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View Full Version : Umwelt/Natur - Das Flug- Gen der Fledermäuse



vamp
19.04.2006, 09:42
Mit mehr als 900 verschiedenen Arten ist die Fledermaus ein Erfolgsmodell der Evolution. Wissenschaftler haben nun enträtselt, wie die Säugetiere es schafften, sich in die Lüfte zu erheben.

Die evolutionären Erfolgsmodelle sind scheue Geschöpfe - tagsüber sieht man die Tiere selten: Versteckt in Höhlen, Baumkronen und unter Brücken verschlafen sie den Tag. Durch ein uraltes Gen haben sie sich in eine komfortable Position im Tierreich aufgeschwungen.

screen Jede fünfte Säugetierart gehört zur Gattung der Fledermäuse - in manchen tropischen Regionen gibt es sogar mehr verschiedene Fledermausarten, als alle andere Säugetierarten zusammengezählt. Die Fledertiere sind zudem die einzigen Säuger, die es fertig bringen aus eigener Kraft zu fliegen.

Wie den Fledermäusen die sprichwörtlichen Flügel gewachsen sind, erklärt jetzt eine neue Studie eines Forscherteams um Karen Sears und Lee Niswander von der University of Colorado in Aurora. Den beiden Biologinnen nach, sei die luftige Errungenschaft der Tiere auf ein besonderes Knochenwachstums-Gen zurückzuführen.

Bei ihren Untersuchungen verglichen die Wissenschaftler den Aufbau verschiedener Fledermausflügel. Dabei zeigte sich, dass das Flügelskelett des mit 50 Millionen Jahren ältesten bekannten Fledermaus-Fossils identisch mit dem Knochenaufbau der Flügel von drei ausgestorbenen und zehn noch vorhandenen Arten ist.

Die Fledermausflughaut wird hauptsächlich von den besonders stark verlängerten dritten, vierten und fünften Fingerknochen aufgespannt. In Relation zur Körpergröße hätte sich der Flügel im Laufe der Evolution nicht verändert - Ihre Beobachtungen deuteten daher auf eine plötzliche und sehr schnelle Entwicklung der Fledermausflügel hin, schreiben Sears und Niswander im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Fledermausexperten gehen davon aus, dass der gemeinsame Vorfahr aller Fledermäuse ein kleines Säugetier mit kurzen Fingerknochen war. Um herauszufinden, wann genau sich die verlängerten Fingerknochen entwickeln, verglichen die Wissenschaftler in ihrer Studie das Wachstum von Mäuse- und Fledermausembryonen.

In der frühen Phase der Entwicklung beobachteten sie bei beiden Embryonen relativ zur entsprechenden Tragzeit von 20 beziehungsweise 120 Tagen ein gleich schnelles Wachstum der Fingerknochen. Zur Trächtigkeitshalbzeit aber legten die Fingerknochen bei den Fledermausembryonen einen regelrechten Wachstumsspurt hin - während die Rate bei den Mäusen konstant blieb.

Für das Rekordwachstum, so vermutet das Forscherteam, ist ein Gen verantwortlich, dass das so genannte "Bone Morphogenetic Protein 2", kurz BMP2, steuert. Es könnte auch einem Vorfahren vor ungefähr 50 Millionen Jahren Flügel verliehen haben.