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View Full Version : Ernährung - Das Fett der Fische ist doch nicht so gesund



Cobra
02.04.2006, 13:21
Omega-3-Fettsäuren aus Fischen stehen in dem Ruf, vor einem Herzinfarkt bildschützen. Eine aktuelle Studie läßt Zweifel daran aufkommen

Mittlerweile weiß fast jeder: Fett ist nicht gleich Fett. Während die gesättigten Fette aus Fleisch als potente Kalorienträger mit erheblichem Krankheitspotential gelten, stehen die einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren für das genaue Gegenteil. Vor allem die mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren des Fischöls besitzen mittlerweile fast einen ähnlichen Status wie die allseits bekannten Vitamine. Der Arbeitskreis Ernährungs- und Vitamin-Information (Evi) verkündete sogar: "Die Geschichte der menschlichen Evolution muß neu geschrieben werden." Denn angeblich hätte der Homo sapiens nur deswegen ein so großes Gehirn, weil er seinen Speiseplan dereinst auf reichlich Omega-3 umgestellt habe. Und damit unser Hirn auch weiterhin funktionstüchtig bleibt, sollten wir täglich ein Fischölpräparat einnehmen oder aber alltägliche Nahrungsmittel wie etwa Brot mit Omega-3 anreichern. Denn, so Evi, "fette Fische wie etwa Makrele oder Hering sind ja bei uns eher unpopulär". Deutlicher kann man kaum für eine gezielte Nahrungsergänzung mit Fischöl plädieren - Evi wird übrigens von der Pharmafirma Hoffmann-La Roche finanziert.

Mittlerweile wird Omega-3 nicht nur fürs Hirn empfohlen, sondern auch zum Schutz von Augen, Herz und Kreislauf sowie als Cholesterinsenker und Entzündungshemmer. Fischölpräparate zählen in den Sortimenten von Apotheken, Drogerien und Supermärkten zu den Bestsellern. Und weil die natürlichen Fischölressourcen immer knapper werden, machten sich amerikanische Wissenschaftler daran, Omega-3-Fette im Fleisch von Schweinen anzureichern. Mit durchschlagendem Erfolg, wie sie jetzt in der Zeitschrift "Nature Biotechnology" berichten. Die Forscher schmuggelten ein sogenanntes Fat-1-Gen ins Schweine-Erbgut, mit der Folge, daß die Tiere fortan Omega-6- in Omega-3-Fettsäuren umwandeln konnten. "Rein technisch", erklärt Studienleiter Randy Prather von der Universität Missouri-Columbia, "stünde der Massenproduktion der Schweine nichts im Weg." Unklar sei allerdings noch, wie sie von der Agrarindustrie und vom Verbraucher aufgenommen würden.

- doch die Ergebnisse zeigen, wie jetzt ein Forscherteam unter Lee Hooper von der englischen Universität East Anglia in Norwich herausgefunden hat, keineswegs in eine eindeutige Richtung. "Wir fanden", so Hooper, "keinen schlagkräftigen Beweis dafür, daß Omega-3-Fettsäuren das Sterblichkeitsrisiko oder das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren." Ein Effekt auf die Entstehung von Krebs konnte ebenfalls nicht nachgewiesen werden.

Überhaupt bedeutet der Negativbefund der englischen Übersichtsarbeit nicht zwangsläufig eine generelle Abwertung von Fischöl. Denn ob ein Nährstoff positiv auf die Gesundheit wirkt, hängt von vielen weiteren Faktoren ab, wie etwa der Kombination der einzelnen Lebensmittel oder auch der Nährstoffverwertung des Menschen. So zeigten Nahrungsmittel wie Soja und Grüntee in asiatischen Studien deutlich positivere Effekte als hierzulande, und ähnliches kann man auch vom Fischöl vermuten: Denn die Menschen in Japan und Grönland sind weit mehr an Meerestiere gewöhnt als Mitteleuropäer - und können sie daher auch besser verwerten. Außerdem steht nach wie vor fest: Omega-3 gehört zu den wichtigen Bausteinen der Membranen von Nerven und anderen Körperzellen, und sie spielen eine wichtige Rolle im Entzündungsgeschehen. Eine Unterversorgung mit Omega-3 kann zu Nervenleiden führen und den Verlauf von Rheuma und Dermatitis verschlimmern. Offen ist allerdings, in welchen Mengen wir den Stoff zu uns führen sollten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) betont, daß es weniger auf die absolute Menge an Omega-3-Fettsäuren ankäme als auf ihr Verhältnis zu den Omega-6-Fettsäuren, die vor allem in Getreide vorkommen. Beide konkurrieren im menschlichen Stoffwechsel um dieselben Enzyme, deshalb sollte ihre Proportion ungefähr bei fünf zu eins liegen. Auf diesen Quotienten kommt man auch ohne Fischölkapseln oder eine tägliche Fischmahlzeit. Ein bis zweimal Fisch pro Woche reicht aus, darüber hinaus findet man Omega-3 auch in anderen Öllieferanten wie Walnüssen, Leinsamen, Weizenkeimen, Raps und Soja. In Lebensmitteln aus biologischem Anbau soll der Omega-3-Anteil besonders hoch sein.