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vamp
22.03.2006, 15:26
Kleine Kinder lernen als erstes Bezeichnungen von Objekten, die sie interessieren. Bereits mit zehn Monaten prägen sie sich Begriffe für bunte und lärmende Gegenstände ein. Bezeichnungen weniger interessanter Dinge merken sie sich dagegen nicht.


screen Wenn es um das Lernen von Begriffen geht, sind Babys sehr wählerisch. Sie prägen sich die Namen von Gegenständen umso leichter ein, wenn diese bunt sind und zusätzlich noch spannende Geräusche von sich geben. Das haben Forscher der Temple University in Philadelphia bei einer Studie herausgefunden. Kleinkinder lernen, was sie interessiert, und nicht Bezeichnungen von Objekten, für die ihre Eltern Interesse zeigen, berichtet das Team von Shannon Pruden in der Fachzeitschrift "Child Development" (Bd. 77, Nr. 2).
Im ersten Teil ihrer Arbeit zeigten die Wissenschaftler Kleinkindern im Alter von zehn Monaten verschiedene Gegenstände und sprachen ihnen gleichzeitig deren Bezeichnungen vor. Einige der Objekte waren bunt, machten Geräusche oder besaßen bewegliche Teile, während andere in gedeckten Farben gehalten waren und eher unauffällige Formen hatten. Im zweiten Teil der Studie testeten die Forscher dann, welche Wörter die Kinder behalten hatten und welche nicht.

Die bunten, spannenden Gegenstände fesselten sofort die Aufmerksamkeit der Kinder, während die anderen Objekte lediglich kurz zur Kenntnis genommen wurden, schreiben die Forscher. Das spiegelte sich auch in den folgenden Sprachtests wider: Die Kleinen lernten und behielten Namen der bunten Dinge sehr viel besser als die der anderen. "Die Kinder kleben im Geiste eine Art Namensetikett auf die interessantesten Objekte, die sie sehen", sagt Hauptautorin Pruden.

"Wir haben herausgefunden, dass man auf einen Gegenstand schauen, ihn in die Hand nehmen und bewegen konnte, aber die Babys nahmen an, dass der Begriff, den man aussprach, zu dem anderen Gegenstand gehörte, für den sie sich gerade interessierten", sagt Kathy Hirsh-Pasek, die das Infant Lab der Temple University leitet.

Die Forscher glauben, dass ihre Erkenntnisse auch den Spracherwerb fördern können. Erzieher und Eltern sollten mit kleinen Kindern über Dinge sprechen, die sie mögen, und nicht über Gegenstände, die für Erwachsene interessant sind.

Soziale Informationen, zu denen beispielsweise die Blickrichtung, eine verbale Beschreibung eines Objektes oder erklärende Gesten gehören, seien erst für ältere Kinder die wichtigste Quelle für neue Wörter. Die Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Kinder sich in ihr Gegenüber hineinversetzen können und dabei sozusagen dessen Wortschatz anzapfen, erklärt Hirsh-Pasek. Zu einer solchen abstrakten Leistung sind Kinder im Alter von zehn Monaten jedoch noch nicht fähig, so dass sie zu einer anderen Lernmethode greifen müssen, erklären die Forscher.