Tonnenschwere Granit-Statuen, Schmuck und Gefäße, steinerne kBotschaften aus alter Zeit: Seit Jahren bergen Forscher sagenhafte Schätze aus dem Meer vor Ägypten. Jetzt zeigt der Unterwasserforscher Franck Goddio in einer Weltpremiere seine Funde in Berlin.

Als die Taucher im trüben Wasser vor Alexandria verschwanden, konnten sie nur vermuten, was sie an diesem Tag finden würden. Wenig später stießen sie im Schlick des Hafenbeckens auf Tausende Objekte aus der Zeit der Pharaonen, auf Reste von Tempelbauten und auf tonnenschwere Kolossalstatuen.

nDem Team des französischen Meeresforschers Franck Goddio war einer der wichtigsten archäologischen Funde der vergangenen Jahre in Ägypten gelungen: Die Taucher hatten die Überreste des untergegangenen Hafengebiets des antiken Alexandria entdeckt. Dabei spürten sie auch Herakleion auf, eine der wichtigsten Handelsmetropolen vor der Gründung Alexandrias, und das benachbarte Vergnügungsviertel Kanopos.

Die Ausgrabung an der ägyptischen Küste ist einer der Coups, mit denen der Quereinsteiger Goddio auch in der archäologischen Fachwelt für Wirbel gesorgt hat. Knapp 500 der vielen Tausend Objekte, die Goddios Team bei zahlreichen Tauchgängen vor der Küste Ägyptens ans Tageslicht geholt hat, werden nun im Berliner Martin-Gropius-Bau präsentiert - darunter Stelen, monumentale Statuen, Schmuck und Münzen, Parfumständer und Kultgegenstände. Am Mittwoch eröffnen Bundespräsident Horst Köhler und Ägyptens Präsident Husni Mubarak die Ausstellung "Ägyptens versunkene Schätze" (13. Mai bis 4. September sonntags, montags und mittwochs 10 - 20 Uhr, donnerstags bis samstags 10 - 21 Uhr).

Schon der Transport der Exponate nach Berlin besaß kolossale Ausmaße. Mit einem "Beluga"-Transportjet, dem weltweit größten seiner Art, wurden die Fundstücke in die Hauptstadt geschafft. Allein die Granit-Statue von Hapi, dem Gott der Fruchtbarkeit und der Nilflut, ragt 5,40 Meter in die Höhe und wiegt fünf Tonnen.

kDie schiere Größe des Projekts passt zu Goddio: Während Scharen studierter Archäologen von der Jugend bis ins Rentenalter Tonscherben blankpinseln, entschied sich Goddio erst im Alter von 37 Jahren, seinen Beruf als Finanzberater aufzugeben und nach Altertümern zu tauchen - und machte prompt spektakuläre Entdeckungen in Serie.

"Indiana Jones der Meere"

Das bescherte dem Franzosen nicht nur Schlagzeilen und Bewunderung, sondern auch Titel wie "Indiana Jones der Meere" ("Welt am Sonntag"). Sie reflektieren den Argwohn, mit dem manche Wissenschaftler auf Goddio reagieren. Viele halten ihn eher für einen Schatztaucher als für einen "echten" Archäologen.

Unstrittig ist jedoch, dass der 58-Jährige Entdeckungen gemacht hat, die Fachleute ebenso wenig ignorieren können wie die technischen Innovationen, die Goddio erfolgreich eingesetzt hat - darunter Echolote und ein Kernspinresonanz-Magnetometer, das eigens vom französischen Kommissariat für Atomenergie entwickelt wurde.

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