so nicht ganz richtig. Nach 15 Jahren kann erstmals ein Antrag auf vorzeitige Entlassung stellen (darauf alle 2 Jahre), wenn jedoch die "besondere schwere der Schuld" (Grausamkeit, Quälerei, etc.) vom Gericht festgestellt wurde, dann dauert es 2 - 10 Jahre länger bis der Antrag überhaupt angenommen wird. Dann wird erst ein Gutachten erstellt bei dem geklärt werden soll, ob davon auszugehen ist, dass Häftling weitere Stafttaten begeht oder nicht. Sollte der Antrag angenommen werden, dann gilt eine Bewährungszeit von 5 Jahren.

Ausserdem finde ich die Frage bzgl. der Todesstrafe ist eine Ethische und nicht eine Frage der Effektivität bei der Verbrechensvermeidung ...

freak
16.08.2005, 15:40
Stimme Tom voll und ganz zu in punkto ethische Frage!

Totenhand
16.08.2005, 17:57
da geb ich Tom ebenfalls recht.

Zu dem Thema lasche Gefängnisstrafen, erläutere ich mal ein Fall der sich bei mir um die Ecke abgespielt hat:
Bei uns am Bahnhof gibt es nen Fahrradhändler. Der Geschäftsinhaber wurde vor ein paar Jahren in seinem Laden erschossen. Der Täter wurde geschnappt und bekam, obwohl es Mord war, gerade mal eine 2 Jährige Haftstrafe die zu einem Teil auch noch auf Bewährung ausgesetzt war (8 Monate). So das er am Ende knapp ein Jahr und 4 Monate im Knast sahs.

So eine lasche Urteilsverkündung ist doch einfach nicht gerecht und entspricht einfach nicht dem maße des verbrechens.
Das Urteil wurde damit begründet das der Täter, zum Zeitpunkt der Tat, stark alkoholisiert war und somit nicht zurechnungsfähig...

basel!ne
16.08.2005, 21:16
also, nochmal recharchiert:
ein todes kandidat sitzt oft mindestens ein jahr, zusaetzlich gehen die meisten in die 2. instanz, also wollen einen 2. prozess und ihren tod herraus zögern, wenn nicht verhindern.
ein tag in der todeszelle kostet ca 200€. durch die 2. instanz enstehen nochmal massig verwaltungskosten. dadurch kommt man in einem jahr locker auf die kohle die 20 jahre normale haft haben. die zahl davon find ich auchnoch raus!

Voodoo
16.08.2005, 21:53
die wo 20 jahre haft bekommen sind aber sicher auch in die zweite Instanz gegangen und haben dadurch Geld verblasen. Also so kannste nicht rechnen.

A-TOM-IC
16.08.2005, 21:53
@Totenhand
Recht und Gerechtigkeit sind leider nicht immer das selbe ... Solche Fälle, in denen sie sich aus der Verantwortung stehlen finde ich auch furchtbar.

basel!ne
16.08.2005, 22:03
boah mir wayne du weisst was ich mein oder ?? ;)

Selan
17.08.2005, 00:05
Ich finde ebenfalls, dass niemand über das Leben eines anderes entscheiden sollte, denn wer gibt ihm das recht dazu?
15 Jahre im Knast werden sicherlich jeden prägen, auch wenn es sicherlich bei manchen mehr und bei manchen weniger nützt.
Schlimmer finde ich allerdings, dass Vergewaltigungen immer noch quasi ein Kavaliersdelikt sind udn Raubkopierer quasi härter bestraft werden können als Vergewaltiger und dass der Statt denen die kompletten Kosten abnimmt, während die Opfer keinerlei Hilfe bekommen.

basel!ne
17.08.2005, 06:49
stimmt, darueber hab ich noch garnicht nachgedacht. das is echt hart, vorallem wenn man jetzt daran denkt das die film und musik industrie das alles nur angezettelt hat weil sie gemerkt hat das sie langsam ihr monopol verliert. ich finds dehalb uebrigens total berechtigt zu saugen :P nur in massen(also nur wenig kp ob das richtig geschrieben ist :D) aber es ist okay

Nilla
20.08.2005, 22:15
Also ich bin auch der Ansicht, dass kein Mensch über das eines anderen richten sollte. Klar auch wenn ein Mörder das tut, so kann aber doch ein Richter oder eine Jury sich nicht das gleiche Recht nehmen und somit eigentlich auch zu Mördern werden, zwar nicht im direkten Sinne, aber indirekt schon.
Ich hab mal eine Zeit lang mit Inhaftierten Briefe geschrieben, die zum Tode verurteilt waren und ich fand es einfach nur schrecklich zu wissen, dass es irgendwann ein letzter Brief sein wird. Klar alle mit denen ich geschrieben habe hatten schuld, das sehe ich genauso und sie sind zurecht bestraft worden, allerdings fand ich die Strafe unpassend. Diese Menschen haben schon vor ihrer Hinrichtung viel Zeit um darüber nachzudenken was sie verbrochen haben und wen sie alles damit verletzt haben und klar sind 15 Jahre keine all zu lange Zeit im Hinblick darauf, dass sie ein ganzes Leben ausgelöscht haben und trotzdem denke ich sie sollten besser ihre Strafe absitzen, als es nach dem Prinzip Auge um Auge und Zahn um Zahn zu lösen.

rieke
11.10.2005, 13:32
so ich darf diesen thread mal reaktivieren. Ich habe einen interessanten und auch erschreckenden Artikel bei spiegel-online gefunden:

30 Minuten Neugier, lebenslänglich Knast (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,378302,00.html)

es lohnt sich.

Deadman
15.04.2007, 21:15
Ich glaube ebenfalls das eine Verwahrung auf Lebenszeit positiver ist, als eine sofortige Todesstrafe.

Grund Nummero eins sollte wohl sein, dass im Falle eines Irrtums der zu unrecht Gefangengehaltene immernoch sein restliches Leben vor sich hat, auch wenn ihm dadurch die vorherigen Jahre unentschuldbar geraubt worden sind.
Zweitens hat kein Recht eines Landes das Recht sich als gerecht zu erfassen und den Tod über andere Menschen zu bestimmen. Denn das würde eine Autonomie des Staates erklären die sowohl ethisch als auch politisches untragbar wäre.