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View Full Version : Archäologie - Eis-Archiv verrät neue Geheimnisse



vamp
23.03.2006, 12:53
Der längste Eisbohrkern der Welt ist rund drei Kilometer lang und reicht 740.000 Jahre in die Vergangenheit zurück. Forscher haben bei Analyse des Eises jetzt festgestellt, dass klimatische Veränderungen stets auf ähnliche Art verlaufen sind.

screeen Im Dezember 2004 holten Wissenschaftler das älteste Eis ans Tageslicht, das jemals ein Mensch zu Gesicht bekommen hat. Das Wasser am unteren Ende des Eiskerns, der während des "Epica"-Eisbohrprojekts (European Project for Ice Coring in Antarctica) gewonnen wurde, ist vor rund 740.000 Jahren gefroren. Insgesamt enthält der Bohrkern mehr als acht aufeinander folgende Wechsel von Kalt- und Warmzeiten und ist damit das längste kontinuierliche Eiskernarchiv überhaupt.

Ein europäisches Wissenschaftlerteam hat das Eis nun eingehend untersucht. Die Forscher fanden Hinweise darauf, dass die Erde im Verlauf von Klimaänderungen Regeln folgt. Kam es während der vergangenen 740.000 Jahren zu einem Wechsel von kalten zu warmen Bedingungen, seien die Änderungsprozesse stets ähnlich abgelaufen, erklärte Eric Wolff vom British Antarctic Survey. "Wenn wir diese Regeln verstehen, können wir Klimamodelle und somit auch Prognosen für die Zukunft verbessern."
Die Wissenschaftler haben chemische Komponenten aus Aerosolpartikeln im Eis untersucht, die mit dem Wind in die Antarktis transportiert wurden. Dabei stellte sich heraus, dass die Ausdehnung des Meereises rund um die Antarktis stets eng an die Temperatur gebunden war, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Nature" (Bd. 440, S. 491).

In allen Kaltzeiten der letzten 740.000 Jahre sei die Meereisbedeckung rund um die Antarktis sehr viel größer gewesen als in Warmzeiten. Zugleich sei der Süden Südamerikas deutlich trockener und windiger gewesen als heute, was zu einem erhöhten Staubeintrag in die Antarktis geführt habe. Die Staubteilchen sind Nährstoffe für kleine, im Wasser schwebende Algen.

Allerdings konnte eine Zunahme an Organismen in Kaltzeiten nicht beobachtet werden. "Zumindest für den südlichen Teil des Südozeans müssen wir Vorstellungen über eine Erhöhung der biologischen Produktivität in Eiszeiten neu Überdenken", sagte Hubertus Fischer vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, das an der Untersuchung beteiligt war. Auch Schwefelverbindungen spielten den neuen Daten zufolge keine aktive Rolle in der Klimaregulierung.