Verschmähte Neurodermitis-Creme kommt auf den Markt

Seit Jahren weigern sich Medikamentenhersteller, eine wirksame Salbe gegen Neurodermitis und Schuppenflechte zu vermarkten - jetzt hat eine TV-Dokumentation dieses Pharma-Versagen angeprangert. Mit Erfolg: Schon in wenigen Wochen kommt die Creme in deutsche Apotheken
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"Leider können wir Ihren Anruf im Moment nicht persönlich entgegennehmen, da unser Telefon aufgrund der Vielzahl der Anrufe überlastet ist", sagt eine Stimme auf dem Anrufbeantworter der Regeneratio Pharma GmbH in Remscheid. Seit Dienstag kann sich das kleine Unternehmen vor lauter Anfragen kaum retten. Dabei standen die Telefone jahrelang still in der Firma, die gegen die Hautkrankheiten Neurodermitis und Schuppenflechte möglicherweise eine Rezeptur kennt. Von der wollte allerdings kaum eine Pharmafirma etwas wissen.

Das ist jetzt anders: Nachdem die ARD am Montagabend den Bericht "Heilung unerwünscht - Wie Pharmakonzerne ein Medikament verhindern" ausgestrahlt hat, reißt das Interesse nicht ab. In dem Beitrag erzählt Klaus Martens von den jahrelangen, vergeblichen Bemühungen der Mediziner Karsten Klingelhöller und Thomas Hein, ihre selbst entwickelte und in klinischen Studien geprüfte Salbe gegen die beiden Hautkrankheiten auf den Markt zu bringen. Zahlreiche Pharmafirmen lehnten im Lauf der Zeit ab. Die auf den Namen Regividerm zugelassene Creme ist bis heute nicht in Apotheken zu kaufen.

Nach der Sendung hat sich nun jedoch offenbar ein Vertriebspartner gefunden: die schweizerische Mavena Health Care AG. "Seit Dienstag weiß ich, dass Regividerm ab Mitte November in Deutschland erhältlich sein wird", sagt Renate Kott-Roesmer, Geschäftsführerin von Mavena Health Care Deutschland. Das Unternehmen übernehme den Vertrieb der Salbe, die von der Firma Regeneratio Pharma GmbH hergestellt wird, einst gegründet von Karsten Klingelhöller. "Es handelt sich um eine kurzfristige Entscheidung", so Kott-Roesmer gegenüber SPIEGEL ONLINE.
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