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View Full Version : Dan Brown vor Gericht



Voodoo
27.02.2006, 10:30
Prozess um «Sakrileg»-These vom Heiligen Gral


Hat er? Hat er nicht? Drei Männer bestehen darauf, dass US-Autor Dan Brown schamlos abschrieb aus ihrem Buch über den Heiligen Gral. In «Sakrileg» spiele er gar mit den Namen der drei. Brown steht ab Montag vor Gericht.


Dan BrownDer Stargast ist ein scheuer Multimillionär. Das altehrwürdige Gericht, vor dem Dan Brown aussagen soll, passt gut zu den Schauplätzen seines Thrillers «The Da Vinci Code» (Titel der deutschen Übersetzung: «Sakrileg»). Der Royal High Court in London, 1882 von Königin Viktoria eingeweiht, ist ein Paradebeispiel für Bemühungen von Architekten um die Wiederbelebung der Gotik.

Rund 1000 Räume gibt es im Obersten Zivilgericht Englands. Auf einen davon konzentriert sich an diesem Montag nicht nur das Interesse von Brown-Lesern in aller Welt. Hoch bezahlte Rechtsexperten von Buchverlagen sowie der Filmindustrie verfolgen das Geschehen. Genau wie PR-Berater der Katholischen Kirche, die Dan Brown wohl nichts sehnlicher wünschen als eine fürchterliche Blamage.

Hat der Bestseller-Autor schamlos abgeschrieben? Muss sein Welthit «Sakrileg» aus den Buchhandlungen entfernt werden? Darf die Verfilmung des weltweit 48 Millionen Mal verkauften Thrillers mit dem Originaltitel «The Da Vinci Code» etwa gar nicht in die Kinos kommen?



Jesus zeugte mit Maria ein Kind

«Ja» würde die Antwort auf alle diese Fragen lauten, wenn es nach dem Willen von drei Männern ginge. Sie hatten sich schon vor rund einem Vierteljahrhundert in einem Sachbuch mit der später von Brown profitabel vermarkteten These beschäftigt: Jesus zeugte mit Maria Magdalena ein Kind und gründete damit eine Erblinie, die bis in unsere Zeit von der katholischen Obrigkeit skrupellos bekämpft wird.

Nach Angaben der Londoner «Times» verlangen die Kläger mindestens 10 Millionen Pfund (fast 15 Millionen Euro) dafür, dass sie ihre Vorwürfe der Verletzung von Urheberrechten aufgeben. Andernfalls wollen sie einen Bann für Browns «Da Vinci Code» sowie den Film in Großbritannien durchsetzen.



Folgenschwere Prozesse

Einem solchen Präzedenzfall könnten ähnlich folgenschwere Prozesse in anderen Ländern folgen.

Die Kläger sind Michael Baigent aus Neuseeland und der Amerikaner Richard Leigh. Zusammen mit dem Engländer Henry Lincoln, der sich aus gesundheitlichen Gründen der Klage nicht anschloss, hatten sie 1982 das Sachbuch «The Holy Blood and the Holy Grail» («Der heilige Gral und seine Erben») veröffentlicht.

Nun sagen Baigent und Leigh, dass ihre Grundstory einer kirchlichen Verschwörung, ja die «gesamte Architektur» ihres Buches, einfach für Browns Buch übernommen und zu einem Thriller ausgebaut wurde.



Filmfestspiele in Cannes

Besonders beachtet wird das Verfahren auch deshalb, weil es die Weltpremiere der Hollywood-Variante von «Da Vinci Code» mit Tom Hanks in der Starrolle bei den Filmfestspielen in Cannes Mitte Mai überschatten könnte. Vor allem aber, weil der Gerichtssaal zur Bühne für den amtierenden König des Genres Religionskrimi wird. Ausgerechnet der öffentlichkeitsscheue Dan Brown, der nur noch in Privatjets reist, weil er bei Linienflügen ständig um Autogramme gebeten wurde, soll vor laufenden Kameras aussagen.

Allerdings wird der Autor, der mit seinen Büchern umgerechnet schon 300 Millionen Euro verdiente, keineswegs als Angeklagter vor Gericht stehen. Er wurde als Zeuge im Verfahren «Baigent versus Random House» geladen. Nach englischem Recht ist «Plagiat» durch eine Person nicht justiziabel. Die Klage richtet sich deshalb gegen ein Unternehmen, Browns US-Verlag Random House.



Provokation mit Anagramm

Dessen Anwälte argumentieren, der Schriftsteller habe für «Sakrileg» legal eine Vielzahl unterschiedlicher Quellen verwendet. Baigent und Leigh führen ins Feld, Brown habe in erster Linie ihr Jesus-Buch «ausgeschlachtet». Er habe in «Sakrileg» sogar übermütig auf seine Hauptquelle aufmerksam gemacht: So sei der Charakter Leigh Teabing eine Anspielung auf die Männer, die jetzt als Kläger auftreten: Leigh stehe für Richard Leigh, Teabing sei eines der von Brown so gern verwendeten Anagramme und stehe für Baigent.

Im August 2005 war Brown von anderen Plagiationsvorwürfen freigesprochen worden: Damals ging es um Ideen aus zwei Büchern des Autors Lewis Perdue. Ein Gericht in New York entschied, dass die Ähnlichkeiten «nur oberflächlich» seien.

vamp
27.02.2006, 11:08
ich bin ja mal auf den Prozess gespannt. War eigentlich immer begeistert von Dan Browns Bücher.

reen
28.02.2006, 14:38
darum geht es ja auch nicht, aber wenn der herr einfach ideen klaut ohne sich vorher mit den urhebern in verbindung zu setzen ist er selbst schuld.
ich denke kaum ein schriftsteller schreibt was total neues und nie dagewesenes, jeder holt sich irgendwo eine idee bzw. lässt sich inspirieren von einem vorangegangen werk. wenn die drei die einzigen waren die je auf die idee gekommen sind mit der erblinie und er sie auf einmal aufgreift dann find ich das schon komisch. ich hoff mal voo hält uns auf dem laufenden.

Voodoo
28.02.2006, 15:16
ich versuchs... ist schwer zu diesem Thema was zu finden. Aber die Verhandlung kommt ja auch erst noch.

Voodoo
14.03.2006, 08:41
Dan Brown: «Sakrileg» kein Plagiat


Im Plagiatsprozess um «Sakrileg» hat Bestseller-Autor Dan Brown Vorwürfe zurückgewiesen. Sie seien «völlig abstrus».

Im Plagiatsprozess um den Bestseller «Sakrileg» hat Autor Dan Brown alle Beschuldigungen zurückgewiesen. Die Abschreibvorwürfe, die zwei Verfasser eines Sachbuchs gegen ihn erhoben haben, seien «völlig abstrus», sagte der US-Amerikaner am Montag bei seinem ersten Auftritt vor Gericht in London. Der 41-Jährige gab zu, dass er bei der Recherche für das «Sakrileg» auch «Der Heilige Gral und seine Erben» von Michael Baigent und Richard Leigh gelesen habe. Das Buch sei aber nur eines von vielen gewesen.
Die beiden anderen Schriftsteller werfen Brown vor, insgesamt 15 zentrale Thesen aus ihrem Sachbuch für seinen Roman (Originaltitel: «The Da Vinci Code») verwendet zu haben. Zu ihnen zählt die Behauptung, dass Jesus Christus ein Kind mit Maria Magdalena hatte und deren Nachkommen heute noch leben. Dazu sagte Brown, Baigent und Leigh seien nur «zwei von vielen Autoren, die über die Blutlinien-Theorie geschrieben haben».

Brown, der in der Öffentlichkeit nur selten auftritt, sagte in dem Prozess nur als Zeuge aus. Die Klage richtet sich gegen seinen Verlag Random House, eine Tochter des deutschen Bertelsmann-Konzerns. Im selben Verlag ist auch «The Holy Blood And The Holy Grail» erschienen, wie das Sachbuch im Original heißt. Seit Beginn des Prozesses, der weltweit Beachtung findet, sind die Auflagen beider Titel gestiegen. Vom «Sakrileg» wurden weltweit bereits mehr als 40 Millionen Exemplare verkauft.

Totenhand
14.03.2006, 12:20
Bin ich auch mal gespannt. Auf der einen Seite wäre es echt mies, wenn er einfach so voll abkupfert, aber auf der anderen Seite gibts auch immer Leute die am Ruhm anderer Menschen teilhaben wollen.
Bin mal gespannt wie das Gericht entscheidet

Voodoo
09.04.2006, 11:32
Dan Brown gewinnt Prozess um "Sakrileg"-Plagiatsvorwürfe


Dan Brown hat keine Ideen gestohlen. Und er hat für seinen Weltbestseller "Sakrileg", der in wenigen Wochen unter dem Originaltitel "The Da Vinci Code" in die Kinos kommt, auch nicht in unerlaubten Maße abgeschrieben.
Das befand am Freitag Richter Peter Smith am Obersten Gerichtshof Englands in London. "Diese Entscheidung zeigt, dass die Vorwürfe absolut jedweder Grundlage entbehrten", betonte Brown in einer Erklärung.

"Ein Romancier muss die Freiheit haben, historische Werke zu verwenden, ohne fürchten zu müssen, dass seine persönliche Integrität in Misskredit gebracht wird", sagte Brown. Nachdem er viel Zeit und Energie auf die Abwehr der Anschuldigungen verwendet habe, sei er "jetzt begierig, meinen neuen Roman zu schreiben". Scherzhaft fügte er hinzu, das Londoner Gerichtsgebäude im neogotischen Stil, das gegenüber der in seinem Buch erwähnten Tempelritter-Kirche liegt, wolle er sich demnächst genauer anschauen.

"Wir sind erleichtert, aber wir haben auch kein anderes Urteil erwartet", sagte eine Sprecherin des US-Verlages Random House, in dem der mehr als 40 Millionen Mal verkaufte Religionsthriller erschien. Mit dem Aufsehen erregenden Prozess hatten der Neuseeländer Michael Baigent und der Amerikaner Richard Leigh eine Millionenentschädigung angestrebt. Sie hatten behauptet, Brown habe wesentliche Elemente seines Romans ohne Genehmigung aus ihrem bereits mehr als 20 Jahre zuvor erschienenen Sachbuch "Der heilige Gral und seine Erben" übernommen. Nun bleiben die Kläger auf hohen Prozesskosten sitzen.

Die beiden hatten zwar nicht Brown verklagt, sondern dessen Verlag, der zur deutschen Bertelsmann-Gruppe gehört. "Doch es war in Wirklichkeit völlig klar, dass hier Mister Brown vor Gericht stand", sagte Richter Smith. Er wies darauf hin, dass der medienwirksame Prozess am Ende "die Verkäufe beider Bücher in die Höhe getrieben" habe. Einige Leute hätten gar spekuliert, dass alle beteiligten Autoren das Gerichtsverfahren genau mit diesem Ziel angezettelt hätten. "Ich bin nicht in der Lage, diese zynische Sichtweise zu kommentieren."

Baigent und Leigh hatten verlangt, dass der Weiterverkauf des Brown-Thrillers, der im Englischen Original unter dem Titel "The Da Vinci Code" erschien, in Großbritannien unterbunden wird. Zudem sollte der Kinostart des Hollywoodfilms mit Oscargewinner Tom Hanks in der Hauptrolle, der für Mitte Mai vorgesehen ist, verhindert werden.

Dan Brown hatte vor dem Londoner Gericht als Zeuge ausgesagt und dabei alle Beschuldigungen in einer langen Rede zurückgewiesen. Die Plagiatsvorwürfe seien "völlig abstrus". In einer 69 Seiten umfassenden Erklärung war er eine Woche nach der Prozesseröffnung am 27. Februar detailliert auf seine Arbeitsweise und die Schaffung von "The Da Vinci Code" eingegangen. Damit hat er offenbar den Richter überzeugt, der beide Bücher nach eigenem Bekunden aufmerksam gelesen hat.

Der 41-jährige Autor räumte ein, dass er bei der Recherche für sein Buch auch "Der Heilige Gral und seine Erben" von Baigent und Leigh gelesen habe. Das Werk sei aber nur eines von vielen gewesen. Die beiden Kläger warfen Brown vor, insgesamt 15 zentrale Thesen aus ihrem Sachbuch verwendet zu haben - darunter auch die Behauptung, dass Jesus Christus ein Kind mit Maria Magdalena hatte und die Nachfolger heute noch leben.

Auch dazu hatte Richter Smith einen Kommentar: "Glücklicherweise musste ich nicht die literarische Qualität der Bücher beurteilen und auch nicht ihren Wahrheitsgehalt." Er fügte hinzu: "Ich denke mal, in der Welt des Buchverlegens können 40 Millionen Käufer nicht falsch liegen."

reen
09.04.2006, 12:48
ha, da hat der voo wohl doch noch was gefunden :)