Frei.Wild
Trauben verschwitzter Männer drängeln vor der Bühne. Viele haben die T-Shirts von ihren tätowierten Oberkörpern abgestreift. Frauen sind kaum zu sehen. Das Konzert der Rockgruppe Frei.Wild im Volkshaus Zürich ist ausverkauft. »Wir dürfen mit vollem Stolz verkünden: Wir sind Südtiroler!«, ruft Sänger Philipp Burger ins johlende Publikum. Was nun folgt, ist auf Konzerten des Quartetts zum Ritual geworden: hochalpiner Patriotenrock, dumpf und stampfend, der auch fern der Dolomiten auf dem platten Land funktioniert.

Stur dreschen die Südtiroler ihre vier Akkorde in die Gitarren. »Südtirol, wir tragen deine Fahne, denn du bist das schönste Land der Welt«, huldigt der Grölgesang der Heimat. Die Fans singen begeistert mit: »Südtirol, deinen Brüdern entrissen, schreit es hinaus, lasst es alle wissen. Südtirol, du bist noch nicht verloren. In der Hölle sollen deine Feinde schmoren.« Dass die Region südlich des Brenners nach dem Ersten Weltkrieg Italien zugesprochen wurde, haben die vier Musiker ebenso wenig verkraftet wie offensichtlich auch ihre Fans. Egal, ob bei Auftritten in Deutschland, Österreich oder der Schweiz: Mit der nationalistischen Hymne kann sich jeder identifizieren.

Mit ihrem vorwärtspeitschenden Deutschrock haben Frei.Wild den Durchbruch geschafft. Mehr noch: Ausgerechnet eine Südtiroler Band tritt das heiß umkämpfte Erbe der Böhsen Onkelz an, jener Band, die 20 Jahre lang die größte gemeinsame Schnittmenge zwischen Prollrock und rechtem Agitationslärm bildeten. Das Erfolgskonzept der Kombo aus Brixen ist einfach: Sie mimen die wilden Rebellen, die Musik für harte Männer machen, und verbinden dieses Erscheinungsbild mit kitschigem Heimatabendpathos – eine völkisch-nationalistische Melange aus dem Rockmusikantenstadl, die bei patriotischen Fans in Bozen ebenso ankommt wie in Rostock oder an der Ruhr.

Früher hat die Rabiatrockgruppe Böhse Onkelz aus Hösbach in Unterfranken diese Zielgruppe bedient. Das Vakuum, das sie nach ihrer Auflösung 2005 hinterließen, wurde nun gefüllt. Frei.Wilds aktuelles Album Gegengift verkaufte sich bislang 150.000-mal und landete auf Platz zwei der deutschen Albumcharts. Ihre Tourneen sind stets ausverkauft. Anders als die illegalen Krawallorgien von Nazibands sind ihre Konzerte längst Mainstream-Veranstaltungen. 2010 spielte die Gruppe sogar während der Fußball-WM auf der Fanmeile in Berlin vor über 200.000 Menschen. Auch bei großen Festivals wie dem legendären Wacken-Open-Air stehen sie regelmäßig auf der Bühne.


Ein Direktes Gespräch mit dem Sänger der Band um mit ihm für Recherchen zu Sprechen wurde nicht wahrgenommen wie der Mail verlauf Zeigt.


Quelle: Zeit Online - Zum Vollständigen Artikel
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