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View Full Version : Medizin - Hebammen trainieren mit Roboterfrau



vamp
17.04.2006, 19:32
An einer 20.000 Dollar teuren Roboterfrau lernen Ärzte und Hebammen in US-Kliniken, wie sie sich bei Geburtskomplikationen verhalten müssen. Wenn alles gut läuft, halten sie am Ende ein fideles Roboterbaby in ihren Händen.

Noelle ist eine Gebärmaschine. Kaum hat sie ein Kind zur Welt gebracht, setzen schon neue Wehen ein und der nächste Schreihals kündigt sich an. Noelle kriegt Kinder wie am Fließband. Das muss sie auch, denn sie ist ein Geburtssimulator - eine Roboterpuppe voll gestopft mit Elektronik, die Ärzte und Hebammen vor Fehlern bei richtigen Geburten bewahren soll.

Nach Berechnungen des amerikanischen Institute of Medicine, ein Ableger der National Academy of Sciences, sterben in den USA pro Jahr 98.000 Patienten infolge vermeidbarer Behandlungsfehler.

screen "Wir versuchen einige dieser Fehler auszumerzen", sagt Paul Preston, Anästhesist im Krankenhauskonzern Kaiser Permanente. Er hat das Programm entwickelt, mit dem seine Kollegen landesweit in der Geburtsvorbereitung geschult werden. Die Roboterfrau Noelle spielt darin eine zentrale Rolle.

Zwischen 3200 und 20.000 Dollar kostet der Geburtssimulator - je nach Ausstattung. Nicht nur in den USA, auch in Afghanistan kam Noelle schon zum Einsatz. Realismus wird großgeschrieben: Die Puppe atmet, hat einen Pulsschlag und kann auch bluten.

Geburtskomplikationen können vorab programmiert werden. Es geht jedoch genauso per Kopfdruck von einem Laptop aus, während die Entbindung schon läuft. Wenn Hebammen und Ärzte richtig reagiert haben, halten sie am Ende ein Plastikbaby mit rosig schimmernder Haut in ihren Händen. Die Hautfarbe kann sich jedoch ändern. Blau deutet auf gefährlichen Sauerstoffmangel hin - wie im richtigen Leben.

Im Jahr 2004 reisten drei der Geburtssimulatoren nach Afghanistan. Sie sollten im einzigen Frauenhospital Kabuls bei der Ausbildung helfen. In dem asiatischen Land ist die Säuglingssterblichkeit besonders hoch. Der Einsatz war nach Angaben des Roboterherstellers Gaumard durchaus hilfreich, wurde allerdings durch wiederholte Stromausfälle behindert. Am Wichtigsten sei es gewesen, die Angestellten schulen zu können, ohne Patienten zu gefährden, sagte ein Sprecher des Unternehmens.