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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Medizin - Gentech-Medikament soll Beinamputationen verhindern



Cobra
30.03.2006, 22:42
Münster - Bestimmte Durchblutungsstörungen können künftig möglicherweise per Gentherapie behandelt werden. Eine Behandlung chronisch verstopfter Beingefäße mit einem neuartigen Medikament habe bei Testpersonen zu guten Ergebnissen geführt, sagt die Leiterin der Abteilung Gefäßheilkunde der Universität Münster, Sigrid Nikol. Das Mittel enthält Gene, die die Bildung neuer Gefäße anstoßen. So hofft sie, in einigen Jahren Beinamputationen wegen massiver Durchblutungsstörung verhindern zu können.
In Deutschland leide etwa jeder vierte über 65jährige unter Durchblutungsstörungen der Beine, so der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Angiologie, Karl-Ludwig Schulte. Bei zwei bis drei Prozent der Patienten verschlimmere sich die Krankheit soweit, daß Amputationen nötig werden. An 125 solchen Patienten testete Nikol die Therapie. Dabei habe das Mittel die Zahl der Amputationen um 50 Prozent gesenkt, ebenso die Sterblichkeit im ersten Jahr nach der Diagnose.

Das Mittel schubst die Zellen mit einem Trick zur Bildung neuer Blutgefäße an: Es enthält die Erbinformation für einen Wachstumsfaktor aus dem menschlichen Erbgut. Eine mit den Genen angereicherte Lösung spritzen die Ärzte den Patienten in die Beinmuskeln. "Im Muskel wird das Gen-Konstrukt von den Zellen aufgenommen", sagte Nikol. Es werde neben dem eigenen Erbgut im Zellkern gelagert. Immer wieder wird die Information dort abgelesen und in den gesuchten Wachstumsfaktor übersetzt. "Wir kurbeln so eine Langzeitproduktion von Wachstumsfaktoren an", sagt die Wissenschaftlerin. Über Monate würden die Zellen zur Bildung neuer Gefäßsprosse angeregt, die dann im Bein zu Umwegen um die verschlossenen Arterien wüchsen. Der Blutfluß verbessere sich wieder.