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View Full Version : Buch - Scheibenwelt: DAS LICHT DER FANTASIE



Hades
30.09.2005, 11:06
<table border="0" cellspacing="10"><tr align="left">
<td width="120">http://images-eu.amazon.com/images/P/3492285015.03.MZZZZZZZ.jpg (http://www.cs.technion.ac.il/~philip/Images/BookCovers/lightf.jpg)</td>
<td>Titel: Das Licht der Fantasie

Kategorie: Fantasy, Großbritanien 1986

Autor(en): Terry Pratchett

Mehr Infos: http://www.scheibenwelt.de/

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Inhaltsangabe:
Das zweite Buch des Scheibenwelt-Zyklus schließt direkt an Die Farben der Magie an. Das Rincewind und Zweiblum ziellos im All herumsegeln sollen, paßt den Göttern gerade nicht, und so beschließen sie, die beiden wieder ins Spiel zu nehmen. Sie erwachen in einem recht seltsamen Wald, mit sprechenden Bäumen, einem verlassenen Pfefferkuchenhaus und Heinzelmännchen, die in Fliegenpilzen wohnen. Etwa zur gleichen Zeit erscheint über Ankh-Morpork ein roter Komet, den die Zauberer der Unsichtbaren Universität auf den fehlenden Zauberspruch aus dem Oktavo zurückführen. Also muß Rincewind bis Silvester gefunden werden, sonst geht die Scheibenwelt unter. Rincewind und sein Begleiter geraten zu einem Druiden auf seine Wolke, der als Computer-Spezialist gerade ein Ersatzteil zum größten Computer der Scheibenwelt, Marke »Stonehenge« fliegt. Dort angekommen, mischt sich Zweiblum in das dort übliche Ritual der Jungfrauenopferung und bringt damit sich und Rincewind in Schwierigkeiten. Nachdem Cohen, der Barbar, ein uraltes verhutzeltes Männchen, sie rettet, kommen alle noch rechtzeitig nach Ankh-Morpork, um den Zauberspruch dem Oktavo wiederzugeben.

Während diese ersten beiden Bücher Die Farben der Magie und Das Licht der Phantasie inhaltlich eher oberflächlich bleiben und mehr eine Spielerei mit Fantasy-Motiven waren, wurden die nächsten Bücher schon eigenständiger.



Textauszug:

Obwohl Rincewind ein Leben voller Langeweile anstrebt, befindet sich dieses mal wieder in einem Zustand absoluten Chaoses. Und als Gipfel des ganzen hat er sich nun auch noch in einem Wald verlaufen. Wütend darüber läßt er seinen Ärger an dem nächstbesten Baum aus...

Er versetzte dem nächsten Stamm einen ärgerlichen Tritt. Der Baum reagierte sofort und warf eine wohlgezielte Eichel auf ihn herab. "Au!" entfuhr es dem Zauberer.
Gleich darauf ertönte eine Stimme, die sich anhörte, als schwinge eine uralte Tür zu. "Geschieht dir ganz recht."
Eine Zeitlang war es still.
Dann fragte Rincewind: "Hast du das gesagt?"
"Ja."
"Und das auch?"
"Ja."
"Oh." Er dachte kurz nach und fügte schließlich hinzu: "Ich nehme an, du weißt nicht zufällig, vielleicht, äh, möglicherweise den Weg aus dem Wald?"
"Nein", sagte der Baum. "Ich komme nicht viel herum."
"Scheint ein ziemlich langweiliges Leben zu sein."
"Keine Ahnung", erwiderte der Baum. "Ich kenne kein anderes, bin immer nur ein Baum gewesen."
Rincewind sah ihn sich genauer an. Der Stamm wirkte völlig normal, ebenso die Zweige und die Blätter.
"Bist du ein magisches Wesen?" erkundigte er sich.
"So eine Frage habe ich mir noch nie gestellt", antwortete der Baum. "Nun, ich glaube schon."
Es ist unmöglich, mit einem Baum zu sprechen, überlegte Rincewind. Wenn ich anfange, mich mit Bäumen zu unterhalten, bin ich verrückt. Und da ich nicht verrückt bin, können Bäume nicht reden.
Beeindruckt von seiner Logik sagte er: "Leb wohl."
"He, geh noch nicht fort", sagte der Baum, begriff dann aber die Nutzlosigkeit seiner Bemühungen. Er sah Rincewind nach, der durchs Gebüsch davonstapfte, konzentrierte sich dann wieder auf seine Empfindungen, spürte das Licht der Sonne auf den Blättern; lauschte dem leisen Gurgeln des Wassers, das über die Wurzeln plätscherte, fühlte, wie in den Kapillaren Saft emporstieg, der dem Wechselspiel von Sonne und Mond folgte. Ein langweiliges Leben, dachte er. Wie seltsam. Natürlich ist uns Bäumen manchmal langweilig. Kein Wunder, wenn man dauernd an einer Stelle steht. Aber das ganze Leben? Und dann: Werde ich jemals etwas anderes sein?
Zwar sprach Rincewind nie wieder mit diesem einen Baum, aber das kurze Gespräch legte den Grundstein für die erste Baum-Religion, die sich im Laufe der Zeit in allen Wäldern auf der Scheibenwelt ausbreitete. Ihr Glaubenssatz lautete folgendermaßen: Ein Baum, der ein anständiges und tadelloses Leben führt, sich niemals etwas zuschulden kommen läßt, kann auf ein Leben nach dem Tod hoffen. Wenn er keine Sünde auf sich lädt, wird er in Form von fünftausend Rollen Toilettenpapier wiedergeboren.



Der zahnlose Cohen findet Gefallen an der jungen Bethana. Mit Rincewind führt er ein Gespräch unter Männern. Ganz im Gegensatz zu Zweiblum, weiß er jedoch, daß er nicht mehr der Jüngste ist...

"Ach, wenn ich zwanfig Jahre jünger wäre..." sagte er sehnsüchtig.
"Ja?"
"Dann wäre ich fiebenundfechzig."
"Und?"
"Nun, wie foll ich mich aufdrücken? Als ich noch ein junger Mann war und der Welt meinen Ftempel aufdrückte, mochte ich temperamentvolle Rothaarige befonderf gern."
"Aha."
"Dann wurde ich ein wenig älter und entwickelte eine Vorliebe für reife und erfahrene Blondinen."
"Ach, ja?"
"Und dann wurde ich noch ein wenig älter und wuffte die Vorzüge von heiffblütigen Brünetten zu fätzen."
Er zögerte, und Rincewind wartete.
"Und weiter?" fragte er schließlich. "Welche weiblichen Eigenschaften bevorzugst du heute?"
Cohen richtete einen resignierenden Blick auf ihn.
"Geduld", antwortete er.
"Ich fasse es einfach nicht!" ertönte eine laute Stimme hinter ihnen. "Ich reite mit Cohen dem Barbar!"
Der Ausruf stammte natürlich von Zweiblum. Seit dem Morgen - als er feststellte, die gleiche Luft zu atmen wie der größte Held aller Zeiten - verhielt er sich wie ein Affe, der den Schlüssel zu einer Bananenplantage erhalten hatte.
"Meint er daf vielleicht ironif?" wandte sich Cohen an Rincewind.
"Nein. Er ist immer so."
Cohen drehte sich im Sattel um. Zweiblum bedachte ihn mit einem strahlenden Lächeln und winkte stolz. Cohen schüttelte den Kopf und brummte:
"Er doch Augen im Kopf, oder?"
"Ja. Aber glaub mir: Sie funktionieren nicht so wie bei anderen Leuten. Ich meine... Nun, du erinnerst dich sicher an gestern abend, an die Jurte des Reitervolkes?"
"Na klar."
"Würdest du mir zustimmen, wenn ich sage, daß das Zelt dunkel und schmutzig war und wie ein krankes Pferd stank?"
"Ich halte daf für eine ziemlich genaue Befreibung."
"Zweiblum vertritt einen völlig anderen Standpunkt. Er ist der Meinung, es handelte sich um ein wundervolles Barbarenzelt, ausgestattet mit den Pelzen und Fellen wilder Tiere, die von tapferen, folkloristisch und ethnisch höchst eindrucksvollen Kriegern erlegt wurden. Er spräche von kuriosen Gerüchen einer Welt, die von der Zivilisation weitgehend unbefleckt geblieben ist, von einem malerischen Idyll, das in gefährlichen Überfällen auf Karawanen und dem Raub von Frauen aus anderen Stämmen besteht. Und so weiter, und so fort." Rincewind sah Cohen an. "Im Ernst."
"Ift er verrückt?"
"In gewisser Weise. Aber er hat eine Menge Geld."
"Ah, dann kann er nicht übergefnappt fein. Ich bin weit herumgekommen. Wenn jemand viel Geld hat, ift er nicht verrückt, fondern nur exzentriff."



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The Light Fantastic