Niamey/Eschborn - Jeden Tag sterben nach Angaben der Vereinten Nationen 6000 Menschen an Wassermangel oder Wasserverunreinigung - die meisten davon Kinder.

screen "18 Prozent der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zu sauberen Trinkwasser", schreiben die Vereinten Nationen zum Weltwassertag an diesem Mittwoch. Tüftler aus Deutschland und Dänemark wollen mit einfacher Technik Abhilfe schaffen.

Eine blaue Plastikröhre von der Größe einer Blockflöte könnte in Zukunft zahlreichen Menschen in Krisengebieten das Leben retten. Anstatt große Filter zu installieren, trinken die Menschen das Wasser einfach durch Trinkröhren, die bereits alle nötigen Filter enthalten. Eine dänische Firma hat damit der Wendung "sich an den letzten Strohhalm klammern" nun eine neue Bedeutung gegeben: Der "LifeStraw", der in diesen Wochen auf den Markt kommt, soll seinem Besitzer ein ganzes Jahr lang sauberes Wasser verschaffen - und das für gerade mal etwa 3,50 Euro.

Der LifeStraw sei bereits bei Hilfsaktionen nach dem Tsunami erfolgreich eingesetzt worden, erklärt Olivier Cahi von der Firma Vestergaard Frandsen. "Er filtert Bakterien und Mikroorganismen heraus, die Krankheiten verursachen, zum Beispiel Durchfall, Diphtherie und Cholera." Die blaue Röhre enthält verschiedene Filter, unter anderem Granulat aus Aktivkohle und ein Harz, das Bakterien tötet. Etwa 700 Liter Wasser können auf diese Weise gereinigt werden. Wenn ein Erwachsener die empfohlene Mindestmenge von zwei Liter am Tag trinkt, kann er den Trinkhalm ein Jahr lang verwenden. Kinder können die Röhre nutzen, sobald sie kräftig genug saugen können.

Die Trinkröhre mit den Filtern soll in Kürze von der Weltgesundheitsorganisation geprüft werden, sagt Cahi. Hilfsorganisationen sind von der Idee begeistert. "In Niger haben fast die Hälfte der Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. Es wäre toll, wenn man ihnen ein solches Gerät geben könnte", meint Aboudou Adjibade, der Landeschef des Kinderhilfswerks UNICEF in Niamey. "Brunnenbohrungen und Wassertransporte sind furchtbar teuer, sagt Adjibade.

Der deutsche Elektroingenieur Wolfgang Witt hat eine ganz andere aber ebenfalls einfache Technik in seiner Freizeit entwickelt. Das verschmutzte Wasser wird bei der Methode des 55-Jährigen durch ein Rohr aus Quarzglas an UV-Strahlern vorbeigeleitet und durch die Bestrahlung gesäubert. UV-Strahlen zur Reinigung von Trinkwasser sind zwar nicht neu. Witt hat die Technik jedoch verbessert.

Das Gehäuse der Anlage, das bei herkömmlichen Geräten aus Edelstahl ist, hat Vitt aus Aluminium gebaut. Das Licht werde bei Aluminium stärker reflektiert als bei Edelstahl, erklärt er. Im Wasser würden dadurch bereits bei geringerer Leistung der UV-Strahler Keime wie Coli-Bakterien oder Legionellen abgetötet. Durch die Zugabe von Ozon kann das Wasser auch von Medikamentenrückständen befreit werden.

Inzwischen hat Witt eine eigene Firma. Mit den kleinen blauen Zylindern werden bereits mehr als 400 000 Menschen in Entwicklungsländern mit sauberem Wasser versorgt. "In Indien liegen beispielsweise die Investitionskosten für Entkeimungsanlagen bei nur zehn Cent pro Kopf."

Mit der Entwicklung seines Systems hat Vitt, der bei der Gesellschaft für Technischen Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn bei Frankfurt für die Haus- und Energietechnik zuständig ist, schon vor mehr als 20 Jahren begonnen. Mittlerweile hat sich Vitt seine Erfindung mit neun Patenten schützen lassen und das Unternehmen UVitt GmbH gegründet, das das System herstellt und weltweit vermarktet.

"Je nach Größe der Anlage können so pro Stunde bis zu 50 000 Liter Wasser gereinigt werden", sagt Vitt. In Indien wurden mittlerweile rund 400 solcher Wasserentkeimungsanlagen vor allem bei Schulen und Krankenhäusern eingebaut. Aber auch in Europa stößt das System zunehmend auf Interesse. So wird beispielsweise das Kühlwasser in einigen Industriebetrieben oder Wasser für Teiche, Brunnen und Klimaanlagen mit der Methode entkeimt.