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Voodoo
30.12.2005, 15:13
C64 DTV: Der legendäre Commodore ist zurück

Joystick80er-Shows, Retrowelle - die alten Zeiten sind in. Nun gibt es für den heimischen Fernseher den legendären Commodore-Heimcomputer C64 - eingebaut in einen Joystick.

Bereits seit einigen Monaten ist das C64 DTV erhältlich, ein Joystick, der einen C64-Nachbau auf einem einzigen Chip beinhaltet. Allerdings erhielt der geneigte Retrofan bisher nur die NTSC-Version - doch nun gibt es den Freudenknüppel auch im heimischen Fernsehformat PAL. Somit kann man stilecht auch ältere Fernsehgeräte nutzen. Zusätzlich sind die ersten Geräte in gehackter Form verfügbar, an denen sich Tastatur und Diskettenlaufwerk anschließen lassen. Wir haben uns die PAL-Version und die gehackte Variante mal etwas genauer angeschaut.

Player 1 vs. Verpackung

Bevor es losgehen kann, muss der Retrofan den Joystick aus der Hochglanzverpackung schälen. Dies gestaltet sich etwas schwierig, da der Joystick direkt auf dem Verpackungsboden mit Draht (!) verknotet wurde und man dafür zweckmässigerweise die komplette Packung auseinanderreissen sollte. Schließlich gibt es auch noch eine Menge Klebestreifen zu entdecken, die aufgrund ihrer nervigen Entfernung vor das Spielvergnügen den Schweiß gesetzt haben. Hat man schließlich den Joystick erreicht, staunt der Nutzer nicht schlecht ob der mäßigen Qualität der Hardware. Zwar erinnert das C64 DTV an den berühmten Competition Pro, einen der beliebtesten Joysticks aus (Retro-)Zeiten, doch in Sachen Hochwertigkeit kann der inoffizielle Nachfahre nicht mit dem Original mithalten. So fehlen nicht nur die legendären Mikroschalter, auch das Gehäuse macht einen eher bescheidenen Eindruck.

Nach dem Kampf gegen die Verpackung kann es losgehen: vier Batterien vom Typ Mignon eingeworfen, die Video- und Audiostecker mit dem Fernseher oder Monitor verbunden und mit den Fingern geknackt - Bühne frei für 30 Spiele, die teilweise schon 20 Jahre und mehr auf dem Buckel haben. Das bedeutet aber nicht, dass sie deswegen heute keinen Spaß mehr machen: allein die Klassiker California Games, Summer Games und Winter Games lassen ambitionierten 8-Bit-Veteranen vor Verzückung die Tränen in die Augen steigen - und sorgen umgehend für einen Tennisarm. Wer etwas weniger brutal am Joystick reißen will, kann sich auch mit Impossible Mission, Nebulus oder Pit Stop vergnügen. Allesamt ebenfalls echte Klassiker und auch heute noch einen Trip in die mediale Vergangenheit wert, auch wenn sie aus heutiger Sicht technisch prähistorisch wirken. Im Vergleich zur NTSC-Version wurden übrigens einige Spiele ausgetauscht - "Bull Riding" ist beispielsweise nicht mehr möglich.

Die Einfachheit des Ganzen ist aber einer der größten Vorteile: einschalten, den kurzen Bootvorgang samt Firmenlabel-Diashow abwarten und schon kann es losgehen. Macht das Spiel keinen Spass mehr, bleibt immer noch der günstig liegende Resetknopf übrig. Doch es gibt auch Kritikpunkte: wer gegen mehrere Zocker antreten will, kann dies nicht gleichzeitig, sondern nur nacheinander tun - Anschlüsse für weitere Joysticks oder gar eine Link-Funktion mit anderen DTVs fehlen. Leider fehlen auch einige technisch exquisite Spiele wie Turrican oder Great Giana Sisters. So kitzelt diese Zusammenstellung bei weitem nicht das aus dem simulierten C64, was möglich wäre.

JoystickDoch allein die mit der Erstellung dieser Compilation erbrachte Leistung (man denke an die zahlreichen Urheberrechte, Lizenzen und Verträge, die berücksichtigt werden mussten) ist schon erstaunlich. Ebenso erstaunlich ist, dass das Ganze auf einem einzigen Chip im Joystick Platz fand - was aber nicht alle Retrofans begeisterte. Es gab daher Bastler, die den alten Commodore-Computer aus dem Joystick befreien wollten - und dies erfolgreich taten: der C64 DTV PAL-Umbau bietet Anschlussmöglichkeiten für Tastatur und Diskettenlaufwerk und macht einen fast vollwertigen C64 aus dem DTV. Die handgearbeitete Lösung kommt durchaus hochwertig daher und machte nicht den Eindruck einer lieblos zusammengepfuschten Hobbyschrauberarbeit. Wer lieber selber Hand anlegt, kann im Internet eine ausführliche Tuninganleitung zum Selberumbauen finden.

Günstiges Automatenfeeling aus den 80ern

Fazit: einfacher geht Retrozocken kaum. Wer die Verpackung besiegen kann und auch mit dem billigen Made-in-China-Stil des Gerätes klarkommt, wird an dunklen Weihnachtsabenden zahlreiche Flashbacks erleben können. Die knapp 35 Euro, die das PAL-Gerät kostet, kann man getrost investieren - nicht nur, weil es schöne Erinnerungen an vergangene Zockerzeiten ermöglicht, sondern einfach auch, weil es immer noch wahnsinnig viel Spass macht. Den Fans exklusiver Basteleien sei der knapp 60 Euro teure Umbau empfohlen, der es dann aber notwendig macht, noch eine Tastatur sowie ein Commodore-Laufwerk bei eBay oder auf dem Flohmarkt zu erstehen.


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