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View Full Version : Biologie - Menschheit verursacht größtes Artensterben seit Sauriertod



vamp
21.03.2006, 13:45
Biologen beobachten derzeit das größte Artensterben seit 65 Millionen Jahren. Verantwortlich dafür seien Eingriffe des Menschen in die Natur, heißt es in einem Bericht der Vereinten Nationen.

Curitiba - Die Tier- und Pflanzenwelt ist in Gefahr - und die Bedrohung geht von der Menschheit aus. "Wir sind verantwortlich für das sechste große Artensterben der Erdgeschichte", heißt es in einer neuen Studie, die auf der 8. Uno-Konferenz über Biologische Vielfalt im brasilianischen Curitiba vorgestellt wurde. Das derzeit stattfindende Artensterben sei das größte seit dem Verschwinden der Saurier vor 65 Millionen Jahren. Lebensräume von Korallenriffen bis zu tropischen Regenwäldern seien in Gefahr.

screen Die "Großen Fünf" des Artentods liegen lange zurück: 440, 375, 250, 205 und 65 Millionen Jahre. Als Ursachen des Verschwindens Tausender Spezien gelten Asteroideneinschläge, Vulkanausbrüche sowie plötzliche Klimaveränderungen.

Das derzeitige Artensterben führen die Autoren des "2. Global Biodiversity Outlook" auf Umweltverschmutzung, Zersiedlung, Abholzung, den Klimawandel und auf die Einschleppung von Arten in fremde Biotope zurück. Die derzeitige Geschwindigkeit des Artensterbens sei 1000 Mal höher als zu früheren Zeiten. Es sei keine Verbesserung der Situation erkennbar, heißt es in der Studie.

Zum Auftakt der Konferenz in Curitiba sagte die brasilianische Umweltministerin Marina Silva vor Vertretern von rund 180 Staaten, seit dem Uno-Umweltgipfel in Rio de Janeiro 1992 seien nur wenige Fortschritte erzielt worden. Es gebe sogar Hinweise, dass es Rückschritte beim Schutz einzigartiger Tiere und Pflanzen gegeben habe. Daraus ergebe sich die Notwendigkeit besonderer Anstrengungen, um das in Rio formulierte Ziel zu erreichen, wonach bis 2010 die Zerstörung von Umwelt und Biodiversität entscheidend verringert werden muss.

Zu den 188 Unterzeichnern der Uno-Konvention über biologische Vielfalt aus dem Jahr 1992 gehört auch die Europäische Union. Zehn Jahre später wurde in Johannesburg beschlossen, die Geschwindigkeit des Artensterbens bis 2010 "deutlich zu reduzieren". "Die bisher erzielten Erfolge sind aber zu gering", klagte Ministerin Silva.

Obwohl einige Länder energische Umweltschutzaktionen durchgeführt hätten, gebe es vier Jahre vor Ablauf der in Johannesburg gesetzten Frist noch "sehr viel zu tun". Vor allem die Entwicklungsländer, in denen die größte Artenvielfalt bestehe, bräuchten Entschlossenheit und politischen Willen, damit die Konventionsbeschlüsse und -verpflichtungen in die Realität umgesetzt würden.

h a e p i i i
21.03.2006, 13:55
Yo irgendwer muss immer leiden ... und ich glaube dass der größte Teil der Menschen nich auf irgendwas verzichten will nur für die Tieren ..

Klabauter
21.03.2006, 15:26
Vor allem glaube ich nicht, dass die Entwicklungsländer, von denen sich viele nur durch die Vermarktung ihrer Tropenhölzer zu Schleuderpreisen über Wasser halten können, wegen der Tiere damit aufhören. Das passiert vielleicht, wenn ihnen eine richtige Alternative geboten würde. Da aber die reichen Industrienationen auch nicht auf das billige Tropenholz verzichten wollen wird das nicht so schnell passieren.

Voodoo
21.03.2006, 17:30
sehr traurig... :(

vamp
22.03.2006, 12:15
hier noch ein Interview zw. Spiegel Online und Steiner von der 8. Uno-Konferenz:

http://www.spiegel.de/img/0,1020,599047,00.jpg


SPIEGEL ONLINE: Die Artenvielfalt der Uno-Gremien und Konferenzen zum Thema nachhaltige Entwicklung ist kaum zu überbieten. Wie sieht die Bilanz für die Umwelt aus?

Steiner: Wir haben seit der Umweltkonferenz von Rio im Jahre 1992 eine umfassende Bestandsaufnahme über den Zustand des Globus. Leider hinkt die Umsetzung der entsprechenden Maßnahmen zum Schutz der Lebensgrundlagen weit hinterher.

SPIEGEL ONLINE: Was heißt das konkret?

Steiner: Das Artensterben hat sich beschleunigt, wie wir auch aus den Bestandsaufnahmen der sogenannten Roten Liste der World Conservation Union IUCN wissen. Die Ausrottung seltener Tiere und Pflanzen vollzieht sich heute hundert- bis tausendmal schneller als vor hundert Jahren. Ein Viertel aller Säugetiere sind heute in ihrem Bestand bedroht. Wir stehen an einem Wendepunkt.

SPIEGEL ONLINE: Welche Rolle spielt dabei der Klimawandel?

Steiner: Der Klimawandel spielt eine ganz zentrale Rolle, da er ganze Ökologiesysteme wie die Bergregionen, Polarzonen oder Korallenriffe beeinträchtigt. Die Tier- und Pflanzenwelt wird immer mehr ausgebeutet. Gebietsfremde und eingewanderte Arten verbreiten sich schneller als je zuvor als unvermeidbare Nebenwirkung des globalen Handels.

SPIEGEL ONLINE: Aber durch die pazifische Auster in der Nordsee ist der Mensch doch nicht bedroht?

Steiner: Wir sollten uns nicht täuschen: Die Zerstörung oder Veränderung der Ökosysteme hat nicht nur Auswirkungen auf das Überleben der Tiere, sondern auch des Menschen. Wir haben als World Conservation Union gerade eine große Studie zur Rolle der Korallenriffe im Katastrophengebiet des großen Tsunamis im Jahre 2004 im Indischen Ozean vorgelegt. Ihr zufolge haben auch eine langjährige Überfischung, Meeresverschmutzung sowie Siedlungsaktivitäten die schützenden Korallenriffe vor den Urlaubsstränden mit zerstört.

SPIEGEL ONLINE: Sollte man die Korallen schützen, damit sie dann die Menschen vor tödlichen Wellen schützen können?

Steiner: Nahezu 300.000 Menschen sind bei dieser Tsunami-Katastrophe zu Tode gekommen. Interessanterweise sind die Korallenriffe, deren natürliche Erholung 5 bis 20 Jahre dauern wird, weniger durch diese einmalige Naturkatastrophe geschädigt worden als durch menschliche Eingriffe. Der derzeitige Wiederaufbau der touristischen Infrastruktur lässt zudem befürchten, dass es zu neuen Umweltzerstörungen kommen kann.

SPIEGEL ONLINE: Haben also die Entwicklungsländer nichts dazugelernt?

Steiner: Im Gegenteil. Mein Eindruck ist, dass viele dieser Länder sich mit ihren natürlichen Schätzen stärker identifizieren und sie als Schutzzonen ausweisen. Nur brauchen die ärmeren Länder dafür die Unterstützung der Industrieländer, die ihre zugesagten finanziellen Hilfen auch umsetzen müssen.

SPIEGEL ONLINE: Die Konferenz in Brasilien wird wieder einmal feststellen, dass nur noch wenig Zeit für die Umsetzung der guten Beschlüsse bleibt. Die Umweltorganisation Greenpeace kritisiert, dass die Ziele der Biodiversität nicht annähernd erreicht worden sind.

Steiner: Die Staatengemeinschaft hat sich tatsächlich verpflichtet, den Erhalt der Biodiversität bis zum Jahre 2010 in konkreten Schritten voranzutreiben. Dazu gehören beispielsweise der Schutz der Meere, der Korallen, der natürlichen Wälder und eine Einbettung des Artenschutzes in alle anderen Sektoren. Die IUCN hat zu einem Countdown 2010 aufgerufen, konkrete Maßnahmen bis dahin zu erreichen. Es wird auf die Zusammenarbeit von Regierungen, Unternehmen und der Umweltverbände ankommen. Einzelne europäische Städte wie das niederländische Tillberg haben sich beispielsweise verpflichtet, bis dahin keinen weiteren Schwund der Biodiversität im Stadtgebiet zuzulassen. Die Europäische Union unterstützt die IUCN bei diesen konkreten Maßnahmen zur Biodiversität.

SPIEGEL ONLINE: Wie wollen Sie das in ihrem neuen Amt als Unep-Exekutivdirektor erreichen?

Steiner: Ich trete mein Amt im Juni an. Wir stehen in den kommenden zwölf Monaten vor größeren Reformen in den Vereinten Nationen. Das wird auch die Zusammenarbeit der Organisationen für Umwelt und Entwicklung betreffen. Mein Vorgänger Klaus Töpfer hat der Unep weltweit eine größeres Gewicht gegeben, nicht zuletzt indem er die Nachhaltigkeit auch als Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung in den Mittelpunkt gestellt hat. Die Unep wird auf diesem Gebiet weiter eine zentrale Rolle spielen, um den Dialog zwischen Unternehmen, Regierungen und nichtstaatlichen Organisationen zu fördern.

SPIEGEL ONLINE: Ein solcher Dialog findet nächste Woche mit dem nationalen Energiegipfel in Deutschland statt. Was ist für den Klimaschutz in dem künftigen Energieszenario wichtig?

Steiner: Zweierlei: Wir müssen alle regenerativen, also nachhaltigen Energien mit Nachdruck weiterhin ausbauen. Und es muss eine volle und ehrliche Kosten-Nutzen-Analyse der Energiearten erstellt werden.

SPIEGEL ONLINE: Danach würde die Kernenergie gar nicht so schlecht abschneiden?

Steiner: Da bin ich eher skeptisch, wenn wir die Nebenkosten dieser Energieart, insbesondere die langfristigen Kosten der Entsorgung einkalkulieren. Denken Sie nur an die Kosten der internationalen Gemeinschaft für den sogenannten Sarkophag, um die strahlenden Reste des Reaktorunfalls in Tschernobyl einzuschließen. Ein Energiegipfel ist nur erfolgreich, wenn auch der Klimaschutz und damit die Biodiversität mit berücksichtigt werden.